Für immer in deinen starken Armen

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Dass ihr Nachbar ein heißer Typ ist, hat Beth niemals bestritten. Aber leider ist dieser steinreiche Millionär auch der arroganteste Kerl in ganz Texas! Sie betreibt nun mal nur eine kleine Bio-Farm, nicht wie er eine edle Pferdezucht. Und warum steht Drew Farrell jetzt schon wieder herablassend lächelnd vor ihr? Wieso lässt er sie nicht in Ruhe? Doch bevor es zu dem üblichen hitzigen Streit zwischen ihnen kommt, tobt unvermittelt ein Tornado übers Land. In letzter Sekunde können sie in Beths Keller fliehen - wo Beth sich unvermittelt in Drews starken Armen wiederfindet …


  • Erscheinungstag 06.10.2015
  • Bandnummer 1892
  • ISBN / Artikelnummer 9783733721442
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

Stirnrunzelnd betrachtete Drew Farrell den Himmel. Dunkle Sturmwolken ballten sich zusammen, der Wind hatte aufgefrischt. Auch das noch! Er sprang aus seinem Pick-up, setzte sich den Stetson auf den Kopf und überquerte schnell die Straße. Damit überschritt er die unsichtbare Linie, die sein Grundstück von dem seiner Nachbarin trennte. Beth Andrews, bildhübsch, langbeinig und verdammt sexy. Nach zwei Jahren ständiger Auseinandersetzungen mit ihr sollte er allmählich immun gegen ihre Ausstrahlung sein.

Aber weit gefehlt!

Immer noch reagierte er sehr eindeutig auf ihre naturblonden Locken und die großen grünen Augen. Warum gab es für einen solchen Fall kein Entwöhnungsprogramm? Bei Rauchern klappte es doch auch.

Sie stand hinter ihrem Gemüsestand, und es ärgerte ihn, wie viele Kunden geduldig in der Schlange davor warteten. Wie schon seit einigen Wochen waren die Seiten der schmalen Straße auch an diesem Tag wieder zugeparkt, wodurch nicht nur der Zugang zu seinem Grundstück behindert wurde. Auch seine teuren Rassepferde auf der angrenzenden Koppel wurden durch die an- und abfahrenden Wagen verschreckt. Erst am Morgen hatten seine Leute sieben der Pferde auf eine weiter entlegene Weide bringen müssen. Und das nur, weil Beth Kürbisse verkaufte.

Kürbisse – du liebe Zeit! Schon den Sommer über hatte es ihn genervt, dass ihr Stand mit frischem Bio-Gemüse viele Kunden anzog. Aber jetzt, Anfang Oktober, war die Hölle los, vor allem seit sie überall in Royal verkündet hatte, dass sie Kürbisse für die Herbstdekoration verkaufte. Und die Leute kamen aus einem Umkreis von fünfzig Meilen angefahren. Als ob es woanders keine Kürbisse gab. Aber nein, es mussten die dicken runden von Beth sein.

Nur mühsam beherrschte Drew seine Ungeduld. Als schließlich alle Kunden bis auf eine junge Frau gegangen waren, trat er näher, vor allem weil die junge, offenbar hochschwangere Frau den Kürbis auch mit Beths Hilfe nicht auf ihren Wagen wuchten konnte. Musste die sich auch gerade den größten Kürbis aussuchen? Der wog doch sicher vierzig Pfund. Verärgert stieß Drew die beiden Frauen zur Seite. „Lassen Sie mich das machen.“ Er warf der Schwangeren einen kurzen Blick zu. „In Ihrem Zustand dürfen Sie sowieso nicht schwer heben. Und Sie, Ms Andrews, sollten das eigentlich wissen.“

Überrascht und leicht genervt sah Beth ihn an, und Drew triumphierte innerlich, als er den Kürbis hochhob. Glücklicherweise hatte die Kundin ihren Wagen auf dem Behindertenparkplatz in der Nähe abgestellt, denn das Bio-Ding war verdammt schwer. Behutsam legte er den Kürbis auf die Ladefläche. „Ich danke Ihnen“, brachte die junge Frau schüchtern hervor. Sie hatte sehr helles, fast weißes Haar, das ihr glatt auf die Schultern fiel, und wirkte trotz der Schwangerschaft sehr schmal, ja, fast zerbrechlich.

Drew wischte sich die Hände an der Hose ab. „Gern geschehen. Sehen Sie zu, dass Sie jemanden finden, der dieses Ungetüm vom Wagen hebt.“

Sie nickte eifrig. „Ja, das tu ich.“ Zärtlich strich sie sich über den Bauch. „Schon als Kind fand ich Halloween toll. Und dieses Jahr habe ich mich darauf gefreut, für meine Tochter einen Kürbis auszuhöhlen und ein Foto davon in ihr Babybuch zu kleben.“

Beth blickte ihr auf den Bauch und sah sie dann fragend an. „Soll das Baby denn sehr bald kommen?“

„Nein, nein. Ich habe noch zwei Monate Zeit. Aber sie ist für mich schon sehr gegenwärtig.“ Sie lachte verlegen. „Ich unterhalte mich sogar mit ihr. Verrückt, ich weiß.“

„Nein, überhaupt nicht.“

Beths Lächeln wirkt beinahe etwas wehmütig, schoss es Drew durch den Kopf. Ob sie wohl auch gern ein Kind hätte? Vielleicht lernt sie ja bald jemanden kennen und zieht weg. Nachdem sie das Land an mich verkauft hat, das sie mir damals vor der Nase weggeschnappt hat. Dennoch, der Gedanke, Beth als Nachbarin zu verlieren, war eigentlich doch nicht so angenehm …

„Wer ist in Ihrer Familie denn für das Aushöhlen des Kürbis’ zuständig?“, fragte Beth freundlich. „Der Vater des Babys?“

Sekundenlang sah die junge Frau sie ängstlich an, zumindest kam es Drew so vor. „Nein, nein“, erklärte sie dann hastig, „das ist meine Sache. Aber ich sollte jetzt lieber los.“ Besorgt betrachtete sie den dunklen Himmel. „Sonst erwischt mich noch der Regen. Wiedersehen.“ Sie stieg ein.

„Haben Sie die Frau schon mal gesehen?“, fragte Drew, der dicht neben Beth stand.

„Ich bin mir nicht sicher. Warum?“

„Nur so ein komisches Gefühl. Irgendwie kommt sie mir bekannt vor.“

In diesem Augenblick hob ein starker Windstoß die Plastikplane von Beths Gemüsestand ab, und Drew und Beth stürzten vor, um sie festzuhalten. Während sie sie zusammenfalteten, betrachtete Drew seine Nachbarin nachdenklich. Erstaunlich, dass eine elegante Erscheinung wie sie sich hier auf dem Land wohlfühlte. Sie wirkte wie jemand, der in der Großstadt zu Hause war. Zumindest konnte er sie sich gut im Abendkleid und mit High Heels vorstellen. Laut sagte er: „Die Plane sollten Sie wohl lieber gut verstauen. Der Sturm wird nicht so schnell abflauen.“

Sie nickte und schob die Plane unter den Verkaufstisch. Dann richtete sie sich auf und sah Drew lächelnd an. „Ich verkaufe Ihnen auch gern einen Kürbis, aber ich vermute, deshalb sind Sie nicht hier.“

„Wieso? Ich dekoriere die Ranch immer im Herbst.“

„Sie? Das glaube ich nicht. Sie haben doch sicher Leute, die das für Sie tun.“

An ihre Scharfzüngigkeit hatte er sich allmählich gewöhnt. Manchmal machte sie ihm sogar Spaß. Beth war schlagfertig, um es vorsichtig auszudrücken, und das gefiel ihm bei Frauen. Abwartend sah sie ihn an, die Arme vor der Brust verschränkt.

Diese Augen! Sie waren nicht einfach grün wie ein Smaragd oder gar Gras. Die verschiedenen Grüntöne mischten sich mit einem Hauch von Bernsteingold und erinnerten ihn an die kostbaren Glasmurmeln, die er als Kind besessen hatte.

„Drew … hallo! Sind Sie noch da?“ Er schreckte hoch, und Beth sah ihn streng an. „Wenn Sie nichts kaufen wollen, verlassen Sie bitte mein Grundstück.“

Immer wenn sie das Kinn reckte, hätte Drew sie am liebsten geküsst. Selbst wenn er sauer auf sie war. So wie jetzt. An diesem Tag allerdings wollte er endlich ein paar Dinge klarstellen. Unter düster zusammengezogenen Augenbrauen sah er sie an. „Sie müssen Ihren Gemüsestand woanders aufbauen. Dieser ganze Verkehr hier verschreckt meine Pferde, blockiert die Straße und außerdem …“ Lieber nicht. Er presste die Lippen aufeinander.

„Und außerdem? Spucken Sie nur aus, was Sie sagen wollten.“ Zornig blickte sie ihn an. Ihre blonden Locken tanzten im Wind. Beth sah irgendwie zerzaust aus, so als sei sie gerade aus dem Bett gestiegen.

Verdammt. Wie sollte er sich da konzentrieren können, um seine Belange vorzubringen? Aber es musste sein, auch wenn sie ihn wahrscheinlich für schrecklich spießig und arrogant hielt. „Meine Kunden gehören zu den oberen Zehntausend und sind nur das Beste gewohnt. Wenn sie zu Willowbrook Farms kommen, um ein Rassepferd für mehrere Millionen zu kaufen, macht Ihr Gemüsestand hier keinen guten Eindruck. So als würde man vor dem prächtigen Portal einer weltweit operierenden Bank eine Würstchenbude aufbauen. Das ist einfach lächerlich und schlecht für mein Geschäft.“

Wie schade! Das war Beths erster Gedanke. Quasi jeder in Royal mochte Drew Farrell und hielt ihn für einen angenehmen, aufrechten Mann. Im Texas Cattleman’s Club, dem TCC, wie er allgemein genannt wurde, spielte er eine wichtige Rolle. In dem Club traf sich alles, was Rang und Namen hatte, reiche Rancher, Investmentbanker, Bauunternehmer. Man entspannte sich und zählte seine Millionen.

Zwar wusste Beth nicht genau, was sich hinter den gepolsterten Türen abspielte, aber sie konnte es sich vorstellen. All diese ehrenwerten Leute schätzten Drew Farrell, den sie allerdings für ein arrogantes Ekel hielt. Aus vielen Gründen waren er und sie so unterschiedlich wie Feuer und Wasser.

Sein Stammbaum war so makellos wie der seiner Pferde. Er kam aus einer alteingesessenen, wohlsituierten Familie. Sie dagegen hatte nie Geld gehabt, nie etwas geerbt und konnte sich nicht daran erinnern, dass die Familie mal ohne finanzielle Sorgen gewesen war.

Sie straffte sich. „Wenn der Verkehr hier für Sie ein Problem ist, bauen Sie sich doch woanders eine Straße.“

„Es gibt keine andere Möglichkeit. Vor zwei Jahren habe ich dieses Land dazukaufen wollen und hätte es auf beiden Seiten der Straße mit einem weißen Zaun eingegrenzt. Wie man es von einer Pferderanch erwartet. Aber dann sind Sie gekommen und haben es mir weggenommen.“

„Ihnen weggenommen? Das ist ja absurd. Sie waren zu geizig und haben dem Verkäufer zu wenig geboten. Weil Sie dachten, außer Ihnen sei keiner an dem Land interessiert. Ich habe dem Mann ein vernünftiges Angebot gemacht, und er hat es angenommen. Genau so war es. Im Übrigen möchte ich nur betonen, dass Sie momentan auf meinem Grund und Boden stehen.“

Der Wind war stärker geworden, die Hitze drückend. Besorgt blickte Beth wieder auf die dahinjagenden dunklen Wolken. „Haben Sie den Wetterbericht gehört?“ Normalerweise war ihr Stand geöffnet, bis es dunkel wurde. Aber an diesem Tag sollte sie wahrscheinlich schon zeitig alles zusammenpacken und sich in ihr gemütliches Haus zurückziehen.

Sie hatte sich das kleine alte Farmhaus, das dieser Mr Farrell ganz sicher hätte abreißen lassen, sehr kuschelig eingerichtet und war stolz darauf. Ebenso wie darauf, dass sie offenbar einen grünen Daumen hatte und sehr erfolgreich Gemüse anbaute. Da würde sie sich doch nicht von so einem hergelaufenen Millionär herumschubsen lassen. Sicher, das Gestüt hatte er selbst aufgebaut, aber in eine Familie mit viel Geld hineingeboren worden zu sein war sicher nützlich gewesen.

Auch Drew betrachtete nachdenklich den Himmel. „Ja“, ging er auf ihre Frage ein. „Es gab eine Tornadowarnung. Aber ich glaube nicht, dass es so schlimm wird. Normalerweise gibt es hier keine Wirbelstürme, schon gar nicht im Herbst. Wenn, dann kommen sie im Frühjahr. Nein, ich glaube nicht, dass Sie etwas zu befürchten haben.“

„Hoffentlich nicht.“

„Also noch mal zu dem anderen Thema.“ Er stemmte die Fäuste in die Seiten und sah Beth drohend an. „Ihr kleines Unternehmen hier beeinträchtigt meine Geschäfte. Wenn wir uns nicht gütlich einigen können, muss ich mich an die Stadt wenden.“

„Wollen Sie mir Angst machen?“ Ihr Herz klopfte wie verrückt. Perverserweise erregten sie diese Auseinandersetzungen mit ihm, obwohl sie sich über seine Sturheit ärgern sollte. Was sie auch tat, denn schließlich hatte sie genauso wie er das Recht, sich ein Unternehmen aufzubauen. Gleichzeitig aber fühlte sie sich sehr zu ihm hingezogen, denn er sah leider unglaublich gut aus, groß und schlank, dunkelbraunes Haar, blaue Augen … Wahrscheinlich lag ihm das weibliche Geschlecht schon seit dem Kindergarten zu Füßen.

Mit Mitte zwanzig war er verlobt gewesen, das wusste Beth, aber nicht, warum die Beziehung auseinandergegangen war. Er musste jetzt Anfang dreißig sein und genoss offensichtlich sein Junggesellendasein. Zumindest hatte er in Royal schon so manches Frauenherz gebrochen. Kurz, sie waren so unterschiedlich, wie man nur sein konnte. Sie kam aus sehr bescheidenen Verhältnissen und hielt überhaupt nichts von ständig wechselnden Männerbekanntschaften. Leider fand sie ihn trotzdem ungeheuer attraktiv.

„Wie kommen Sie denn darauf?“ Er grinste kurz. „Aber ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um meine Interessen zu schützen. Und dazu gehört, dass auf dieser Straße Ruhe einkehrt, das ist lebenswichtig für mich.“

„Sind Sie schon so alt, dass Sie Ruhe brauchen?“

„Nein, nicht deshalb. Ich bin nur vier Jahre älter als Sie.“

Woher weiß er das? „Ach, Drew, nun seien Sie doch vernünftig. Ich habe genauso das Recht, hier zu sein, wie Sie. Im Vergleich zu Ihnen bin ich nur ein kleiner David, der den großen Goliath herausfordert. Aber wie Sie sich vielleicht noch vom Kindergottesdienst her erinnern, ging die Sache für Goliath nicht gut aus.“

„Soso, und wer bedroht jetzt wen?“

Hatte er nicht eben kurz gelächelt? Oder hatte sie sich das nur eingebildet? Er würde nicht nachgeben, das war klar. Und wenn sie wegen des Wetterumschwungs nicht so grässliche Kopfschmerzen hätte, würde sie den Kampf aufnehmen. Eigentlich verstand sie seinen Frust. Sein Gestüt war weltbekannt. Seine Kunden waren Filmstars, Scheichs und andere Milliardäre. Da musste sie ihn mit ihrem kleinen Gemüsestand zu Tode nerven.

Aber warum sollte sie nachgeben? Dieses Stück Land mit dem kleinen Farmhaus war alles, was sie besaß. Und sie hatte hart dafür gearbeitet. „Pflanzen Sie doch ein paar Bäume“, schlug sie vor. „Welche, die schnell wachsen. Und hören Sie auf, mir zu drohen. Sonst muss ich gerichtlich gegen Sie vorgehen.“

Das meinte sie nicht ernst, natürlich nicht. Aber ihr Humor kam nicht gut bei ihm an. „Ich glaube, Sie verstehen nicht, worum es mir geht“, stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Auf der anderen Seite Ihres Grundstücks gibt es auch eine Straße. Warum bauen Sie Ihren Stand nicht dort auf?“

„Das ist doch nur ein Viehpfad, das wissen Sie genau. Es würde viele tausend Dollar kosten, daraus eine Straße zu machen. Und wahrscheinlich ist Ihnen nicht entgangen, dass ich nicht gerade mit einem silbernen Löffel im Mund geboren wurde.“

Wütend starrte er sie an. „Warum, um alles in der Welt, mussten Sie sich gerade hier ansiedeln?“

Sie zuckte kurz mit den Schultern. „Richtige Größe, richtiger Preis. Ich habe mich gleich in dieses Stück Land verliebt.“ Wie sollte ein Mann wie er verstehen, was es für sie bedeutete, endlich ihren eigenen Grund und Boden zu besitzen?

„Verliebt? Gefühle stören nur, wenn man Geschäfte machen will.“

„Tatsächlich? Da bin ich nicht so sicher.“ Was bildet dieser Kerl sich eigentlich ein? „Erzählen Sie Ihren Superkunden doch einfach, ich hätte das Land von Ihnen gepachtet und würde die Pacht mit der Ernte bezahlen. Dann haben Sie bei denen sicher gleich einen Stein im Brett.“

„Sehr witzig.“

Der Mann versteht wirklich überhaupt keinen Spaß. Beth seufzte leise. „Auf zwei Feldern sind die Kürbisse reif zum Verkauf. Ein drittes Feld ist kurz davor. Mit dem Erlös komme ich gut über den Winter. Und Sie und Ihre Pferde haben ein paar Monate Ruhe.“

„Sehen Sie nicht, dass das alles nichts nützt? Auf die Dauer können Sie so nicht überleben. Und in der Zwischenzeit machen Sie mir große Probleme.“

Das reicht! Vor Zorn stieg ihr die Röte in die Wangen. Wie konnte er es wagen, ihre Bemühungen einfach so abzutun. Sie werden sich noch wundern, Mister! „Vielleicht kann ich es nicht schaffen, vielleicht aber doch“, erwiderte sie kalt. „Ich bin wie Scarlett O’Hara aus Vom Winde verweht, ein Buch, das ich schon mit dreizehn gelesen habe. Auf das Land kommt es an. Land ist das Einzige, was zählt.“

Drew ballte die Fäuste und beherrschte sich nur mühsam. Am liebsten hätte er ihr den hübschen Hals umgedreht. „Das stimmt“, sagte er betont ruhig. „Aber nur, wenn das Land schon seit Generationen einer Familie gehört. Das trifft auf Sie nicht zu und, da bin ich ehrlich, auch nicht auf mich. Aber es grenzt an meinen Besitz, das müssen Sie zugeben.“

„Na und? Wenn Sie so scharf darauf waren, warum haben Sie mich dann nicht überboten?“ Das bedauerte er jetzt sicher sehr, davon war Beth überzeugt. Er hatte schon ein paarmal versucht, ihr das Land abzukaufen. Erstaunlich, dass er heute noch nichts davon gesagt hatte.

„Nun nehmen Sie doch Vernunft an.“

„Das Gleiche wollte ich Ihnen gerade vorschlagen!“, schoss sie zurück.

„Haben Sie schon mal daran gedacht“, sagte er leise, bemüht, die Fassung nicht zu verlieren, „Ihre Sachen in der Stadt zu verkaufen? Damit wäre uns beiden geholfen. Sie hätten mehr Kunden, und ich müsste mich nicht mehr über den Verkehr hier auf der Straße ärgern.“

Da war was dran, aber sie war noch nicht bereit nachzugeben. „Das mag sein, doch Sie vergessen dabei einen ganz wichtigen Punkt. Wenn die Leute hier zu mir an den Stand kommen, dann können sie sehen, wo das Gemüse wächst, das sie kaufen. Besonders jetzt im Herbst erfreuen sie sich an den Kürbissen auf dem Feld, machen Fotos und stellen sie ins Netz. Das wäre in der Stadt vollkommen anders.“

Drew wusste, wann er eine andere Strategie anwenden musste. Auch wenn Beth jetzt ablehnte, sie würde über seinen Vorschlag nachdenken. „Falls Sie aber ausprobieren wollen, ob Ihr Geschäft in der Stadt nicht doch besser läuft, können meine Leute Ihnen beim Umzug und beim Standaufbau helfen. Das ist doch ein faires Angebot, oder?“ Gespannt sah er sie an. „Lassen Sie sich Zeit mit der Entscheidung. Ich will Sie nicht drängen.“

Nachdenklich blickte sie zu Boden, die vollen rosa Lippen leicht geöffnet. Wie gern würde er sie küssen. Ob sie Lipgloss benutzte? Und wenn, welche Geschmacksrichtung? Verdammt, er versuchte, eine Lösung für ein echtes Problem zu finden, und ließ sich von ihren Lippen ablenken!

Schließlich strich sie sich das Haar zurück und seufzte leise. „Kriegen Sie immer, was Sie wollen?“

Unwillkürlich regte sich sein schlechtes Gewissen. Sie hatte ja recht, er war im Wohlstand aufgewachsen und hatte es im Leben immer ziemlich einfach gehabt. Ganz im Gegensatz zu ihr. „Ist es denn schlimm, wenn man um das kämpft, was man will?“

„Oh nein“, gab sie schnell zurück. „Genau das habe ich getan, als es um dieses Stück Land ging. Sie hatten die Chance, es zu kaufen, und haben sie nicht genutzt. Dafür können Sie mich nicht verantwortlich machen.“

Nein … Plötzlich fiel ihm auf, dass der Wind nachgelassen hatte. Es war heiß und feucht, die Luft stand. Schweiß rann ihm über den Rücken. Beth dagegen schien die Hitze nichts auszumachen. Sie wirkte kühl und frisch in der knappen hellen Shorts und dem dunkelblauen Hemdchen, unter dem sich ihre Brüste deutlich abzeichneten. Diese Beine …

Natürlich hatte sie recht. Es war seine Schuld, dass er das Grundstück nicht gekriegt hatte. Er hätte mehr Geld bieten sollen. Das heißt, sein geschäftsführender Manager hätte ein höheres Angebot machen sollen, denn Drew selbst war zu dem Zeitpunkt in Dubai gewesen. Aber keiner war auf die Idee gekommen, dass es noch andere Interessenten für dieses Stück Land gab.

Beth stieß ihn leicht an. „Sehen Sie sich das an.“ Sie wies nach oben.

Die Berührung hatte ihn kurzfristig verwirrt. Doch dann blickte er in den Himmel, und es überlief ihn eiskalt. Die dunklen Wolken hatten sich nach einem merkwürdigen Muster geordnet, so als verliefe eine schwarze Linie zwischen Himmel und Erde. Unterhalb der Linie wirkte alles normal, aber oberhalb drohte Unheil. Drew sträubten sich die Nackenhaare. „Eine solche Wolkenwand habe ich nur einmal als Kind gesehen“, flüsterte er. „Gleich ist die Hölle los. Wir müssen Schutz suchen, schnell!“

In diesem Augenblick hörten sie die Sirenen in der entfernten Stadt. Gleichzeitig sahen sie entsetzt, wie sich aus der dunklen Wolkenwand ein trichterförmiger Rüssel hervorschob und Kontakt mit der Erde schloss.

„Oh Gott, Drew …“, keuchte Beth.

Er packte sie beim Arm. „Ab in den Schutzkeller!“ Er fragte nicht einmal, wo der war. Denn er wusste, jeder in dieser Gegend musste einen haben, im Haus oder in der Nähe des Hauses, in den man sich flüchten konnte, wenn ein ungewöhnlicher Sturm losbrach.

Sie rannten los wie von Hunden gehetzt. Beths Haus war eine Viertelmeile entfernt. Beth hielt keuchend mit ihm Schritt. „Können … wir es … schaffen?“

Er warf einen kurzen Blick über die Schulter. „Er kommt auf uns zu … Wir müssen es schaffen! Schneller!“

Die ersten schweren Tropfen trafen sie, als sie noch hundert Meter vom Haus entfernt waren. Im Nu waren sie bis auf die Haut durchnässt. Aber das war nicht das Schlimmste. Dieses dumpfe Grollen in der Ferne wurde lauter und lauter. Sie rannten, so schnell sie konnten. Gemeinsam erreichten sie das Haus, stürzten die seitliche Kellertreppe hinunter und auf die Tür zu, die ihnen der Sturm sofort aus der Hand riss.

„Rein!“, schrie Drew.

Beth sah entsetzt auf das schwarze Monster, das ihnen folgte, und stolperte in den Keller. Drew folgte sofort und verrammelte den Eingang. Sein Blick fiel auf den schweren Metallgriff unten an der Tür. Er wusste, wozu der da war, und bei der Vorstellung, ihn benutzen zu müssen, wurde ihm übel. Aber noch war es nicht so weit …

In dem Keller war es stockfinster, denn es gab nur ein winziges Fenster direkt unter der Decke. Allmählich gewöhnten sich Drews Augen an die Dunkelheit. Beth lehnte erschöpft an der Wand. „Komm, setz dich.“ Er nahm sie bei der Hand und zog sie zu zwei alten Gartenstühlen. Doch sie sträubte sich. „Ich will mich nicht setzen. Was sollen wir bloß tun?“

„Wir können nur abwarten.“ Das Heulen des Sturms wurde mit jeder Minute lauter. Ob er direkt auf Beths Haus zusteuerte? Auch Drews eigener Besitz war in Gefahr, und er konnte nur darauf vertrauen, dass seine Leute alles taten, um Menschen und Tiere zu schützen. Er strich Beth über beide Arme. Sie war eiskalt und zitterte. „Hier, nimm mein Hemd.“ Er streifte es schnell ab und legte es ihr um die Schultern. Als sie sich nicht wehrte, wusste er, dass sie starr vor Entsetzen war.

„Ich habe auch Angst“, flüsterte er. „Aber wir schaffen es. Ganz bestimmt.“

Als wolle der Tornado sich über ihn lustig machen, fing er noch lauter an zu heulen. Sand und Steinchen prasselten gegen die Kellertür. Beth schrie auf und presste sich die Faust vor den Mund. Schnell nahm Drew sie in die Arme und drückte ihr Gesicht gegen seine Schulter.

Zum ersten Mal verstand er, was Menschen meinten, die in höchst gefährlichen Situationen gewesen waren. Dass nämlich ihr bisheriges Leben in wenigen Sekunden vor ihnen abgelaufen sei. Aber das hier durfte nicht das Ende sein. Allerdings machte er sich keine Illusionen, was ihre Sicherheit betraf. Der Keller war alt und nicht sehr stabil gebaut.

Was für eine Ironie des Schicksals, dass er nun gerade mit der Frau hier eingesperrt war, die so widerstreitende Gefühle in ihm auslöste. Sie, die normalerweise eine Menge aushalten konnte und stolz auf ihre Unabhängigkeit war, fühlte sich in seinen Armen zerbrechlich und schutzbedürftig an. Er hielt sie fest an sich gedrückt und dachte bedauernd: Wenn wir jetzt sterben müssen, warum habe ich dich vorher nicht geküsst?

2. KAPITEL

Verzweifelt klammerte Beth sich an Drew. Er war stark, er würde sie schützen. Seine sonst so irritierende Selbstsicherheit war jetzt ein Pluspunkt. Er hatte gesagt, sie würden es schaffen. Und darauf verließ sie sich.

Sie spürte seinen stetigen ruhigen Herzschlag. Seine Haut war warm, ihre eigene eiskalt. Wenn man ihr vierundzwanzig Stunden zuvor gesagt hätte, sie würde sich eng umschlungen mit Drew Farrell in einem dunklen Raum aufhalten, hätte sie sich totgelacht. Und jetzt klammerte sie sich an ihn, als wollte sie ihn nie wieder loslassen.

Über ihren Köpfen heulte der Sturm. Beth hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Vielleicht sollte sie sich schon mal ein Notprogramm für die folgende Woche ausdenken. Aber die ganze Situation war ein einziger Albtraum, in dem sie keinen klaren Gedanken fassen konnte. Das einzig Tröstliche war Drews kräftiger warmer Körper.

Der kleine Raum war dunkel und feucht und roch nach Erde, eigentlich wie ein Grab. Aber solange Drew bei ihr war, fühlte sie sich geborgen. Der Gedanke daran, jetzt allein hier zu sein, ließ sie erschaudern. Wahrscheinlich hätte sie nicht einmal die Kellertür allein zuziehen können.

Wie lange dauerte ein Tornado normalerweise?

Immer noch schien der Sturm an Stärke zuzunehmen, zumindest ließ das immer lauter werdende Heulen das vermuten. Plötzlich ließ Drew sie los. Er schrie ihr etwas zu, was sie jedoch erst beim dritten Mal verstand.

„Die Türangeln!“, stieß er hervor. „Sie sind alt und können dem Sturm nicht standhalten! Leg die Arme um mich, und halt dich an meinem Gürtel fest!“

Sie tat, was er gesagt hatte, während er den schweren Griff an der Tür packte und sich mit aller Kraft gegen die saugende Gewalt von draußen stemmte. Sie zog, so gut sie konnte, und spürte den Sog. Oh Gott, wenn Drew jetzt aus ihren Armen nach draußen gerissen würde … Nein, das durfte nicht geschehen …

„Ich bin stärker als du, du kriegst mich nicht klein!“, schrie Drew dem Sturm entgegen. Sie mussten es schaffen! Das schaurige Heulen kam jetzt von allen Seiten, wütete und schwoll an. Der Sturm zerrte mit aller Kraft an der Tür, sodass Drew fürchtete, den Griff nicht länger halten zu können. Aber das durfte nicht sein, sie mussten überleben. Seine Schultern schmerzten, in den Händen hatte er kein Gefühl mehr, und immer wieder musste er gegen die eigene Verzweiflung ankämpfen. Nicht aufgeben, nicht aufgeben! Aber wie lange würde er noch durchhalten?

Doch dann wurde ihm wieder bewusst, dass Beth hinter ihm war, ihn fest umklammert hielt und mit aller Kraft an ihm zog. Er konzentrierte sich ganz auf ihren Körper und blendete den Schmerz in Schultern und Händen aus. Sie war da, sie kämpfte mit ihm.

Dann ertönte ein gewaltiger Krach, und Beth schrie auf. Das Wüten des Sturms wurde stärker und stärker, dann prasselte es wie Gewehrkugeln gegen das Haus und auf das Dach. Hagel! Offenbar in der Größe von Tischtennisbällen! Was der Sturm selbst nicht zerstört hatte, würde der Hagel schaffen.

Nach einer Ewigkeit nahm das Prasseln ab und ging schließlich in stetiges Rauschen über. Eine ganze Weile regnete es, und dann war es vorbei. Der Sog auf die Tür ließ so plötzlich nach, dass Drew stolperte. Beth hielt ihn immer noch fest umklammert, und er konnte sie keuchend atmen hören.

Die Ruhe nach dem Sturm war ohrenbetäubend.

Vorsichtig ließ Drew den Griff los und bewegte die tauben Finger. Dann löste er sich vorsichtig aus Beths Umklammerung, drehte sich zu ihr um, packte sie bei den Schultern und schüttelte sie leicht. „Es ist vorbei, Beth“, sagte er leise. „Wir haben es geschafft.“ In der Dunkelheit konnte er ihr Gesicht kaum erkennen.

„Ist das wirklich wahr?“ Ihre Stimme war leise, aber klar. „Irgendwo hier auf dem Boden steht ein Metallkasten. Für die Notversorgung.“ Suchend sah sie sich um, konnte aber in der Dunkelheit nichts erkennen. „Den habe ich gesehen, als wir hier reinkamen.“

Nur ungern ließ er sie los und tastete nach dem Kasten. Er fand ihn und klappte ihn auf. Obenauf erfühlte er zwei Taschenlampen. Er gab Beth eine und knipste seine an. Jetzt erst sah er, dass Beth ihn anstarrte, als stünde sie immer noch unter Schock. Schnell nahm er zwei Wasserflaschen aus dem Kasten, gab Beth eine und zog sie zu den Gartenstühlen. „Setz dich, und atme tief durch.“

Sie tat, was er sagte. „Können wir schon wieder rausgehen? Woher wissen wir, dass alles vorbei ist und nicht ein zweiter Tornado folgt?“

„Das kann ich herausfinden.“ Er zog sein Smartphone aus der Tasche, tippte darauf herum und fluchte dann leise. „Mist, ich habe keine Verbindung. Offenbar hat der Sturm die Funkmasten zerstört. Lass uns noch ein paar Minuten warten, dann sehen wir uns mal draußen um. Falls die Sirenen wieder losgehen, können wir immer wieder hierher flüchten.“

„Wie spät ist es?“

Auch Drew hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Wie lange sie wohl schon hier unten waren? Eine Stunde? Er blickte auf die Uhr. „Es ist erst halb fünf.“

Autor

Janice Maynard
Janice Maynard wuchs in Chattanooga, Tennessee auf. Sie heiratete ihre High-School-Liebe während beide das College gemeinsam in Virginia abschlossen. Später machte sie ihren Master in Literaturwissenschaften an der East Tennessee State University. 15 Jahre lang lehrte sie in einem Kindergarten und einer zweiten Klasse in Knoxville an den Ausläufern der...
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