Texas Cattleman's Club: The Wedding Book

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  • Erscheinungstag 16.07.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751542067
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

REESE RYAN

Der Rancher und das City-Girl

1. KAPITEL

„Was soll das heißen, du kommst nicht?“

Dionna Reed ging in ihrer Suite auf und ab. Vor einer Stunde war sie hier im Resort The Bellamy im texanischen Royal angekommen und hatte ihre beste Freundin, die Schauspielerin Ariana Ramos, jeden Moment erwartet. Stattdessen teilte ihr Ari jetzt per Videoanruf mit, dass sie doch nicht nach Royal kommen würde.

„Aber es geht um deine Hochzeit, Ari. Da kannst du doch nicht einfach wegbleiben.“ Dionna merkte, dass sie lauter als nötig geworden war. Egal. Das hier war ein Notfall!

„Ich träume von meiner Hochzeit, seit ich fünf bin. Glaubst du also wirklich, dass ich lieber noch vier weitere Wochen hier am Set in Peru feststecken möchte?“ Aris Stimme zitterte leicht, und sofort bekam Dee ein schlechtes Gewissen.

Sie opferte nur vier Tage ihres umtriebigen Lebens, um Ari hier in Royal, der Heimatstadt ihres Verlobten Xavier Noble, moralisch zu unterstützen. Außerdem sollte sie ihren Rat abgeben, während Ariana und ihr Verlobter zusammen mit der Hochzeitsplanerin die Einzelheiten für die Festlichkeiten besprachen.

„Es tut mir leid, Ari. Ich weiß, wie sehr du dich darauf gefreut hast.“ Dionna ließ sich auf dem Ledersofa nieder und blickte sich in der luxuriösen Hotelsuite um, die ihre Freundin vermutlich eine Stange Geld kostete. „Was ist denn überhaupt passiert?“

„Kurz bevor wir den Abschluss des Drehs mit einer Party feiern wollten, ist die Bombe geplatzt“, berichtete Ari sichtlich verärgert. „Ich habe dir doch erzählt, dass mein Kollege Nicholas Rainey mich immer so lüstern ansieht, sobald die Kamera aus ist, oder? Nun, wie sich herausgestellt hat, ist er bei einigen anderen Frauen noch weitergegangen …“

„Willst du damit sagen …“

„Ja! Mehrere Frauen haben sich wegen sexueller Belästigung über ihn beschwert. Seit die Erste vor ein paar Tagen Anzeige gegen ihn erstattet hat, haben sich mindestens noch zehn weitere Frauen gemeldet – einschließlich seiner Schwägerin!“

„Du meine Güte! Ist seine Frau nicht gerade wieder schwanger?“, fragte Dionna.

„Mit dem fünften Kind“, rief Ari aufgebracht.

„Wow. Was für ein Mistkerl“, meinte Dionna. „Aber der Film war doch schon abgedreht. Wie geht es jetzt weiter? Wollen sie den Film auf Halde legen, in der Hoffnung, dass sich die Aufregung irgendwann legt?“

„Sie nehmen diese Anschuldigungen ernst, und das sollten sie auch. Nicks Agent und seine PR-Agentur haben ihn schon wie eine heiße Kartoffel fallenlassen, und das Studio nimmt ihn aus dem Film. Eine richtige Entscheidung. Aber es bedeutet, dass wir so gut wie jede Szene, in der er vorkommt, noch einmal drehen müssen. Und da er der Hauptdarsteller war, müssen wir im Grunde den ganzen Film neu drehen.“

„Oje, du Ärmste. Ich tue, was ich kann, um dir zu helfen. Soll ich die Hochzeitsplanerin anrufen, um den Termin zu verschieben?“ Dionna griff nach ihrer Ledertasche und holte ihren Terminplaner raus.

„Nein!“

„Warum nicht?“ Dionna blickte auf den Kalender. „Ihr wolltet doch jetzt Entscheidungen bezüglich der Hochzeit treffen. Da wäre die Anwesenheit der Braut doch ganz wünschenswert.“

„Wir haben das schon zweimal verschoben und können es nicht länger vor uns herschieben. Wir haben doch bereits Ende Februar. Bis zur Hochzeit im Juni bleibt nicht mehr viel Zeit.“

„Aber wie soll das ohne die Braut gehen?“, fragte Dionna ungläubig. „Soll Xavier dich bei jeder Entscheidung per Videoanruf zu Rate ziehen?“

„Was das angeht …“ Aris Miene wirkte auf einmal ziemlich verlegen.

„Noch mehr schlechte Neuigkeiten?“

„Ex kommt auch nicht.“

„Was? Wieso nicht? Das hier ist doch seine Heimatstadt. Er ist derjenige, der lieber hier statt in L. A. heiraten will.“ Dionna fand es immer noch nicht gut, dass Ari mit der Tradition gebrochen hatte und die Hochzeit in die Heimatstadt des Bräutigams verlegt hatte.

Doch Ex war es wirklich wichtig gewesen, wo sie heirateten, während es Ari nur darauf ankam, dass es eine spektakuläre Hochzeit wurde. Zudem war es ein Zugeständnis an ihre künftigen Schwiegereltern gewesen, die nicht gerade begeistert darüber waren, dass ihr Sohn, ein Bestsellerautor, einen Hollywoodstar heiraten wollte.

Für Ari war es ein kleines Opfer für den Mann, den sie vergötterte, erschwerte allerdings die Hochzeitsplanung. Vor allem jetzt.

„Ich weiß, Süße“, meinte Ari mit derselben Stimme, mit der sie Dee schon seit der Schulzeit, als sie beste Freundinnen geworden waren, zu fragwürdigen Dingen überredete. „Aber die Lesereise für sein neuestes Buch läuft gerade richtig gut. Xaviers Verleger möchte die Tour in Europa noch ausweiten, und außerdem haben sie zusätzliche Talkshow-Auftritte eingeplant.“

„Aber dieser Termin steht seit Wochen fest“, jammerte Dee.

„Deshalb wollte er ja auch ablehnen. Aber da ich jetzt auch nicht kommen kann, dachte er, er kann es ausnutzen, solange das Buch so heißbegehrt ist. Ich brauche dich da, Dee. Niemand kennt mich besser als du. Du weißt genau, was ich denke – meist sogar, noch ehe ich etwas gesagt habe. Du weißt, was ich mag und was nicht. Du bist meine perfekte Vertretung. Ich vertraue sogar darauf, dass du das Menü richtig auswählst. Notfalls kann ich später ja immer noch kleine Änderungen vornehmen. Aber zumindest wird der Ball ins Rollen gebracht.“

Dionna ließ sich die Worte ihrer Freundin durch den Kopf gehen.

„Ich brauche wirklich deine Hilfe, Dee“, flehte Ari. „Es gibt niemanden, dem ich diese Aufgabe sonst anvertrauen würde. Nicht einmal Sasha“, fügte sie hinzu und meinte ihre jüngere Schwester. „Bitte, bitte. Du darfst dir sogar dein Brautjungfernkleid selber aussuchen.“

Damit hatte sie Dionnas Aufmerksamkeit. Diese hatte nämlich schreckliche Angst davor, dass ihre Freundin sie in ein ärmelloses und so tief ausgeschnittenes Kleid stecken würde, dass man ihren Nabel sah.

„Abgemacht“, sagte Dee, ehe Ari ihre Meinung ändern konnte.

„Danke, Dee. Du bist die beste Freundin, die man sich wünschen kann.“

„Mal sehen, ob du das auch noch nach der Hochzeit sagst. Denn auch, wenn ich dich in und auswendig kenne, trifft das auf deinen Verlobten absolut nicht zu.“

Ari grinste. „Keine Sorge, Süße. Das ist geklärt.“

Dionna stöhnte. Das Funkeln in den Augen ihrer Freundin gefiel ihr gar nicht.

„Du willst kneifen?“, fragte Tripp Noble seinen Cousin Xavier, während er die Auffahrt der Noble Spur Ranch, die seit vier Generationen im Besitz von Tripps Familie war, hinunterfuhr. „Es ist aber nicht so, dass du wegen der Hochzeit kalte Füße kriegst, oder?“

Tripp und Ex waren gemeinsam auf der Ranch aufgewachsen und hatten wie Pech und Schwefel zusammengehalten, wenn sie mal wieder irgendeinen Unsinn ausgeheckt hatten. Doch Ex hatte Royal schon vor einer ganzen Weile verlassen. Er hatte davon geträumt, ein berühmter Autor zu werden – und es auch geschafft. Er war sogar berühmter geworden, als einer von ihnen sich je hätte träumen lassen.

Xavier hatte schon überall in den Staaten gewohnt und lebte zurzeit in Los Angeles. Die beiden Männer standen sich noch immer nahe, auch wenn sie sich lange nicht mehr persönlich getroffen hatten. Daher hatte Tripp sich darauf gefreut, endlich mal wieder Zeit mit seinem Cousin verbringen zu können.

„Nein, natürlich habe ich keine kalten Füße bekommen. Soll das ein Witz sein? Ariana ist das Beste, was mir je passiert ist. Ich kann es kaum erwarten, sie zu heiraten“, erklärte Ex ohne zu zögern.

„Was ist denn dann der eigentliche Grund, warum du nicht herkommst?“

„Habe ich dir doch schon gesagt. Mein Verleger will die Tour ausweiten.“

„Und …?“

Auch wenn sie die letzten Jahre nicht mehr oft zusammengekommen waren, kannte Tripp seinen Cousin gut genug.

„Okay, okay.“ Xavier seufzte. „Alles, was ich über die Tour gesagt habe, stimmt. Aber Ari hat schon ein riesiges Opfer gebracht, als sie zugestimmt hat, die Hochzeit nach Royal zu verlegen. Ich will das nicht vermasseln. Diese Hochzeit muss so traumhaft werden, wie Ari es sich vorgestellt hat … mindestens.“

„Und wer weiß besser als du, was sie sich wünscht?“

„Ich weiß viel über Ari“, stimmte Ex zu. „Aber, wenn es um diesen Hochzeitskram geht, bin ich nutzlos. Das darf nicht in die Hose gehen. Dafür ist ihr das alles zu wichtig.“

„Okay, wie lautet also der Plan? Wollt ihr den Termin verschieben?“

„Nein, das will Ari nicht. Sie möchte endlich anfangen und Dionna die Entscheidungen überlassen.“

„Mir ist schon klar, dass sie sich nahestehen, aber kann Ariana wirklich damit leben, dass ihre beste Freundin die Entscheidungen über ihre Hochzeit trifft?“, fragte Tripp.

Er kannte die Braut seines Cousins nur von Videotelefonaten, aber er konnte sich nicht vorstellen, dass sie etwas so Wichtiges wie die Planung ihrer Hochzeit jemand anderem überließ.

„Ari meint, dass niemand sie besser kennt, und das glaube ich auch.“

„Und was ist mit dem, was du willst?“, hakte Tripp nach. „Willst du mir weismachen, dass du dich aus dem Ganzen völlig raushalten willst? Ich meine, vorausgesetzt, dass es sich um deine einzige Hochzeit handelt …“

„Hahaha, du bist so unglaublich witzig …“

„Ich sag ja nur. Wenn du das nur einmal durchziehen willst, dann vermute ich mal, dass du dem Ganzen auch deinen Stempel aufdrücken willst“, erwiderte Tripp.

„Gut, dass du es erwähnst. Da kommst du jetzt nämlich ins Spiel.“

„Ach ja?“ Tripp nahm eine Sekunde lang die Augen von der Straße und musste dann scharf bremsen, um das Eichhörnchen, das über die Straße flitzte, nicht zu erwischen.

„Dionna vertritt Ari, und ich möchte, dass du mich vertrittst. Du kennst mich, Tripp. Du weißt, was mir gefallen würde, was ich akzeptieren kann, um Ari glücklich zu machen, und was ich hassen würde.“

„Hey, Alter, wenn es um deinen Junggesellenabschied geht, bin ich dabei. Aber sehe ich etwa aus wie ein verdammter Hochzeitsplaner ?“

„Eine Hochzeitsplanerin haben wir bereits engagiert, Rylee Meadows. Sie kommt an diesem Wochenende nach Royal.“ Er ahnte, dass Xavier grinste. „Ich bitte dich doch nur, mit ihr und Dionna zusammenzuarbeiten, damit sichergestellt ist, dass diese Hochzeit Aris und meinen Wünschen entspricht. Du weißt, dass ich dich nicht um diesen Gefallen bitten würde, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.“

Tripp, der gerade an einer Ampel hielt, dachte über die Bitte seines Cousins nach.

Da er und Ex sich so nahestanden wie Brüder, würde er ihm natürlich helfen. Selbst wenn es bedeutete, dass er Aushilfs-Hochzeitsplaner spielen musste.

Außerdem hatte er das ja auch schon in den vergangenen Monaten getan. Da Ariana erkannte hatte, wie wichtig die Familie für Ex war, hatte sie Tripp in die Telefonate über die Hochzeit mit einbezogen. Und es war Tripp gewesen, der dezent darauf hingewiesen hatte, dass seine Tante und sein Onkel, Xaviers Eltern, nicht gerade begeistert waren, dass die Trauung in L. A. stattfinden sollte, woraufhin Ari die Hochzeit nach Royal verlegt hatte.

Ehrlich gesagt hatte er nicht damit gerechnet, dass sie ihre Traumhochzeit-Location in L. A. aufgeben würde. Aber es war offensichtlich, dass sie seinen Cousin liebte, und das respektierte er. Daher wollte er, dass diese Hochzeit denkwürdig wurde, Ari und auch Ex zuliebe, einfach, weil sie es verdient hatten.

Wenn Ari solch ein Opfer für Xavier brachte, dann würde es ihn selbst ja wohl nicht umbringen, ein bisschen Zeit dafür zu opfern.

„Okay, ich bin dabei. Sag mir einfach, was du brauchst“, gab Tripp nach.

„Wir hätten heute Abend eigentlich mit den Mädels essen gehen sollen. Um ihnen zu zeigen, was für ein toller Ort Royal ist. Dionna ist bereits in der Stadt, und um ehrlich zu sein, ist sie nicht besonders glücklich darüber, dass wir in Royal feiern wollen. Tu mir den Gefallen und versuche, ihre Meinung zu ändern.“

In den Videotelefonaten hatte Aris beste Freundin hübsch ausgesehen, hatte aber reserviert gewirkt und so, als würde sie sich stets an die Regeln halten. Mit ihrem Brillengestell aus Schildplatt, den zurückgekämmten Haaren wirkte sie wie eine strenge, aber heiße Bibliothekarin. Beim dritten Videoanruf war sie ein wenig lockerer geworden. Und auch, wenn er und sie nicht unterschiedlicher sein könnten, hatte Dee etwas an sich, was Tripp anzog.

„Du willst also, dass ich mit Dee Spaß habe? Wird erledigt.“

„Dein Tonfall gefällt mir nicht“, widersprach Ex.

„Du hast mich gebeten, ihre Meinung über Royal zu ändern.“ Tripp lachte.

„Hey, Alter, wehe, du vergeigst das. Ariana bedeutet mir alles, und Dee und Ari stehen sich näher als Schwestern.“

„Ach, komm schon. Ari vergöttert dich. Alles wird gut.“

„Aber nicht, wenn mein Cousin, der Playboy, ihre beste Freundin anbaggert und ihr das Herz bricht. Ich habe schon Ehen gesehen, die wegen geringerer Sachen gescheitert sind. Du wirst also einsehen, dass ich es nicht riskieren möchte herauszufinden, wie nachsichtig Ari diesbezüglich ist“, erklärte Xavier ernst.

Tripp lag es auf der Zunge zu erwähnen, dass sie hier von einer erwachsenen, taffen Frau von Mitte dreißig und nicht von einer naiven Studentin redeten. Aber Xavier schien in dieser Sache keinen Spaß zu verstehen, daher hielt Tripp den Mund. Schließlich hatte er auch gar nicht die Absicht, etwas mit Dee anzufangen.

„Ich verspreche, dass ich bestes Benehmen an den Tag lege. Zufrieden?“, fragte Tripp, während er vor dem Blumenladen im Zentrum von Royal hielt.

„Ja, mehr oder weniger.“ Xavier seufzte. „Ernsthaft, ich danke dir, dass du mir hilfst. Ich weiß, dass Hochzeitsplanung nicht gerade dein Steckenpferd ist.“

„Ist schon okay, aber vergiss nicht, dass du mir dafür was schuldest. So, jetzt muss ich ein paar Sachen erledigen. Sag Bescheid, wenn du von deiner Tour zurück bist.“

„Auf jeden Fall.“ Xavier verabschiedete sich.

Tripp seufzte. Er war wirklich nicht an Dionna interessiert, aber die Frau war genauso faszinierend, wie sie nervig war. Er würde lügen, wenn er erklärte, der Gedanke wäre ihm nicht schon durch den Kopf gegangen.

2. KAPITEL

„Du willst, dass ich mit Tripp zusammen deine Hochzeit plane?“, wiederholte Dee die Bitte ihrer Freundin. „Das wird ja immer schöner.“

„Tripp kennt Ex genauso gut wie du mich. Ihr seid die perfekten Stellvertreter für uns. Und wenn irgendwas Dringendes ist, könnt ihr ja immer noch einen von uns kontaktieren. Wir melden uns dann so schnell wie möglich“, erklärte Ariana.

„Müssen wir Tripp wirklich mit einbeziehen? Also ich bin sicher, dass Rylee und ich das auch allein hinbekommen.“

„Was hast du gegen Tripp? Er sieht gut aus. Er ist heiß. Er hat Humor.“

„Genau!“, rief Dionna. „Er wirkt auf mich wie ein verwöhnter Playboy, dem alles auf einem Silbertablett serviert wird. Ein Mann, der nichts ernst nimmt. Dir ist schon klar, dass das die schlimmste Art von Mann ist, mit der du mich zusammenbringen kannst … für diese Projekt“, fügte sie hastig hinzu.

Auf keinen Fall wollte sie ihrer Freundin einen Floh ins Ohr setzen.

„Das ist nicht fair von dir, Dee. Tripp ist ein Rancher, und so, wie ich das verstanden habe, arbeitet er genauso hart wie seine Leute. Und eure gegensätzlichen Charaktere machen euch zu einem tollen Planungsteam, weil ihr euch ergänzt. Du wirst sicherstellen, dass er mit dem nötigen Ernst dabei ist, und er wird dir helfen, mal ein bisschen lockerer zu werden. Hier geht es letztlich ja um eine Feier. Ich möchte nur, dass es die beste, edelste Feier wird, die es in diesem kleinen Ort je gegeben hat.“

„Na, wunderbar. Das baut ja gar keinen Druck auf“, stöhnte Dionna.

„Ach, du schaffst das schon“, versicherte Ariana ihr. „So, und nun lass uns mal überlegen, was du zum Abendessen anziehen kannst.“

„Das hier ziehe ich an.“ Dionna deute auf die weiße Bluse, die schwarze Stoffhose und die bequemen Schuhe.

„Das ist nicht dein Ernst“, entfuhr es Ari.

„Das ist doch kein Date“, erinnerte Dionna ihre beste Freundin. „Ich treffe mich mit dem Trauzeugen, um Einzelheiten eurer Hochzeit zu besprechen.“

„Es ist ein Abendessen“, widersprach Ariana nach einer verdächtig langen Pause. „Leider muss ich jetzt los, aber tu mir den Gefallen und zieh was Hübsches an und entspann dich mal. Sonst geht das mit euch beiden gleich zu Beginn in die Hose.“

Tripp Noble.

Allein der Gedanke an sein gut aussehendes Gesicht, das breite Lächeln und diese faszinierenden goldbraunen Augen sandte einen wohligen Schauer über ihren Rücken.

Tapp nicht wieder in diese Falle!

Ja, der Mann war gut aussehend, witzig und wohlhabend. Doch er konnte auch stur und unglaublich nervig sein, wie er während der Videotelefonate bewiesen hatte. Hatte sie gerade noch davon geträumt, wie es wohl wäre, Tripps köstliche Lippen zu küssen, war sie im nächsten Moment versucht, ihm den Hals umzudrehen, weil er so dickköpfig war.

Sicher, Tripp war attraktiv. Charmant. Da konnte man schon mal in Versuchung geraten, zumal er mit ihr geflirtet hatte. Aber sie beide waren einfach zu unterschiedlich. Außerdem war Flirten für ihn vermutlich genauso normal wie Atmen. Es bedeutete noch lange nicht, dass er sie mochte.

Und Dee hatte nicht die Absicht, ihren Namen der Liste seiner Eroberungen hinzuzufügen.

Sie war jetzt fünfunddreißig. Wenn sie sich wieder mit einem Mann einließ, dann mit einem, mit dem sie die Zukunft verbringen würde. Nicht mit einem Charmeur, der die Worte ewiger Junggeselle noch auf seinem Grabstein stehen hatte.

Erstaunt blickte sie auf, als es klopfte. „Ja?“

„Eine Lieferung für Dionna Reed.“ Als Dionna die Tür öffnete, reichte der Bote ihr ein Paket. Sie unterzeichnete und gab ihm ein Trinkgeld, bevor sie die Tür schloss.

Der Absender verriet, dass das Paket von Ari kam. „Was hast du jetzt schon wieder ausgeheckt?“, überlegte Dee.

Sie öffnete das Paket und entdeckte bunte Röcke, Blusen und Hosen. Ein langärmliges schwarzes Minikleid. Weitere Kleider in unterschiedlichen Farben und Mustern und einen blauen, edlen Jumpsuit. Dazu jeweils passende Schuhe und Accessoires. Und das alles aus Dees eigenem Kleiderschrank.

Ari war seit Wochen in Peru. Wann hatte ihre Freundin die Sachen, die Dee aus Frust nach der Trennung gekauft hatte, wohl rausgesucht? Gar nicht. Es war vermutlich Aris jüngere Schwester Sasha gewesen.

Sie überlegte gerade, dass sie mit Ari mal ein ernstes Wörtchen sprechen sollte, wann es angemessen war, den Ersatzschlüssel zu benutzen, als ihr Telefon piepte.

Wie ich sehe, hast du das Päckchen erhalten. Du hast fantastische Beine, daher würde ich mich für das schwarze Minikleid entscheiden. Und verzichte auf den Haarknoten! Vergiss nicht, Fotos zu schicken!

Ari entging wirklich nichts.

Dee seufzte. Nachdem ihre letzte Beziehung vor einiger Zeit in die Brüche gegangen war, hatte sie unbewusst angefangen, nur noch Schwarz und Weiß zu tragen. Die Farben passten perfekt zu ihrer allgegenwärtigen Gemütslage: eine Kombination aus Elend und Hoffnung. Aber da ihre beste Freundin sich so viel Mühe gegeben hatte, sollte sie auf diesem Kurztrip vielleicht auch mal über ihren Schatten springen.

Allerdings hoffte sie, dass es heute Abend nicht noch mehr Überraschungen gab. Sie war schon nervös genug wegen des Treffens mit dem frustrierenden und gleichzeitig faszinierenden Tripp Noble.

Tripp parkte seinen Wagen vor dem Hotel und stieg aus, bevor er nach der Vase mit dem großen Blumenstrauß aus Lilien und Rosen griff. Er reichte den Autoschlüssel einem Parkwächter und ging nach drinnen.

Er war mit Dionna im Restaurant des Luxus-Resorts verabredet. Doch erst jetzt wurde ihm klar, dass er eine halbe Stunde zu früh dran war und sich mit dieser riesigen Vase nicht gut an die Bar setzen konnte. Also würde er ihr die Blumen in die Suite bringen, und dann konnten sie gemeinsam nach unten ins Restaurant gehen. Er zog sein Handy aus der Tasche, scrollte durch den Gruppenchat und merkte sich Dees Zimmernummer, bevor er in den Fahrstuhl stieg.

Er genoss diesen kurzen Moment der Ruhe, da die letzten Tage auf der Ranch hektisch gewesen waren. Er hatte sich bemüht, möglichst viel abzuarbeiten, um Zeit für seinen Cousin und dessen Verlobte zu haben. Wie es aussah, würde er die Zeit jetzt stattdessen mit Dionna verbringen.

Nach monatelangen Textnachrichten und Videochats wusste Tripp noch immer nicht so recht, was er von ihr halten sollte.

Sie war klug und patent. Aber sie war auch eine Perfektionistin, die entschlossen schien, die Hochzeitsplanung zu einer todernsten Sache zu machen. Außerdem wirkte sie wie eine Klugscheißerin. Schon mehrmals waren sie während der Videokonferenzen aneinandergeraten. Dee besaß einen trockenen Humor, sodass Tripp manchmal noch Tage später über die Unterhaltungen mit ihr lauthals lachen musste. Irgendwie ging ihm die Frau unter die Haut, und er fragte sich, wie ein Kuss von ihr wohl schmecken würde.

Hastig verdrängte er den Gedanken und dachte an das Versprechen, das er seinem Cousin gegeben hatte.

Es war zwar nicht so, dass er geplant hatte, Dionna zu verführen. Okay, er hatte mit ihr geflirtet. Aber das war eher ein strategischer Schachzug gewesen. Ein Versuch, sie dazu zu bringen, ihm zuzustimmen. Kein Auftakt zu einer Affäre. Trotzdem machte die Tatsache, dass Dionna für ihn tabu war, die Vorstellung, sich mit ihr einzulassen, umso verlockender. Seit er Ex versprochen hatte, nichts mit ihr anzufangen, war er leider geradezu besessen von der Idee. Lag wohl an seiner rebellischen Ader.

Er würde schon darüber hinwegkommen. Und in ein paar Tagen war Dee sowieso wieder weg. Sie würde nach Hollywood zurückkehren, und er würde sein Leben in Royal weiterführen. Alles gut.

Wieso raste dann sein Puls wie bei einem pubertierenden Teenager beim ersten Date?

Tripp schloss die Augen, um all die irritierenden Gedanken zu verscheuchen, ehe er an Dees Hoteltür klopfte.

Schritte waren zu hören, ehe es einen Moment lang ruhig war, als sie vermutlich durch den Spion schaute. Dann schwang die Tür auf.

„Was ist das jetzt wieder? Der entschuldigende Blumenstrauß dafür, dass jemand nervt?“

Tripp neigte den Strauß etwas zur Seite, weil der unbeabsichtigt sein Gesicht verdeckt hatte. Er musterte Dee, die eine Hand auf ihre wohlgeformte Hüfte gestemmt hatte.

Verdammt.

Er hatte gewusst, dass Dionna eine schöne Frau war. Aber ihm war nicht klar gewesen, dass sie mit Kurven ausgestattet war, die seinen Puls in unbekannte Höhen treiben konnten und ihm die Knie weich werden ließen. Ihm klappte der Mund auf, und er brachte kein Wort heraus.

„Tripp?“ Dee riss die Augen auf, als sie ihn erkannte. Verlegen presste sie eine Hand auf die Wange. „Es tut mir leid. Ich wusste nicht, dass du es bist. Als ich durch den Spion geschaut habe, habe ich nur die Blumen gesehen. Ich dachte, es wäre noch eine Überraschung von Ariana, als Entschuldigung dafür, dass sie nicht hier ist.“

„Tut mir leid, wenn ich dich enttäusche.“ Tripp hob die Vase kurz hoch. „Hast du was dagegen, wenn ich die irgendwo abstelle?“

Dee trat zur Seite und bedeutete ihm reinzukommen. „Die sind doch nicht für mich, oder?“

„Gefallen sie dir nicht?“ Tripp stellte die schwere Kristallvase auf den Couchtisch.

„Nein, ich meine natürlich doch, sie sehen toll aus. Was für ein herrlicher Strauß. Aber das hier ist doch kein Date, und bisher hat mir noch nie jemand Blumen zu einem Geschäftsessen mitgebracht.“

Dee hob die Hände ans Gesicht, als wollte sie ihre Brille hochschieben. Nur, dass sie die heute gar nicht trug. Und zum ersten Mal bemerkte er, wie hübsch ihre dunkelbraunen Augen waren.

„Deine Haare …“, meinte Tripp, ehe ihm auffiel, dass er schon wieder laut zu denken anfing, eine lästige Angewohnheit.

„Was ist damit?“ Dee fuhr mit den Fingern durch ihre schwarzbraunen, schulterlangen Locken, da sie heute statt des üblichen Knotens ihre Haare offen trug. „Ich hatte es vorhin zusammengebunden. Vielleicht sollte ich …“

„Es gefällt mir. Sehr sogar“, sagte Tripp. „Ich habe dich noch nie ohne deine Brille und mit offenen Haaren gesehen. Du siehst toll aus. Sonst natürlich auch“, fügte er schnell hinzu.

Wieso rede ich nur wie ein Idiot?

„Danke.“ Dee strich über ihr schwarzes Minikleid, das sich eng um ihre Kurven schloss und nur bis zur Mitte ihrer braunen Oberschenkel reichte. Sie schenkte ihm ein schiefes Lächeln. „Aber du hast meine Frage nicht beantwortet. Sind die Blumen für mich?“

„Ja, natürlich.“ Tripp stopfte die Hände in die Taschen seiner grau-schwarz karierten Hose. „Aber offen gestanden war es Corryna Lawsons Idee, sie dir mitzubringen.“

„Corryna?“ Dionnas zog die Augenbrauen zusammen. „Der Name kommt mir bekannt vor.“

„Sie ist hier aus dem Ort die Floristin, von der ich dir erzählt habe. Die, von der ich glaube, dass sie perfekt wäre, um den Blumenschmuck für die Hochzeit zu gestalten. Wovon du ja nicht so recht überzeugt warst.“

„Ich verstehe.“ Dee musterte kritisch den Blumenstrauß und ordnete einige Stiele neu. „Das ist ein hübscher Strauß. Aber bevor ich zustimme, sie zu engagieren, muss ich erst mehr von ihr sehen.“

„Natürlich.“ Tripp versuchte, sein zufriedenes Grinsen zu unterdrücken.

„Entschuldige mein Benehmen eben an der Tür“, sagte Dee schließlich. „Das macht unser erstes Kennenlernen etwas peinlich.“ Wieder fuhr sie mit den Fingern durch ihre Haare. „Es ist schön, dich endlich persönlich kennenzulernen, Tripp.“

Sie reichte ihm die Hand, während er sie in eine Umarmung ziehen wollte. Dann öffnete sie die Arme, und er reichte ihr die Hand. Nervös lachend beendeten sie die Begrüßung mit einer hölzernen Umarmung.

Was hatte diese Frau nur an sich, dass er in ihrer Gegenwart zu einem unsicheren Teenager mutierte?

„Ich freue mich auch, dich endlich zu treffen, Dionna.“ Tripp ließ sie los und atmete ihren blumigen Duft ein, der ihn an Wildblumen im Frühling erinnerte. „Obwohl ich das Gefühl habe, dass wir uns schon kennen.“

Dee verschränkte die Arme und hob eine Augenbraue. „Stimmt. Du bist der gut aussehende Charmeur, der alle Frauen um den Finger wickelt.“

„Und du bist Mrs Regelkonform. Alle in einer Reihe aufstellen, und dann geht es los“, ahmte er Dionnas Stimme nach.

Was sie amüsierte. Ein breites Grinsen erschien auf ihrem Gesicht, und ihre dunklen Augen funkelten. Sie stieß ihn in die Seite. „So klinge ich überhaupt nicht, Austin Charles Noble der Dritte.“

„Oh, oh, wir werden also förmlich?“ Er lachte. „Bring mich nicht dazu, es zu bereuen, dass ich dir das verraten habe.“

Dionna zuckte mit den Schultern und schenkte ihm ein gespielt unschuldiges Lächeln. Etwas, worauf er schon ganz versessen war.

Er liebte ihr einzigartiges Lachen, seit er es zum ersten Mal bei einem Videotelefonat gehört hatte. Es stand in so krassem Gegensatz zu ihrer ernsthaften Art. Jetzt, von Angesicht zu Angesicht, war es noch faszinierender.

„Also, wollen wir jetzt essen gehen, oder nicht? Ich bin nämlich am Verhungern.“ Dee presste eine Hand auf ihren Bauch.

„Na, dann los“, meinte Tripp und deutete zur Tür.

„Okay, dann lass mich noch schnell mein Notizbuch und die Muster holen, die ich mitgebracht habe, damit wir eine bessere Vorstellung davon bekommen, was Ari und Ex sich für die Hochzeit vorstellen.“

„Nun mal langsam, Dee.“ Tripp legte ihr die Hand auf die Schulter, um sie aufzuhalten. „Du bist gerade angekommen. Ich hatte einen echt langen Tag, und du wahrscheinlich auch. Wie wäre es, wenn wir uns heute Abend einfach nur entspannen, ein bisschen Spaß haben und uns besser kennenlernen? Wir können uns morgen dann zusammen mit Rylee in die Vorbereitungen stürzen.“

Dee starrte ihn schweigend an, während sie unschlüssig auf ihrer Unterlippe kaute. „Okay … Aber es ist kein …“

„Date“, beendete er den Satz für sie und bemühte sich, nicht beleidigt zu sein, dass sie darauf beharrte, dass dies hier kein Date war, obwohl sie nach Frühling duftete und zum Anbeißen aussah. „Ich denke, das wissen wir beide.“

Zumindest sein Verstand. Sein Körper … eher nicht.

3. KAPITEL

Dionna griff nach ihrer Handtasche, etwas verlegen, weil sie in dem Minikleid so ungewohnt viel Bein zeigte.

Verstohlen sah sie zu Tripp, der sie mit einem Blick bedachte, der irgendwo zwischen einem amüsierten Kind und einem hungrigen Wolf einzuordnen war. Sie seufzte stumm.

Unsicher fuhr sie sich mit den Fingern durchs Haar. Auch das war ungewohnt …, dass die offenen Haare ihre Schultern berührten. „Fertig.“

Tripp öffnete die Tür, und sie trat hinaus in den Flur. Sie hatte um ein Zimmer weit weg von den Fahrstühlen gebeten, weil es dort leiser war. Jetzt bereute sie das. Denn es bedeutete, dass sie noch länger schweigend neben Tripp hergehen musste, der noch größer und gut aussehender war, als sie durch die Videochats angenommen hatte.

Außerdem duftete er auch noch so verdammt gut. Eine Mischung aus Zitrusfrucht, Ingwer und frischer Wäsche. In ihr keimte der Wunsch auf, sich in diesen Duft wie in eine Decke einzuhüllen. Sie würde wie ein Baby schlafen, etwas, was ihr selten gelang.

Am Ende des Flures wollte sie sich nach rechts wenden, doch Tripp legte seine große Hand um ihre Taille und dirigierte sie nach links.

„Der Fahrstuhl ist hier entlang“, meinte er, als sie ihn fragend ansah.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass er dort ist.“ Dee zeigte in die andere Richtung und versuchte, die Hitze zu ignorieren, die die Berührung seiner Hand in ihr auslöste.

„Vertrau mir.“ Seine braunen Augen funkelten, obwohl seine Miene fast ausdruckslos wirkte. „Sagen wir mal so, ich bin mit dem Lageplan des Hotels vertraut.“

Natürlich war er damit vertraut. Vermutlich war er schon mit unzähligen Frauen hier gewesen.

„Dann wirst du wohl recht haben.“ Dee entwand sich seinem Griff und ärgerte sich insgeheim, dass sie in einem Hotel abgestiegen war, in dem Tripp mit anderen Frauen gewesen war.

Das hier ist kein Date. Das hier ist kein Date. Das hier ist kein …

Sie bogen noch einmal nach links ab, und, genau wie Tripp gesagt hatte, befand sich dort der Fahrstuhl.

Sie rechtete es ihm hoch an, dass er sich ein selbstgefälliges Grinsen verkniff, als er den Knopf drückte.

The Silver Saddle war ein elegantes Restaurant mit einer Einrichtung aus Leder und Chrom sowie dunklen Holztischen.

Dionna musterte den Raum, der mit seiner indirekten Beleuchtung und den Kerzen eine warme, intime Atmosphäre erzeugte. Nachdem sie zu ihrem Tisch geführt worden waren, zog Tripp einen Stuhl für sie heraus, und sie musste sich einmal mehr daran erinnern, dass das keine romantische Geste war, sondern lediglich der Ausdruck von Höflichkeit eines Südstaaten-Gentlemans.

„Gefällt’s dir?“ Bei Tripps eindringlichem Blick schoss Hitze durch ihren Körper, und ihre Haut begann zu kribbeln. Der Tisch für zwei erschien ihr auf einmal unglaublich klein. Sie brauchte ein wenig Abstand. Also griff sie mit zitternden Händen nach der Speisekarte, um erst einmal eine Mauer zwischen sich und Tripp zu errichten.

„Die Einrichtung ist nett“, meinte sie, während sie die Vorspeisen durchging. „Aber es ist ein Restaurant, also halte ich mich mit meiner Bewertung zurück, bis ich etwas gegessen habe.“

„Verständlich.“ Tripps leises Lachen vibrierte in ihrer Brust, obwohl er auf der anderen Seite des Tisches saß.

Es war dieses Lachen, das sie schon während der Gruppenchats in den vergangenen Monaten so wunderbar gefunden hatte, und welches ihr Schmetterlinge im Bauch bescherte.

Kein Date. Kein Date.

„Hast du auf irgendetwas Bestimmtes Lust?“, fragte Tripp.

„Nicht wirklich.“ Sie nahm an, dass er ebenfalls die Speisekarte studierte, sodass es sicher war, ihre eigene zu senken. Sie irrte sich. Diese funkelnden braunen Augen musterten sie, und seine vollen, sinnlichen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Ich … äh …“ Sie räusperte sich. „Gibt es etwas, das du empfehlen kannst?“

Tripps belustigter Blick verriet ihr, dass ihm durchaus bewusst war, dass er sie nervös machte.

Er deutete auf die Speisekarte. „Wenn du Steak magst, das T-Bone ist fantastisch hier. Wenn du etwas Leichteres möchtest, kann ich dir die Garnelen empfehlen oder auch eins der vegetarischen Gerichte. Aber, wenn du abenteuerlustig bist, was ich sehr hoffe, dann schlage ich vor, dass wir uns die Paella teilen. Es dauert zwar eine halbe Stunde, bevor sie auf den Tisch kommt, aber das Warten lohnt sich. Versprochen.“ Er zwinkerte ihr zu.

Und schon kribbelte es wieder in ihrem Bauch. Und dieses Mal breitete sich die Wärme auch noch an anderen Stellen in ihrem Körper aus.

„Hört sich gut an.“ Sie senkte den Blick und schalt sich, dass sie sich wie ein liebeshungriger Teenager benahm, obwohl sie fünfunddreißig war. Reiß dich zusammen.

„Perfekt. Und da du gesagt hast, dass du am Verhungern bist, sollten wir ein paar Vorspeisen bestellen, oder? Was hältst du von gegrilltem Tintenfisch, Serrano-Schinken-Kroketten und Montaditos?“

„Ja zu den ersten beiden. Aber was sind Montaditos?“

„Im Grunde kleine, krosse Brotscheiben mit unterschiedlichen Belägen.“

„Klingt gut.“ Sie klappte die Speisekarte zu und legte sie beiseite. „Dazu ein Glas Weißwein, und ich bin dabei.“

Nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben hatten, lehnte Tripp sich zurück. „Unsere Unterhaltungen haben sich immer um Aris und Ex’ Hochzeit gedreht. Warum erzählst du mir heute Abend nicht mal etwas von dir?“

„Du willst etwas über mich wissen?“ Dionna zog die Augenbrauen hoch.

Tripp nickte.

„Ich bin im Filmgeschäft groß geworden. Mein Vater ist Kameramann und meine Mutter Bühnenbildnerin. Ich habe den Großteil meiner Karriere damit verbracht, hinter den Kulissen in Hollywood zu arbeiten, was meine Eltern nicht gerade glücklich gemacht hat.“

„Wieso nicht?“ Tripp bedankte sich, als die Drinks serviert wurden.

„Mein Vater wollte, dass ich Anwältin werde. Meine Mutter hatte darauf gehofft, dass ich Ärztin werde. Keiner von ihnen wollte, dass ich in ihre Fußstapfen trete. Viel Arbeit, schlechte Bezahlung und viele unbezahlte Praktika, was genau das ist, was ich letztlich gemacht habe.“ Sie verzog das Gesicht.

Seine Miene drückte Verständnis aus. Dieses Mal verspürte sie ein Flattern im Herzen.

„Mir wurde schnell klar, dass mich das Casting am meisten interessiert. Also habe ich ein Praktikum nach dem anderen bei unterschiedlichen Regisseuren gemacht. Schließlich bekam ich einen Job als stellvertretende Besetzungschefin in einem winzigen, unabhängigen Studio, wo ich viel gelernt, aber wenig verdient habe. Den Rest kennst du ja.“ Sie zuckte mit den Schultern und nippte an ihrem Wein. „Ari hat mich als Besetzungschefin eingestellt, als sie vor ein paar Jahren ihre eigene Produktionsfirma gegründet hat. Das war’s.“

„Und wie lange seid ihr schon befreundet, Ari und du?“

„Seit mehr als zwanzig Jahren.“ Dee lächelte, als sie an das erste Treffen dachte. „Was mir das Gefühl gibt, uralt zu sein.“

Sie hatten sich auf der Toilette in der weiterführenden Schule kennengelernt. Ari hatte an die Trennwand zwischen ihnen geklopft und flüsternd gefragt, ob Dee einen Tampon für sie hätte. Dee hatte ihr einen unter der Wand durchgereicht. Als sie sich die Hände wuschen, hatte Dee einen roten Fleck auf Aris weißer Caprihose entdeckt. Sie hatte Ari ihr Sweatshirt angeboten, damit diese es sich um die Hüften schlingen konnte. Aber das würde sie Tripp natürlich nicht erzählen.

„Dieses geheimnisvolle Lächeln verrät mir, dass mehr hinter der Geschichte steckt.“ Tripp hob tadelnd den Zeigefinger. „Also, lass hören.“

Dee wand sich. Es war fast so, als könnte er die Bilder in ihrem Kopf sehen. So, wie sie Ari kannte, hätte die keine Skrupel, Tripp die ganze Geschichte zu erzählen. Aber es war definitiv nicht die Art von Unterhaltung, die sie mit einem Mann beim Essen führen wollte.

„Wir haben uns wie gesagt in der Schule kennengelernt. Ich war die schüchterne, ruhige Neue, und sie war total beliebt. Natürlich. Sie hat sich ein paar Sachen von mir ausgeliehen. Unter anderem ein Sweatshirt, das hinterher nicht mehr in Ordnung war, weshalb sie es ersetzen wollte.“ Dee zuckte mit den Achseln. „Anfangs war ich vermutlich eine Art Projekt für sie. Sie wollte mich zu einem beliebten Mädchen machen. Währenddessen wurden wir gute Freundinnen und stellten beide fest, dass ich nicht jemand anderes werden musste, nur um irgendwo dazuzugehören. Ich sollte einfach ich selbst bleiben.“

„Ich bin froh, dass du zu der Erkenntnis gelangt bist.“ Tripp trank einen Schluck Bier. „Die Menschen, die wirklich wichtig sind, akzeptieren uns so, wie wir sind. Wer das nicht kann … Ohne denjenigen ist man meiner Meinung nach ohnehin besser dran.“

„Stimmt.“ Dee nickte und dachte an ihren Exfreund.

„Hört sich an, als wäre Ari eine tolle Freundin. Ich bezweifle nicht, dass sie auch meinem Cousin eine loyale Partnerin sein wird.“ Tripp hob seine fast leere Bierflasche. „Auf Ariana und Xavier.“

Dee hob ihr Glas. „Auf Ariana und Xavier.“

Während sie ihren Wein trank, stellte sie fest, dass Tripp Noble ganz anders war, als sie erwartet hatte.

Tripp sah zu, wie Dee von dem warmen, krossen Brot mit dem geschmolzenen Blauschimmelkäse abbiss.

„Oh, wow, ist das lecker“, murmelte Dee. „Wo bist du mein Leben lang gewesen? Ich meinte den Montadito“, fügte sie hastig hinzu, als sie Tripps amüsierten Blick bemerkte.

„Freut mich, dass es dir schmeckt.“ Er griff nach dem Brot mit dem gleichen Belag. Es gehörte zu seinen Lieblingssorten. „Was sollen wir als Nächstes probieren?“

Dees dunkelbraune Augen leuchteten auf, und ein Mundwinkel hob sich zu einem kleinen Lächeln. Einmal mehr fragte er sich, wie diese Lippen wohl schmecken würden und ob sie dasselbe leise Stöhnen ausstoßen würde, wenn er ihr nachher einen Gutenachtkuss gab.

Eilig verbannte er den Gedanken wieder.

Dee war bezaubernd. Schön, ohne es darauf anzulegen. Glamourös, wenn sie es tat. Ihre Art, sich ganz geschäftsmäßig zu geben, war anders als bei den Frauen, mit denen er sonst ausging. Trotzdem fand er sie anziehend, ohne sagen zu können, was genau er an ihr so faszinierend fand.

„Die hier.“ Sie deutete auf die Montaditos mit Käse, Schinken, Zwiebeln und Paprika.

„In Ordnung.“

Sie griffen beide nach dem Brot und bissen ab. Dieses Mal klang es fast so, als würde Dee schnurren. Er spürte den Laut bis hinunter in seinen Unterleib.

„Bisher bin ich wirklich beeindruckt von dem Wein und dem Essen“, gab Dionna zu. Sie griff nach den gebratenen Calamari mit Sauce.

„Das klingt ja fast, als wärst du enttäuscht.“ Auch er füllte sich den kleinen Teller erneut voll. „Ich habe dir doch gesagt, dass es in Royal ein paar herausragende Restaurants gibt. Glaubst du mir jetzt?“

„Soll ich ehrlich sein?“

„Bitte.“ Er tauchte eine der Calamari in die Sauce und steckte sie in den Mund.

Dionna blickte auf seinen Mund. Sie biss sich auf die Lippe und legte ihre Gabel zur Seite. „Ich verstehe, warum Ariana den Ort für ihre Hochzeit gewechselt hat. Aber ich bin immer noch ein wenig sauer auf dich, weil du ihr ein schlechtes Gewissen gemacht hast, um deine Tante und deinen Onkel zu beschwichtigen.“

Also hatte er es sich nicht nur eingebildet, dass Dionna ihm in den Videochats deutlich kühler begegnet war, nachdem Ariana diese Entscheidung getroffen hatte.

„Okay“, meinte er nur.

Seine knappe Antwort schien sie zu irritieren, und sie sah ihn grimmig an, als sie anklagend einen Finger auf ihn richtete. „Hast du überhaupt eine Ahnung, wie aufgeregt sie war, als sie dieses Schloss auf den Klippen für die Hochzeit buchen konnte?“

„Ich kann es mir halbwegs vorstellen, und es tut mir auch wirklich leid.“ Tripp wischte sich die Hände in der Serviette ab. „Ich wollte Ariana nur erklären, was die Eltern von Ex von einer Hollywood-Hochzeit halten würden, hatte aber nicht erwartet, dass sie die Sache nach Royal verlegen würden. Trotzdem muss ich gestehen, dass es mich freut.“

Dionnas Nasenflügel blähten sich kurz auf. „Mir ist klar, dass Xavier eine enge Verbindung hierher hat, weil es seine Heimatstadt ist. Aber Ari hat auch Familie. Und ihre Familie und ihre Freunde leben in L. A.“

„Wo Ari und Ex ja auch wohnen werden“, bemerkte Tripp. „Sie sehen ihre Leute in L. A. also ständig. Da ist es doch nur fair, wenn die Hochzeit hier stattfindet. Wir kriegen ihn nämlich nicht mehr oft zu Gesicht.“

„Es geht ja nicht nur um Aris Freunde und Familie“, widersprach Dee. „Xaviers Leben spielt sich jetzt auch in L. A. ab.“

„Und in Chicago und New York“, sagte Tripp „Das ist mir alles schon klar. Aber was du anscheinend nicht verstehst, ist, dass Ex, auch wenn er überall in der Weltgeschichte herumreist, seine Wurzeln hier in Royal hat. Es wird immer seine Heimat bleiben. Die gesamte Stadt ist wegen der Hochzeit in Aufruhr, weil er den Leuten hier wichtig ist … nicht nur seiner Familie.“

Dionna runzelte die Stirn, während sie kaute. Aber sie begann, seine Sichtweise zu verstehen, dessen war er sich sicher. Es brauchte nur noch ein wenig mehr Überzeugungsarbeit.

„Ari hat zwar dem Ortswechsel zugestimmt, aber sie wünscht sich noch immer die große, wunderbare Hochzeit, von der sie immer geträumt hat.“ Dee lehnte sich über den Tisch und senkte die Stimme. „Ja, dieses Resort und das Restaurant sind beeindruckend. Aber ich bin noch immer nicht davon überzeugt, dass euer kleines Städtchen – so nett es auch sein mag – ein Event dieses Ausmaßes ausrichten kann.“

Verärgert ballte Tripp die Hände zu Fäusten, bemühte sich aber um Gelassenheit.

„Dieses kleine Städtchen ist die Heimat von diversen Millionären und Milliardären, von unglaublich erfolgreichen Firmengründern und CEOs. Die gesamte Stadt beherbergt hart arbeitende Menschen, die Ex mögen. Und, nur um das mal klarzustellen, hier wurden schon diverse sehr wichtige Events veranstaltet“, fuhr Tripp sie an.

Normalerweise regte er sich über so etwas nicht so auf, aber dass Dee über seine Heimatstadt herzog, war wie ein Dolchstoß mitten ins Herz.

„Es tut mir leid, wenn ich dich beleidigt habe, Tripp. Das war nicht meine Absicht.“ Dee griff nach der Serviette. „Natürlich ist deine Priorität, was für Ex das Beste ist, aber für mich ist am wichtigsten, was Ari möchte. Sie verlässt sich darauf, dass ich ihr die ungeschminkte Wahrheit sage, wenn es darum geht, ob es Sinn macht, die Hochzeit hier zu feiern. Sie ist nämlich viel zu sehr in Ex verliebt, um objektiv zu sein. Sorry, wenn dich das stört.“

Tripp hätte Dee gern daran erinnert, dass sie das hier ja eben nicht allein machte. Er gab sich genauso viel Mühe, um den Erfolg dieser Hochzeitsfeier zu garantieren.

„Pass auf, ich gebe dir mein Wort, dass ich – und alle anderen hier in der Stadt – ihr Bestmögliches geben werden, damit diese Hochzeit zu Arianas Traumhochzeit wird. Vertrau mir. Was auch immer Ari sich wünscht, wir können es wahrmachen.“

„Habt ihr hier ein Schloss auf den Klippen?“ Dionna hob eine Augenbraue.

Am liebsten hätte Tripp ihr das selbstzufriedene Lächeln von den Lippen geküsst. Stattdessen holte er tief Luft und griff nach seiner Gabel. „Ich bitte dich nur darum, dass du einfach offen für die Vorschläge bist, die wir dir unterbreiten.“

„Okay, um Aris willen.“

Mehr oder weniger schweigend aßen sie den Rest der Vorspeisen auf. Dann wurde die große Pfanne mit der Paella in die Mitte des Tisches gestellt.

„Wow!“ Dionna legte eine Hand auf ihre Brust, und Tripps Blick folgte der Bewegung. Ihre braune Haut schimmerte im Kerzenlicht. „Was für eine beeindruckende Präsentation.“

„Warte, bis du sie probiert hast.“ Tripp füllte ihre beiden Teller und inhalierte den köstlichen Duft nach Safran, der würzigen Chorizo-Wurst und den Meeresfrüchten. Gespannt wartete er auf Dees Urteil.

„Mhm …“, stöhnte Dee kurz darauf begeistert, und wieder spürte er ein Ziehen in der Lendengegend. „Tripp, das ist unglaublich. Ich glaube, das ist mein neues Leibgericht.“

„Hab’ ich doch gesagt, dass sich das Warten lohnt.“ Erst jetzt begann auch er zu essen. „Die Paella ist mein Lieblingsgericht hier, aber im Grunde ist alles auf der Karte köstlich. Sie bietet für jeden etwas, selbst für Veganer und Menschen, die glutenfrei essen wollen.“

„Du klingst wie eine Reklametafel“, meinte Dee. „Hast du Anteile an dem Restaurant?“ Sie schob sich einen weiteren Löffel in ihren kleinen frechen Mund.

„Schön wär’s. Aber ich versuche, dir das Restaurant schmackhaft zu machen. Ich denke, es wäre ein toller Ort, um die Junggesellenabschiede zu feiern.“ Tripp beobachtete sie genau, um ihre Reaktion abschätzen zu können.

Dee kaute und sah sich nachdenklich um. „Es ist ein angenehmer Ort. Und ich weiß, dass sowohl Ari als auch Ex Wert darauf legen, dass die Junggesellenabschiede ein wenig intimer werden als die Trauung und der anschließende Empfang. Die Location wäre außerdem ideal, da die meisten Gäste ohnehin hier im Hotel absteigen sollen.“

Da sie seine eigenen Argumente vorbrachte, hatte Tripp nicht das Gefühl, etwas einwerfen zu müssen. Also nickte er nur und aß weiter.

„Aber so ideal der Ort auch scheinen mag, käme es mir ein bisschen zu nachlässig vor, wenn wir uns gleich für die erste Location entscheiden, die wir gesehen haben.“

„Es ist die erste, die du gesehen hast“, bemerkte er. „Ich kenne sämtliche Örtlichkeiten hier, vom piekfeinen Restaurant bis hin zum einfachen Diner und den Foodtrucks.“

„Du isst also häufig auswärts?“

„Wenn ich nicht gerade eine Mahlzeit bei meiner Schwester und ihrem Mann schnorre“, meinte Tripp lachend. „Sie leben auch auf der Ranch und haben eine fantastische Köchin.“

Dee sah ihn mit neuem Interesse an. „Lass uns das Silver Saddle oben auf die Liste setzen. Wenn wir nichts Besseres finden, dann bin ich auch dafür, dass wir die Junggesellenabschiede hier feiern.“

Ein kleiner Sieg. Immerhin.

„So, jetzt bist du an der Reihe. Erzähl mir mehr von dir. Du hast gesagt, deine Schwester und ihr Mann leben sozusagen nebenan. Habt ihr noch mehr Geschwister?“ Dee trank einen Schluck Wein.

„Nein, aber Xavier und seine Familie haben auf dem angrenzenden Grundstück gelebt, daher sind wir wie Brüder aufgewachsen. Und auch mit unserem Nachbarn Ryan Bateman war ich gut befreundet. Jetzt ist er mein Schwager. Daher fühlte sich unsere Familie größer an, als sie eigentlich war.“

„Und wie war es so, auf einer Ranch aufzuwachsen?“ Dee betrachtete ihn neugierig.

„Viel Arbeit, aber auch viel Spaß.“ Tripp lächelte, als er an seine glückliche Kindheit dachte, die er mit Tessa, Ryan und Xavier verbracht hatte. „Ich habe so viele schöne Erinnerungen daran, wie wir vier uns zusammen die Zeit vertrieben haben. Wir sind geritten, haben uns um die Tiere gekümmert, haben im Heu getobt, sind Trecker gefahren, all so was. Allerdings wusste Xavier damals schon, dass das Leben auf der Ranch nicht sein Ding war. Er wollte immer weg.“

Tripp vermisste diese Tage, als das Leben noch einfach erschien. Und er vermisste es, Zeit mit seinem Cousin zu verbringen, den er in den vergangenen Jahren nur selten gesehen hatte. Xavier musste immer irgendeine Deadline einhalten oder war irgendwo zu abenteuerlichen Reisen unterwegs.

Er selbst hatte dagegen immer mehr Verantwortung auf der Ranch übernommen, während seine Eltern sich langsam zurückzogen, um mehr Zeit fürs Reisen zu haben. Zurzeit waren sie mit seiner Tante und seinem Onkel zu einem dreiwöchigen Urlaub auf Kuba.

„Hört sich nett an.“ Dees sanftes Lächeln ließ ihre dunklen Augen funkeln. Er nahm ihre Worte kaum wahr, da ihr warmer Blick ihn gefangen hielt.

„Ja, das war es“, sagte er schließlich. „Aber ich bin erstaunt, das aus deinem Mund zu hören, Ms Hollywood.“

„Du kennst mich doch gar nicht richtig, Tripp Noble der Dritte.“ Ihr spielerisches Grinsen brachte ihn zum Lachen. „Ich bin zwar in L. A. geboren, aber meine Eltern stammen ursprünglich aus North Carolina. Meine Großeltern mütterlicherseits hatten einen Milchviehbetrieb. Ich habe die meisten Sommer bei ihnen verbracht und es geliebt.“

„Echt?“

„Ja! Wieso bist du so erstaunt? Ich bin nicht so anspruchsvoll wie Ari und Sasha. Die beiden haben mich nie verstanden, wenn ich im Sommer zu meinen Großeltern wollte.“ Dee löste eine Muschel aus der Schale und steckte sie in den Mund.

„Tut mir leid, wenn ich mir nicht so recht vorstellen kann, wie du im Heu spielst oder Kühe melkst“, meinte Tripp lachend.

„Aber genau das habe ich getan“, beharrte Dee grinsend. „Meine Großeltern hatten damals nämlich noch keine von diesen neumodischen Maschinen, die du vermutlich nutzt. Daher bin ich richtig gut im Melken“, erklärte Dee stolz.

„Was ist deine Lieblingserinnerung an die Sommer auf der Farm?“, fragte Tripp.

Dionnas Lächeln wurde noch intensiver. „Meine Großeltern hatten so einen süßen Hund – einen Mischling namens Doug. Nachdem ich meine Pflichten für den Tag erfüllt hatte, habe ich mir ein paar Snacks und einen Notizblock in einen Rucksack gepackt und bin mit Doug losgezogen. Irgendwo habe ich mich dann hingesetzt und meine eigenen Abenteuer aufgeschrieben, bis es dunkel wurde.“

„Scheint dir viel Freude bereitet zu haben.“ Tripp schob sich ein wenig Reis in den Mund. „Was für Geschichten hast du denn geschrieben? Liebesgeschichten? Krimis?“

„Nein“, erwiderte sie lachend. „Fantasy. Du weißt schon, abenteuerliche Geschichten mit tollen Helden in einer magischen Welt.“

„Hört sich spannend an“, sagte Tripp. „Ich würde das definitiv lesen. Hast du je darüber nachgedacht, es richtig mit dem Schreiben zu versuchen?“

„Nein. Das habe ich nur aus Spaß gemacht.“ Dee zuckte mit den Schultern. „Außerdem gibt es in diesem Genre genügend andere Autoren. Und ich bin sehr zufrieden mit meinem jetzigen Beruf.“ Dionna zog die Brauen zusammen. Anscheinend hatte Tripp einen Nerv getroffen. „Mal ganz davon abgesehen, dass ich dafür gar keine Zeit mehr hätte. Und damit wären wir beim Thema. Wir haben nur wenige Tage Zeit, um diese Hochzeit gemeinsam zu planen und müssen noch viel erledigen.“

„Stimmt.“ Tripp nickte. „Sobald wir gegessen haben, zeige ich dir das andere Restaurant hier im Resort. Mal sehen, ob du glaubst, dass Ari das besser gefallen würde.“

„Sehr schön.“ Dionna schien erleichtert, dass er das andere Thema fallengelassen hatte.

Nach dem Essen bestand er darauf, die Rechnung zu begleichen, und nach einer längeren Debatte willigte Dee schließlich ein und bedankte sich.

Anschließend warfen sie einen Blick ins Glass House, fanden aber beide, dass es zu förmlich für den Junggesellenabschied war.

Am Ende des Abends begleitete er Dionna zu ihrem Zimmer.

„Vielen Dank nochmal, Tripp. Ich habe das Essen wirklich genossen.“ Sie drehte sich vor ihrer Zimmertür zu ihm herum.

„Und die Gesellschaft nicht?“, neckte er sie.

Das widerstrebende Lächeln, das auf ihrem Gesicht erschien, erinnerte Tripp daran, wie schön Dionna war.

„Doch, die auch. Es war ein sehr netter Abend.“

„Mir hat es auch Spaß gemacht. Ich werde dich morgen früh zum Frühstück abholen.“

„Du brauchst nicht hochzukommen. Wir können uns doch in der Lobby treffen“, erwiderte sie.

„Du kennst meine Eltern nicht. Ich bin vierunddreißig, und ich vermute, dass sie mich noch immer unter Hausarrest stellen würden, wenn sie wüssten, dass ich mein … meine Essensbegleitung nicht zur Tür begleitet habe. Wir treffen uns morgen früh hier.“

Sie kniff die Augen zusammen, als er sie fast sein Date genannt hatte. Nicht absichtlich, natürlich. Aber wenn er ehrlich war, die Nervosität, die er heute Abend immer mal wieder empfunden hatte, war fast so wie bei einem ersten Date gewesen.

„Mit der Hochzeitsplanerin sind wir um neun verabredet“, erinnerte Tripp sie.

„Im Texas Cattleman’s Club.“ Ihr Tonfall verriet eine gewisse Abneigung. Als könnte die Location nie im Leben angemessen sein für die glamouröse Hochzeit ihrer besten Freundin.

Er beschloss, es zu ignorieren.

„Soll ich dich also um halb neun abholen?“

„In Ordnung.“ Dee schloss die Tür auf.

„Sehr schön. Ach, Dee?“

„Ja?“

„Es war nett, dich heute Abend ein wenig besser kennenzulernen.“

„Ebenso, Tripp.“ Lächelnd ging sie ins Zimmer und schloss die Tür.

Tripp seufzte. Dee war nicht davon überzeugt, dass sie die Traumhochzeit für ihre Freundin hier in Royal ausrichten konnten. Doch er hegte diesbezüglich keine Zweifel.

Und es wäre besser, wenn er sich darauf konzentrieren würde, wie er Dionna davon überzeugen konnte, statt sich vorzustellen, wie sich ein Gutenachtkuss wohl angefühlt hätte.

4. KAPITEL

Zusammen mit Tripp und Rylee Meadows, der Hochzeitsplanerin, saß Dionna an einem Tisch im Texas Cattleman’s Club. Es war offensichtlich, dass auch Rylee nicht unbedingt begeistert darüber war, dass die Hochzeit hier in Royal und nicht in Los Angeles stattfinden sollte. Doch sie versuch...

Autor

Reese Ryan

Reese Ryan schreibt Liebesgeschichten, die nicht nur sexy und gefühlvoll sind, sondern in denen sie auch von kleineren Familiendramen erzählt. Reese ist im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten geboren und aufgewachsen, ihre Familie hat aber auch Wurzeln in Tennessee.

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