Geliebter Bodyguard

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Bodyguard für eine schöne junge Schauspielerin? So einen Job hat der vermögende Playboy Falco Orsini schon lange nicht mehr nötig. Doch als er die Verletzlichkeit in Elles Augen sieht, ist ihm klar: Diese Frau braucht ihn! Auch wenn sie ihn nach einem heißen Kuss brüsk zurückweist, ist Falcos Beschützerinstinkt geweckt. Um sie vor einem Verfolger zu retten, entführt er Elle in seinem Privatjet nach Hawaii. Allein mit ihr in seinem luxuriösen Strandhaus, steigt die erotische Spannung mit jedem Tag - mit jeder Nacht. Doch Falco soll Elle beschützen - nicht begehren!
  • Erscheinungstag 19.03.2011
  • Bandnummer 1966
  • ISBN / Artikelnummer 9783863497163
  • Seitenanzahl 144
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

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IMPRESSUM

JULIA erscheint 14-täglich im CORA Verlag GmbH & Co. KG,

20350 Hamburg, Axel-Springer-Platz 1

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Geschäftsführung:

Thomas Beckmann

Redaktionsleitung:

Claudia Wuttke (v. i. S. d. P.)

Cheflektorat:

Ilse Bröhl

Lektorat/Textredaktion:

Sarah Hielscher

Produktion:

Christel Borges, Bettina Schult

Grafik:

Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn,
Marina Grothues (Foto)

Vertrieb:

asv vertriebs gmbh, Süderstraße 77, 20097 Hamburg Telefon 040/347-29277

Anzeigen:

Christian Durbahn

Es gilt die aktuelle Anzeigenpreisliste.

 

© 2010 by Sandra Myles

Originaltitel: „Falco: The Dark Guardian“

erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London

in der Reihe: MODERN ROMANCE

Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe: JULIA

Band 1966 (8/1) 2011 by CORA Verlag GmbH & Co. KG, Hamburg

Übersetzung: SAS

Fotos: Harlequin Books S.A._gettyimages

Veröffentlicht im ePub Format in 04/2011 – die elektronische Ausgabe stimmt mit der Printversion überein.

ISBN: 978-3-86349-716-3

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

JULIA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Führung in Lesezirkeln nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlages. Für unaufgefordert eingesandte Manuskripte übernimmt der Verlag keine Haftung. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Satz und Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Der Verkaufspreis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:

BACCARA, BIANCA, ROMANA, HISTORICAL, HISTORICAL MYLADY, MYSTERY, TIFFANY HOT & SEXY, TIFFANY SEXY

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Sandra Marton

Geliebter Bodyguard

1. KAPITEL

Es gab solche, die behaupteten, Falco Orsini sei zu reich, zu attraktiv und zu arrogant für sein eigenes Seelenheil.

Falco musste zugeben, dass er reich war, vermutlich auch arrogant, und wenn man von der endlosen Parade schöner Frauen, die durch sein Bett zog, schließen wollte, würde wohl auch er sagen, dass Mutter Natur ihn großzügig mit dem ausgestattet hatte, was Frauen anzog.

Dann gab es noch jene, die behaupteten, er sei skrupellos. Dem wiederum konnte er keineswegs zustimmen.

Er war nicht skrupellos, sondern ehrlich. Warum einem Konkurrenten eine profitable Investmentbank überlassen, wenn er sie aufkaufen konnte? Warum einen Konkurrenten bei einem Businessdeal vorlassen, wenn er zuerst den Fuß in die Tür stellen konnte? Warum Interesse für eine Frau heucheln, das er nicht mehr verspürte?

Er machte grundsätzlich keine Versprechen, wenn er nicht auch vorhatte, sie einzuhalten.

Er war ehrlich, nicht skrupellos. Und er stand in der Blüte seines Lebens.

Wie seine drei Brüder war auch Falco groß – ein Meter neunzig, muskulöse Gestalt, markantes Gesicht. Beeindruckend, behaupteten die Frauen. Das mochte stimmen, aber mit Eitelkeit hatte es nichts zu tun. Er war durchtrainiert, wie ein Mann durchtrainiert sein musste, wenn körperliche Fitness den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten konnte.

Nicht, dass er diese Art Leben noch führte.

Zumindest nur noch selten.

Und wenn, dann sprach er nicht darüber.

Mit zweiunddreißig hatte Falco bereits ein Leben hinter sich, das andere wohl als interessant bezeichnen würden.

Mit achtzehn hatte er seinen Rucksack geschultert und war per Anhalter durch die Welt getrampt. Mit neunzehn hatte er sich zur Armee gemeldet. Mit zwanzig war er zu den Special Forces gekommen. Irgendwo auf dem Weg hatte er ein paar nutzlose Seminare an der Universität absolviert, hatte sein Talent fürs Pokern um hohe Summen perfektioniert und schließlich auch für ebenso hohe Investitionen.

Er lebte nach eigenen Regeln. Hatte es immer so gehalten. Was andere über ihn dachten, interessierte ihn nicht. Ehre, Pflicht und Integrität waren ihm wichtig. Von den Männern, die mit ihm gedient hatten, mochten ihn lange nicht alle. Er sei zu distanziert und unzugänglich, behaupteten manche. Aber ausnahmslos alle respektierten ihn. Genau wie alle Frauen ihn anhimmelten.

Oder hassten.

Aber das war egal.

Familie war das Wichtigste.

Er liebte seine Brüder, so wie sie ihn liebten. Die starke Bindung zueinander machte die vier zu einem unschlagbaren Team in der Finanzwelt. Für seine Schwestern hätte er sein Leben gelassen, und sie würden den Gefallen, ohne zu zögern, erwidern. Seine Mutter betete er an, und sie wiederum betete alle ihre Kinder an.

Was nun seinen Vater betraf …

Wen kümmerte der Mann schon?

Wie auch seine Brüder hatte Falco Cesare Orsini schon vor Jahren abgeschrieben. Für seine Frau und seine Töchter gehörten dem Alten ein gut gehender Sanitärbetrieb, eine Baufirma und einige Immobilien in New Yorks teuersten Gegenden.

Seine Söhne jedoch kannten die Wahrheit.

Ihr Vater war der Kopf einer Organisation, die er nur la famiglia nannte.

Mit anderen Worten, er war ein Gangster, wie all die anderen zwielichtigen Gestalten, die Sizilien in der letzten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hervorgebracht hatte. Daran änderten weder die Designeranzüge noch die riesige Stadtvilla mitten in Manhattans Greenwich Village, früher Little Italy, etwas. Doch um ihrer Mutter willen vergaßen Falco und seine Brüder dies zeitweise und gaben vor, dass die Orsinis nur eine weitere der vielen großen glücklichen sizilianisch-amerikanischen Familien war.

So wie heute, zum Beispiel. An dem sonnigen Herbsttag, an dem Dante vor den Altar trat.

Falco hatte noch immer Probleme damit, das Ganze zu begreifen. Erst Rafe, jetzt Dante. Zwei seiner Brüder verheiratet! Und Dante war nicht nur Ehemann, sondern auch Vater.

Nicolo und Falco hatten den ganzen Tag gelächelt, die neuen Schwägerinnen auf die Wangen geküsst und Dante und Rafe breit zugegrinst. Sie hatten versucht, sich nicht wie Trottel vorzukommen, wenn sie ihren neuen Neffen überschwänglich bewunderten – was nicht wirklich schwerfiel, denn der Kleine war definitiv das niedlichste und intelligenteste Baby, das man sich vorstellen konnte. Sie tanzten mit ihren Schwestern und stellten die Ohren auf Durchzug, sobald Anna und Isabella von ihren Freundinnen anfingen, die ganz wunderbare Ehefrauen abgeben würden.

Am frühen Abend waren sie so weit, dass sie sich unauffällig absetzen wollten, um in dem Lokal, das den Brüdern gehörte, mit einem kalten Bier auf das Junggesellendasein anzustoßen. Eine urige Kneipe, die nichts mit dem Investmentportfolio der Brüder zu tun hatte und einen schlichten Namen trug: The Bar.

Doch Cesare machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Er wolle mit ihnen reden, sagte er.

Nicht schon wieder, dachte Falco entnervt, und ein Blick zu Nick ließ ihn erkennen, dass der Bruder Ähnliches empfand. Seit Monaten hielt ihr Vater sie mit seinem „Wenn ich nicht mehr bin“-Vortrag auf Trab. Die Kombination für den Safe. Die Namen von Rechtsanwälten und Buchhaltern. Wo wichtige Unterlagen aufbewahrt wurden. Keinen der Brüder interessierte das. Keiner wollte auch nur einen Penny von dem Geld des Vaters.

Falcos instinktive Reaktion war es eigentlich, die Aufforderung einfach zu ignorieren und zu gehen.

Stattdessen tauschten Nick und er einen Blick. Vielleicht hatte der festliche Tag sie nachgiebig gemacht. Vielleicht lag es auch am Champagner. Ach, was soll’s, schien Nicks Miene zu sagen, und Falcos Erwiderung war ein ergebener Seufzer. Na schön, warum nicht.

Cesare bestand darauf, einzeln mit ihnen zu reden. Felipe, Cesares rechte Hand, bedeutete Falco wortlos, in das Arbeitszimmer zu gehen.

Einen Moment lang spielte Falco mit dem Gedanken, den Wachhund seines Vaters bei seinem dürren Hals zu packen und ihn zu schütteln, doch die Hochzeitsfeier war schließlich noch in vollem Gange.

Also lächelte er nur dünn – die Art Lächeln, die ein Mann wie Felipe genau verstehen würde –, schob sich an ihm vorbei und betrat das stickige Arbeitszimmer.

Sein Vater saß an dem wuchtigen Mahagonischreibtisch, die dunklen Vorhänge waren vor die Fenster gezogen und machten den großen Raum mit dem schweren Mobiliar noch düsterer, als er normalerweise schon war. Cesare sah auf, nickte knapp und winkte Falco mit einer manikürten Hand zu, er solle sich setzen, bevor er den Kopf wieder über den Aktenordner vor sich senkte.

Die antike Standuhr an der Wand zwischen den vergilbten Fotografien von Vorfahren aus der alten Heimat und Heiligenstatuen zeigte an, dass vier Minuten wortlos vergingen.

Falco stand reglos da, die Arme vor der Brust verschränkt, die Füße leicht gespreizt, die dunklen Augen auf das Ziffernblatt der alten Uhr gerichtet. Der Minutenzeiger rückte einen Strich weiter, der Stundenzeiger schob sich unmerklich vor. Falco ließ die Arme an seine Seite sinken, drehte sich um und ging zur Tür.

„Wohin willst du?“

Falco machte sich nicht die Mühe, sich umzudrehen. „Ciao, Vater. Es war wie immer ein Vergnügen.“

Der Stuhl knirschte leise, als Cesare sich zurücklehnte. „Wir haben unser Gespräch noch nicht geführt.“

„Unser Gespräch? Wenn du etwas zu sagen hast, sage es.“ Falco drehte sich ungeduldig herum. „Obwohl ich dir versichern kann, dass ich mich noch sehr gut an deine bewegenden Worte beim letzten Mal erinnern kann. Dein Safe, deine Unterlagen und deine Geschäfte interessieren mich nicht.“

„Dann bist du ein Narr“, sagte der don leise. „Diese Dinge sind ein Vermögen wert.“

Falco lächelte dünn. „Falls es dir noch nicht aufgefallen sein sollte – ich besitze bereits ein Vermögen. Und selbst wenn nicht … von dir würde ich keinen Penny annehmen. Das müsstest du inzwischen wissen.“

„Ein solches Drama, mein Sohn.“ Cesare seufzte. „Nun gut, du hast deine Rede gehalten.“

„Und du deine. Auf Wiedersehen, Vater. Ich werde Nicolo sagen, dass er …“

„Was hast du letzten Monat in Athen gemacht?“

Falco verharrte abrupt. „Was?“

„Es ist eine schlichte Frage. Du warst in Athen. Warum?“

Der Blick, mit dem Falco seinen Vater bedachte, hätte jeden anderen schrumpfen lassen. „Lässt du mich etwa beschatten?“

„Nichts derart Plumpes.“ Cesare holte eine Zigarrenkiste aus der Schublade. „Echte Havannas. Die kosten ein Vermögen. Hier, nimm eine.“

Falco schaute nicht einmal auf die angebotene Box. „Woher weißt du, dass ich in Athen war?“

Cesare zuckte die Schultern. „Ich habe überall Freunde. Das weißt du doch.“

„Dann weißt du auch, dass ich geschäftlich dort war. Für Orsini Investments. Das ist übrigens eine Privatbank, die wir ohne deine Hilfe aufgezogen haben, mit ehrlicher Arbeit. Ein Konzept, das dir fremd sein dürfte.“

Cesare biss die Spitze der ausgewählten Zigarre ab und spuckte sie in den Papierkorb. „In Athen hast du eine weitere Bank akquiriert. Gute Arbeit.“

„Du weißt, dass mir dein Lob nichts bedeutet.“

„Aber das war nicht alles, was du in Athen getan hast“, fuhr der don leise fort. Er sah Falco direkt an. „Meine Quellen wissen zu berichten, dass ein zwölfjähriger Junge, der irgendwo im türkischen Gebirge gefangen gehalten wurde und nur gegen Lösegeld freigelassen werden sollte, auf wundersame Weise wieder zu seiner Familie zurück …“

In Sekundenbruchteilen war Falco auf der anderen Schreibtischseite und packte seinen Vater beim Kragen. „Was soll das?“, knurrte er.

„Nimm deine Hände von mir!“

„Erst bekomme ich eine Antwort. Niemand ist mir gefolgt. Ich weiß nicht, woher du diesen Blödsinn hast, aber …“

„So dumm bin ich nicht, um zu glauben, dass jemand dir folgen und dann auch noch davon erzählen kann. Lass mein Hemd los, vielleicht bekommst du dann deine Antwort.“

Falco verfluchte sich still. Seit Jahren hatte er sich von Cesare nicht provozieren lassen. Seit fünfzehn Jahren, um genau zu sein, seit einer der Schergen seines Vaters ihn dabei erwischt hatte, wie er sich nachts zurück ins Haus schlich.

Der don hatte vor Rage gekocht. Nicht, weil sein Siebzehnjähriger sich nachts herumtrieb, nicht, weil er das Alarmsystem überlistet hatte, sondern darüber, dass es ihm gelungen war, sich an den Wachen vorbeizuschleichen, die um das Haus patrouillierten.

Falco weigerte sich, eine Erklärung abzugeben, und schwieg beharrlich. Und er tat noch etwas – er grinste anmaßend, wie nur dreiste Teenager grinsen konnten.

Die erste Ohrfeige war ein Schock. Sein Vater hatte ihn nie zuvor geschlagen. Eigentlich verwunderte es ihn, dass es bisher nie passiert war. Die zweite ließ ihn schwanken. Die dritte verpasste ihm eine blutige Lippe. Als Cesare zum vierten Mal die Hand hob, packte er den Arm des Vaters und drehte ihn ihm auf den Rücken. Cesare war stark, aber schon mit siebzehn war Falco stärker.

Zudem wurde er angetrieben von Jahren der Verachtung. „Rühr mich noch einmal an, und – ich schwöre – ich bringe dich um.“

Der Gesichtsausdruck seines Vaters durchlief eine unmerkliche Veränderung. Es war nicht Angst, es war auch keine Wut, sondern etwas, das in den Augen eines mächtigen Mannes stand, der soeben eine Schlacht verloren hatte, körperlich wie auch symbolisch.

Seine Mutter und seine Schwestern gaben sich am nächsten Tag mit der Lüge zufrieden, er sei angeblich in der Dusche ausgerutscht. Die Brüder waren zwar nicht so leicht zu täuschen gewesen, aber Falco hatte nie die Wahrheit über das blaue Auge und die geschwollene Lippe gesagt.

Weil es zu erniedrigend war? Sein Jähzorn zu beängstigend?

Irgendwann verstand er, was sich abgespielt hatte.

Die Macht hatte sich in jener Nacht verlagert, war von Cesare auf ihn übergegangen und wieder zurück zu Cesare. Was er an jenem Abend erkannte, war, dass es trotz der brutalen Drohung er, Falco, gewesen war, der die Schlacht verloren hatte. Weil er durchgedreht war. Auch wenn er es nicht erklären konnte, ihm war klar geworden, dass es einer anderen Person Macht verlieh, wenn man die Kontrolle über sich verlor.

Und heute stand er hier, fünfzehn Jahre später, und hatte erneut denselben Fehler gemacht.

Sehr bedacht öffnete er die Finger, die sich in den gestärkten Hemdskragen gekrallt hatten. Cesare sank auf den Stuhl zurück, mit hochrotem Gesicht.

„Wärst du nicht mein Sohn …“

„Ich bin nicht dein Sohn. Es reicht nicht aus, ein Kind zu zeugen, um Vater zu sein.“

Ein Muskel zuckte in Cesares Wange. „Bist du jetzt unter die Philosophen gegangen? Glaube mir, Falco, in vieler Hinsicht bist du mehr mein Sohn als deine Brüder.“

„Was soll das heißen?“

„Das heißt, dass das, was du angeblich so sehr an mir verabscheust, auch in dir steckt. Die Gier nach absoluter Macht. Der Drang, alles zu kontrollieren. Die Bereitschaft, Blut zu vergießen, wenn es nötig ist.“

„Ist es das, worüber du reden wolltest, alter Mann? Willst du eine Art Absolution von mir, weil deine Gene angeblich mein Schicksal sind? Das wird nicht funktionieren. Ich bin nicht wie du. Dieses Gespräch ist hiermit beend…“

Cesare nahm ein Blatt aus dem Ordner, offensichtlich eine aus irgendeinem Glamourmagazin gerissene Seite.

„Kennst du diese Frau?“

Falco schaute nicht hin. „Ich kenne viele Frauen. Das müssen dir deine Spione doch berichtet haben.“

„Tu mir den Gefallen und schau sie dir an.“

Was soll’s, dachte er und nahm die Seite zur Hand. Es war eine Anzeige für irgendetwas Teures – Parfüm, Schmuck, Dessous, schwer zu bestimmen.

Die Frau saß in einem Sessel, ein langes Bein auf den Boden gestellt, das andere lässig über die Armlehne gelegt. Sie trug Schuhe, für die ein Waffenschein nötig war, und scharlachrote Spitze.

Ein großartiger Körper. Ein ebenso faszinierendes Gesicht. Oval, fein geschnittene Züge, die pure Weiblichkeit. Hohe Wangenknochen, bernsteinfarbene Katzenaugen mit langen dunklen Wimpern, schimmerndes dunkles Haar, lang und glatt. Sie lächelte den Betrachter an.

Er wusste, es war eine optische Illusion, erreicht durch minutiöse Kameraeinstellung. Aber verdammt wirkungsvoll. Dieses Lächeln, diese Kopfhaltung, ihr Körper … alles forderte einen Mann heraus, sie zu begehren. Sich einzubilden, sie haben zu können. Dieses Lächeln versprach die sexuelle Befriedigung, von der ein Mann sein Leben lang träumte.

Sein Magen zog sich zusammen.

„Und? Kennst du sie?“

Falco warf das Blatt auf die Schreibtischplatte. „Nein. Sind wir dann fertig?“

„Sie heißt Elle. Elle Bissette. Sie hat als Model gearbeitet. Jetzt ist sie Schauspielerin.“

„Freut mich für sie.“

Cesare nahm ein weiteres Blatt aus dem Ordner und hielt es Falco hin. Der aber rührte sich nicht.

„Was wird das hier? Prominenten-Raten?“

Per favore, Falco. Bitte, schau es dir an.“

Falco zog die Augenbrauen hoch. Eine Bitte? Das war er von seinem Vater überhaupt nicht gewohnt. Er griff nach dem Blatt.

Übelkeit stieg in ihm auf. Es war die gleiche Anzeige, doch jemand hatte mit einem roten Filzstift ein X in ihre Augen gesetzt. Eine Reihe von X waren über ihre Lippen gezogen, rote Punkte an ihre Kehle und um ihre Brüste gemalt.

„Miss Bissette hat das in ihrem Briefkasten gefunden.“

„Was meinen die Cops dazu?“

„Nichts. Sie hat sie nicht verständigt.“

„Dann ist sie eine Närrin“, sagte Falco offen heraus.

„Die Eltern des türkischen Jungen sind auch nicht zur Polizei gegangen.“

„Wir sind hier in Amerika.“

„Angst bleibt Angst, ganz gleich, wo man lebt. Vielleicht vertraut sie den Cops nicht. Auf jeden Fall weigert sie sich, die Polizei einzuschalten.“ Cesare machte eine Pause. „Miss Bissette dreht zurzeit einen Film in Hollywood. Der Produzent des Films ist … nun, sagen wir, ein alter Freund von mir.“

„Ah, ich fange an zu verstehen. Dein Kumpan macht sich Sorgen um seine Investition.“

„Ja, natürlich macht er sich Gedanken. Er braucht meine Hilfe.“

„Schicke ihm was von deinem Vermögen.“

„Er braucht keine finanzielle Hilfe. Er hat mich gebeten, Miss Bissette zu beschützen.“

„Deine Gorillas werden bestimmt Spaß in L.A. haben.“

Cesare schmunzelte. „Kannst du dir meine Männer in Beverly Hills vorstellen?“

Fast hätte Falco gelacht. Die Vorstellung war wirklich amüsant. Und dann setzte sich das Puzzle langsam zusammen. „Okay, ich kenne ein paar Jungs, die als Leibwächter für VIPs arbeiten. Ich frage herum. Wenn ich jemanden finde …“

„Ich habe schon jemanden gefunden“, unterbrach Cesare leise. „Dich.“

„Mich?“ Dieses Mal lachte er tatsächlich auf. „Ich bin Banker, Vater, kein Leibwächter.“

„Das hast du den Leuten in der Türkei aber nicht gesagt.“

„Das war etwas anderes. Sie sind zu mir gekommen und haben um meine Hilfe gebeten.“

„Jetzt bitte ich dich um deine Hilfe, mio figlio.“

Falcos Miene wurde hart. „Wenn du Namen und Telefonnummern von mir willst … fein. Ansonsten gehe ich jetzt.“ Er würde durch die Terrassentüren verschwinden, seiner Mutter und den Hochzeitsgästen musste er jetzt nicht über den Weg laufen.

„Warte.“ Sein Vater kam ihm nach. „Nimm den Ordner mit. Alles, was du brauchst, steht da drin.“

Falco nahm den Ordner an. Das war einfacher als eine Diskussion.

Bis er mit dem Taxi bei seinem Stadthaus ankam, waren ihm vier Männer eingefallen, die diesen Job übernehmen konnten, und sie würden ihn gut machen. In seinem Wohnzimmer goss er sich einen Brandy ein und ging mit Glas und Ordner in den von einer Mauer umschlossenen Garten. Die Sonne ging bereits unter, es wurde kühl, aber er mochte es, hier draußen zu sein. Manhattans Lärm drang nicht bis hierher durch.

In dem Ordner war nicht viel. Ein paar Informationen über den Film, der Brief des Produzenten an Cesare. Und die Fotos von Elle Bissette.

Autor

Sandra Marton
Sandra Marton träumte schon immer davon, Autorin zu werden. Als junges Mädchen schrieb sie Gedichte, während ihres Literaturstudiums verfasste sie erste Kurzgeschichten. „Doch dann kam mir das Leben dazwischen“, erzählt sie. „Ich lernte diesen wundervollen Mann kennen. Wir heirateten, gründeten eine Familie und zogen aufs Land. Irgendwann begann ich, mich...
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