Julia Gold Band 86

– oder –

 

Rückgabe möglich

Bis zu 14 Tage

Sicherheit

durch SSL-/TLS-Verschlüsselung

IM SCHLOSS DER LEIDENSCHAFT
von SHAW, CHANTELLE

Als Emily mit ihrem Ex nach Frankreich reist, will sie nur eins: Die Scheidung! Doch genau wie früher entfacht Jean-Luc ihre Leidenschaft. Aber darf sie ihren Gefühlen nachgeben? Kaum auf Château Montiard angekommen, begegnet sie seiner schöner Assistentin - ihrer Rivalin …

SAG EINFACH JA!
von LAWRENCE, KIM

Luca di Rossi hat alles, wovon Frauen träumen: Er ist reich, charmant und sexy! Nur ist auch stadtbekannt, dass er ein notorischer Playboy ist. Finger weg, warnt eine innere Stimme Judith! Doch die verstummt, als der feurige Italiener sie zum ersten Mal küsst …

CHAMPAGNER UND HEIßE KÜSSE
von CRAVEN, SARA

Keine Verpflichtungen - nur Lust und Leidenschaft. Ihre Affäre mit Liam ist ganz nach Cats Geschmack. Erst eine Zeitungsmeldung verdirbt ihr den Appetit. Ihre exzentrische Mutter hat mal wieder einen neuen Lover. Und die Beschreibung passt genau auf Liam!

  • Erscheinungstag 17.05.2019
  • Bandnummer 0086
  • ISBN / Artikelnummer 9783733713140
  • Seitenanzahl 447
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Chantelle Shaw, Kim Lawrence, Sara Craven

JULIA GOLD BAND 86

PROLOG

August

„Natürlich haben wir Luc nicht bestochen, dich zu heiraten!“, protestierte Sarah Dyer steif. „Auch wenn ich zugeben muss, dass es einen gewissen finanziellen Anreiz gab.“

„Oh Gott.“ Während Emily eine Welle von Übelkeit erfasste, wandte sie sich von ihrer Mutter ab.

Seit Jahren verbrachte Sarah jeden Sommer ein paar Wochen bei Freunden in Hampstead, und obwohl Mutter und Tochter sich nie sonderlich nahegestanden hatten, war sie die Erste, an die Emily sich in ihrer Not klammerte. Doch anstatt Mitgefühl zu zeigen, versetzte Sarah der Ehe ihrer Tochter unbewusst den Todesstoß. Unter diesen Umständen konnte Emily unmöglich bei Luc bleiben.

„Liebling, du musst begreifen, dass sich ein Jean-Luc Vaillon von anderen Männern unterscheidet. Du häufst kein millionenschweres Vermögen an, wenn du nicht über eine gewisse Rücksichtslosigkeit verfügst, und dein Mann ist nun mal zuallererst ein Geschäftsmann.“

„Das weiß ich“, murmelte Emily dumpf. Es musste sie wirklich niemand daran erinnern, wie sehr Luc für seine Arbeit lebte. Sie wäre ja sogar bereit, die unzähligen Geschäftsreisen und endlos langen Stunden, die er in seinem Arbeitszimmer verbrachte, hinzunehmen, wenn nur die geringste Hoffnung bestand, dass er sie liebte.

„Liebling, das Problem mit dir ist, dass du furchtbar romantisch bist“, fuhr Sarah fort, als sie das blasse Gesicht ihrer Tochter sah. „Es kann ja sein, dass Luc eine kleine Affäre mit seiner Assistentin hat, aber du bist seine E1hefrau, und es liegt in jedermanns Interesse, dass das so bleibt. Eine Schwangerschaft kann eine Ehe stark belasten“, fügte sie mit einem Blick auf Emilys gewölbten Bauch hinzu, „und um ganz offen zu sprechen, ich nehme an, dass dein Gatte ein sehr viriler Mann ist. Wenn das Kind erst einmal da ist, wird sich alles wieder normalisieren, du wirst schon sehen.“

Aber was bedeutete schon normal, fragte sich Emily düster während ihres Spaziergangs durch die blühende Heide, nachdem sie ihrer Mutter versichert hatte, dass sie nichts Unüberlegtes tun würde. Sehr schnell hatte sie erkannt, dass sich ihre Rolle in Lucs Leben fast ausschließlich auf das Schlafzimmer beschränkte. Die starke sexuelle Anziehungskraft, die vom ersten Tag ihrer Begegnung an zwischen ihnen existierte, war und blieb ihre einzige wirkliche Form der Kommunikation. Bei beiden loderte die Leidenschaft gleichermaßen heftig, doch ohne sie waren sie nichts.

Heute genossen viele Spaziergänger die schöne Heidelandschaft. In der Luft lag helles Kinderlachen, da auch etliche Familien die schöne Spätsommersonne nutzten. Als Emily einen Mann beobachtete, der mit seinem Sohn einen Drachen steigen ließ, schnappte irgendetwas in ihr zu, und ein tiefes Stöhnen, wie von einem verwundeten Tier, löste sich aus ihrer Brust. Rasch presste sie die Hand auf den Mund, als könne sie das Geräusch so zurückdrängen. Sie durfte jetzt nicht zusammenbrechen – nicht hier, aber ihre Beine gaben nach. Während sie auf eine Bank sank, um sich auszuruhen, stellte sie sich der Erkenntnis, dass ihr Sohn niemals ein so harmloses Vergnügen mit seinem Vater teilen würde.

Natürlich könnte sie bleiben, trotz seiner Untreue. Um ihres ungeborenen Kindes willen könnte sie sich blind stellen. Doch Luc wollte ihr gemeinsames Kind ebenso wenig wie er sie wollte. Sein völlig entsetzter Blick, als er von ihrer Schwangerschaft erfahren hatte, verfolgte sie noch immer, und die Kälte, mit der er ihr seitdem begegnete, verstärkte nur Emilys Gewissheit, dass er ihre Ehe längst als Fehler betrachtete.

Wie lange die Affäre mit seiner persönlichen Assistentin wohl schon dauerte, fragte sich Emily bedrückt. Seit fünf Jahren arbeitete Robyn Blake jetzt schon für ihn, und von Anfang an hatte sie keine Gelegenheit ausgelassen, um die besondere Beziehung zwischen Luc und ihr zu betonen. Sie war die Witwe seines Bruders, nicht nur eine Angestellte. Seit Emily die offensichtliche Zuneigung zwischen den beiden wahrgenommen hatte, litt sie unter Eifersucht. Doch nun hatte sie den unwiderlegbaren Beweis, dass Robyn Lucs Geliebte war. Noch nie in ihrem Leben hatte Emily sich so betrogen gefühlt.

Was ist mit deinem Baby, schaltete sich ihr Verstand ein. Als die Ultraschalluntersuchung ergab, dass sie einen Jungen erwartete, wurde ihre Freude dadurch überschattet, dass Luc nicht an ihrer Seite war. Von all seinen Verletzungen kränkte sie diese am meisten. Es interessierte ihn nicht, selbst ins Krankenhaus zu fahren, um das erste magische Bild ihres Kindes zu sehen. Selbst wenn er wüsste, dass er einen Sohn bekam, hätte das wenig an seiner Haltung verändert. Mit jedem Tag, der verging, distanzierte er sich mehr von ihr, bis seine höfliche Gleichgültigkeit sie schier zur Verzweiflung trieb. Sicher wäre es besser, jetzt zu gehen, bevor das Baby geboren war, und ihrem Kind all ihre Liebe zu schenken, damit es niemals erfuhr, dass sein Vater statt eines Herzens einen Klumpen Eis in seiner Brust trug.

Luc zu verlassen, würde ihr das Herz brechen, aber bei ihm zu bleiben, wäre ihr Tod. Mit einem unterdrückten Schluchzen stand Emily auf und taumelte in Richtung Straße.

„Wohin soll es gehen, hübsche Frau?“, fragte der Taxifahrer fröhlich, als sie einstieg. Einen Moment war sie unentschlossen, und die Adresse von Lucs Londoner Penthousewohnung lag ihr auf den Lippen.

Vielleicht sollte sie ihm eine letzte Chance geben? Vielleicht gab es doch eine logische Erklärung dafür, warum er die Nacht, in der er aus Australien zurückgekehrt war, bei Robyn verbracht hatte, anstatt zu ihr nach Hause zu kommen? Doch sie wurde die Bilder nicht los, die sie ständig verfolgten – Bilder, in denen Luc seine wunderschöne Assistentin liebte.

Sieh den Tatsachen ins Auge, sagte sie sich bitter. Es ist vorbei. Luc liebt dich nicht. Wenn sie ihm eins zugestehen musste, dann, dass er nie behauptet hatte, sie zu lieben. Das heutige Eingeständnis ihrer Mutter, nach dem sein Heiratsantrag Teil eines finanziellen Deals gewesen war, unterstrich nur die Wahrheit dieser Erkenntnis.

Entschlossen und trotzig zugleich hob Emily das Kinn und nannte dem wartenden Fahrer die Adresse ihrer Freundin Laura.

1. KAPITEL

Ein Jahr später – San Antonia

„Bist du sicher, dass du alles hast? Pässe, Tickets, Wohnungsschlüssel?“

„Ich habe alles unter Kontrolle – also hör auf, dir Sorgen zu machen“, meinte Emily gut gelaunt zu ihrer Freundin. „Es gibt sowieso schon genug Dinge, um die du dich kümmern musst. Der Bus ist da.“

Ankunftstage waren immer hektisch, dachte sie, als sie Laura nach draußen folgte. Früher war der Bauernhof in San Antonia ein stiller Rückzugsort für Lauras Freund und dessen Künstlerclique gewesen. All das hatte sich geändert, seit Nick Laura überredet hatte, zu ihm nach Spanien zu kommen und dort eine Kochschule zu eröffnen. Die Geschäftsidee erwies sich als voller Erfolg, denn es gab unzählige Touristen, die ganz versessen darauf waren, Unterricht bei einer kreativen Köchin zu nehmen, die sich in diversen Londoner Toprestaurants ihre Sterne verdient hatte. Emily freute sich riesig für Laura und war froh, dass sie ihr in der Anfangsphase bei der Unterbringung der Gäste helfen konnte. Doch jetzt war es an der Zeit, nach England zurückzukehren und ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen.

„Ich hoffe, du kommst zurecht“, murmelte sie, als sie zu ihrer Freundin auf die oberste Treppenstufe trat und die Gäste beobachtete, die gerade aus dem Bus stiegen. „Es kann sein, dass ich ein paar Monate weg bin, während die Anwälte die Scheidung ausarbeiten.“

„Aus eigener bitterer Erfahrung sollte ich dich warnen, dass es noch wesentlich länger dauern kann“, erwiderte Laura grimmig. „Meine Scheidung hat über ein Jahr gedauert und mich eine Menge Geld gekostet.“

„Ich rechne nicht damit, dass irgendwelche Probleme auftreten“, meinte Emily mit einem Schulterzucken. „Luc wird genauso froh sein wie ich, unsere Ehe zu beenden.“ Vor allem nach dem letzten Foto von ihm in einem britischen Boulevardmagazin, dachte sie bitter. Seite an Seite mit der wunderschönen Robyn Blake. Wahrscheinlich hätte es Emily nicht verwundern dürfen, aber zumindest gab das den Ausschlag, diese Farce einer Ehe endlich zu beenden.

Sie musste ihre Vergangenheit ein für alle Mal hinter sich lassen. Sie hatte ein Kind, eine aufstrebende junge Firma und die Freiheit, ihr Leben so zu leben, wie sie es für richtig hielt.

„Was glaubst du, wie es dir gehen wird, wenn du Luc wiedersiehst?“, fragte Laura.

„Mit ein bisschen Glück wird es gar nicht dazu kommen. Ich will nichts von ihm – und ganz sicher kein Geld“, antwortete Emily heftig.

„Es ist dein gutes Recht, dass er Unterhalt für Jean-Claude zahlt“, widersprach Laura. „Schließlich ist Luc trotz allem sein Vater, und es wird ihm nicht wehtun, einen Teil der Vaillon-Millionen abzutreten.“

„Nein!“ Emily protestierte sofort. „Ich bin ganz allein für meinen Sohn verantwortlich und werde für ihn sorgen. Jean-Claude war nicht geplant. Ich weigere mich, ihn im Nachhinein als Druckmittel einzusetzen. Ich komme auch allein zurecht“, versicherte sie ihrer Freundin betont optimistisch, während diese die Stirn runzelte. „Auf keinen Fall werde ich etwas von Luc annehmen.“

Zumindest in der Theorie klang alles ganz einfach. Sie würde durch Dritte Kontakt zu Luc aufnehmen, und wenn er den Wunsch äußerte, seinen Sohn zu sehen, konnten die Anwälte zusammen mit der Scheidung seine Besuchsrechte aushandeln. Kein Grund für Komplikationen, doch als sie zu Jean-Claude hinüberblickte, der von einem Sonnenschirm beschattet in seinem Kindersitz schlief, überkam sie eine dunkle Vorahnung. Nichts an Luc Vaillon war wirklich einfach. Diesen Mann umgaben viele Geheimnisse, und trotz der Tatsache, dass sie seit zwei Jahren miteinander verheiratet waren, kannte sie ihn eigentlich überhaupt nicht.

„Oh, da kommt aber jemand in großem Stil an“, unterbrach Lauras Stimme ihre Gedanken, und Emily schaute über den Hof zu der glänzenden schwarzen Limousine, die hinter dem Bus vorfuhr. „Ich hoffe, den Leuten ist klar, dass es sich hier um einen Arbeitsurlaub handelt. Ich habe keine Zeit, um hinter einer verwöhnten Millionärsgattin herzulaufen, die nicht einmal ein Ei kochen kann. Der Busfahrer bringt dich übrigens gern zum Flughafen“, fügte Laura hinzu. „Er hat jetzt alles ausgeladen, also kannst du ihm dein Gepäck bringen, bevor du Jean-Claude störst.“ Zum Abschied gab sie Emily einen Kuss auf die Wange. „Pass gut auf dich auf. Wenn du zurückkommst, feiern wir dein neues Leben als Single.“ Dann ging sie über den Hof, um ihre Gäste zu begrüßen.

Mit einem raschen Blick auf den Kindersitz vergewisserte sich Emily, dass Jean-Claude immer noch friedlich schlief, woraufhin sie entschied, ihm noch ein paar Minuten zu gönnen, während sie ihr Gepäck verstaute.

„Wie geht es Ihnen, Enzo?“, begrüßte sie den Busfahrer, der regelmäßig zwischen San Antonia und dem Flughafen hin- und herfuhr.

Hola, señora, Sie sehen heute aber besonders hübsch aus.“

Emily unterhielt sich noch fünf Minuten mit Enzo über dessen große Familie. Als sie anschließend zurückschaute, war der Kindersitz leer. Laura musste Jean-Claude mit ins Bauernhaus genommen haben, dachte sie, verspürte aber wieder dieses ungute Gefühl. Irgendetwas veranlasste sie, den Kopf zu der im Hof parkenden Limousine zu drehen.

Ein paar Sekunden lang glaubte sie, eine Art Fata Morgana zu sehen, erzeugt von der flirrenden Hitze, doch nachdem sie ein paarmal heftig geblinzelt hatte, erkannte sie, dass es sich nicht um eine Illusion handelte.

Die Luft im Hof war heiß und schwül, dennoch konnte sie einen Schauer nicht unterdrücken, als sie in die grauen Augen des Besuchers starrte und seinem kalten Blick begegnete. Mit ausdruckslosen Augen sah er sie an, aber die Arroganz, Macht und Rücksichtslosigkeit, die er trotzdem dabei ausstrahlte, schockierten sie, und sie stieß einen Schrei aus, als die Welt um sie anfing, sich zu drehen.

„Luc!“

Entsetzt presste sie die Hände auf den Mund. „Was machst du hier? Was willst du?“, fragte sie einige Sekunden später mit zitternder Stimme, denn der Schock machte sie beinahe sprachlos. Sein Mund verzog sich zu einem Lächeln, das sie an ein Raubtier erinnerte – bereit, sich gleich auf seine Beute zu stürzen.

„Ich habe bereits, weshalb ich gekommen bin, chérie“, antwortete er verdächtig sanft, woraufhin sie ihn verwirrt anstarrte. „Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob du uns begleiten willst.“

„Uns?“, echote Emily, deren Gehirn ganz offensichtlich die Arbeit verweigerte. „Ich verstehe nicht.“ Sie fühlte sich atemlos und desorientiert. Ihr Herz hämmerte wie wild, während sie all ihren Mut zusammennehmen musste, um ihm ins Gesicht zu sehen. Wenn das überhaupt ging, war er noch attraktiver, als sie ihn in Erinnerung hatte – muskulöser und härter als der Mann, der sie regelmäßig in ihren Träumen verfolgte.

Da er so unerwartet hier aufgetaucht war, wusste sie weder, was sie tun, noch, was sie sagen sollte. „Wie hast du mich gefunden?“, presste sie schließlich hervor. Sofort verhärtete sich sein Gesichtsausdruck.

„Du hast deinem Anwalt geschrieben und ihn gebeten, die Scheidung einzuleiten“, erinnerte er sie kühl. „Ich muss schon sagen, dass er mit erstaunlicher Geschwindigkeit meine Firma kontaktiert hat.“

„Mr. Carmichael kümmert sich bereits seit Jahren um die rechtlichen Belange meiner Familie“, gab Emily zurück. „Ich hatte ihn ausdrücklich gebeten, meinen Aufenthaltsort nicht bekannt zu geben, und ich glaube nicht, dass er ihn dir willentlich verraten hat.“

„Nein, aber seine hübsche junge Sekretärin war wesentlich entgegenkommender“, entgegnete er spitz. „Die Abende, an denen ich sie zum Dinner ausgeführt habe, waren äußerst ergiebig – in mehr als einer Hinsicht“, fügte er provokativ hinzu, und bei dem plötzlichen Funkeln in seinen Augen wurde ihr übel.

„Ich habe wirklich kein Interesse daran, die Details deines schäbigen Liebeslebens zu erfahren“, fauchte sie, während ein heftiger Schmerz ihr ins Herz schnitt. „Obwohl ich aus Erfahrung sagen kann, dass Liebe dabei eine herzlich kleine Rolle spielt. Aber ich weiß immer noch nicht, warum du hier bist“, fuhr sie eisig fort. Sie weigerte sich, den süßen Erinnerungen nachzugeben, die der Duft seines vertrauten Aftershaves in ihr auszulösen drohte. „Sicher hast du in dem Brief von Mr. Carmichael gelesen, dass ich nach England zurückkehre, um die Scheidung auszuhandeln. Warum hast du nicht einfach dort auf mich gewartet?“

Luc atmete hörbar ein. Offensichtlich konnte er nur mit Mühe seine Wut beherrschen. „Weil ich mich jetzt bereits seit einem Jahr danach sehne, mein Kind zu sehen“, stieß er zwischen den zusammengekniffenen Lippen hervor. Kalt und hart wie Granit funkelten seine Augen, sodass Emily unwillkürlich ein Schauer über den Rücken lief. Ganz allmählich begriff sie, wie zornig er war. „Hast du wirklich geglaubt, ich würde mich weiter passiv verhalten und darauf hoffen, dass du irgendwann wiederauftauchst? Hast du überhaupt eine Vorstellung davon, was für ein Gefühl es ist, durch den Brief deines Anwalts zu erfahren, dass ich einen Sohn habe? Sacré bleu, das werde ich dir niemals verzeihen!“

„Warum sollte ich dich von seiner Existenz informieren, wo du doch von Anfang an gegen die Schwangerschaft warst?“, verteidigte sich Emily, die seine Wut nicht verstand. „Du hast von Anfang an deutlich gemacht, dass du weder das Kind noch mich wolltest, Luc. Wie kannst du mir jetzt einen Vorwurf daraus machen, dass ich Jean-Claude unter Menschen aufwachsen lasse, die ihn lieben?“

„Wenn du tatsächlich glaubst, ich lasse zu, dass mein Sohn in einer Hippiekommune aufwächst, bist du noch verrückter, als ich bislang dachte“, zischte er. „Ich habe die ersten kostbaren Monate seines Lebens verloren. Du hattest kein Recht, mir eine Beziehung zu ihm zu verweigern, und von heute an wird er ganz genau wissen, wer sein Vater ist“, schwor er mit einer Vehemenz, bei der ihr ganz kalt wurde.

„Ich würde dich niemals daran hindern, Jean-Claude zu sehen, wenn es wirklich das ist, was du möchtest“, entgegnete Emily, während sie sich der erstaunlichen Erkenntnis stellte, dass Luc seinen Sohn tatsächlich sehen wollte. Vielleicht war es nur der Anblick ihres schwangeren Körpers gewesen, der ihn mit Abscheu erfüllt hatte, dachte sie bitter. „Ich bin davon ausgegangen, dass du nichts mit ihm zu tun haben willst, aber ich bin durchaus bereit, mich vernünftig über Besuchsrechte zu unterhalten, wenn du wirklich deine Aversion gegen die Vaterschaft abgelegt hast.“

„Wie ungeheuer großzügig von dir.“ Lucs Stimme troff nur so vor Sarkasmus, woraufhin sie errötete. Schon immer hatte er es geschafft, ihr das Gefühl zu geben, ein kleines unbedeutendes Nichts zu sein, und früher wäre sie jeder Auseinandersetzung mit ihm aus dem Weg gegangen. Doch jetzt hob sie trotzig das Kinn und starrte ihn an. Dabei verfluchte sie die Reaktion ihres Körpers. Wie konnte dieser Mann nach allem, was er ihr angetan hatte, immer noch diese Wirkung auf sie haben? Nach all den Demütigungen? Was hatte Verlangen in dieser Situation zu suchen? Rasch verschränkte sie die Arme über der Brust, um die entlarvende Reaktion ihres Körpers zu verbergen. Scham erfasste sie, als er seinen Blick auf ihre Brüste richtete und geradezu teuflisch lächelte.

„Doch wenn ich es mir recht überlege, warst du in mancherlei Hinsicht immer äußerst großzügig, nicht wahr, Emily?“, sagte er genüsslich. „Besonders im Bett.“

„Fahr zur Hölle“, schnaubte sie, während ihr Tränen der Demütigung in den Augen brannten. Wie konnte er es wagen, sie anzusehen, als wäre sie ein billiges Flittchen, deren Reize er begutachtete? „Es überrascht mich, dass du dich überhaupt daran erinnerst. Es ist reichlich lange her, dass du mein Bett geteilt hast, aber schließlich hattest du das ja auch nicht nötig, oder, Luc? Du warst ja anderweitig beschäftigt.“

Abrupt brach sie ab, denn sie spürte, dass sie rote Flecken bekam. Jetzt war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, um ihm die Eifersucht zu gestehen, mit der sie in den endlos langen einsamen Nächten gekämpft hatte, während derer sie vergeblich auf ihn gewartet hatte.

„Sobald ich in London bin, beauftrage ich meinen Anwalt, dir Besuchsrechte bei Jean-Claude einzuräumen“, erklärte sie rasch und sah in Richtung Bauernhaus. Zweifellos führte Laura ihre Gäste gerade durch die Küche und hatte dabei Jean-Claude auf dem Arm. Je eher sie ihren Sohn wieder hielt, entschied Emily, desto sicherer würde sie sich fühlen. „Wenn du mich entschuldigen würdest, ich muss ihn suchen“, murmelte sie steif. Mit einem Blick auf die Uhr stellte sie fest, dass es schon ziemlich spät war. Der Busfahrer wirkte ungeduldig, und wenn sie nicht aufpasste, versäumte sie den Flug.

„Ist es eine Gewohnheit von dir, meinen Sohn zu verlieren?“, fragte Luc scharf.

„Natürlich nicht. Er ist bei Laura im Haus“, verteidigte sie sich, wobei sie stark errötete. „Ich sehe dich dann in London.“ Sie musste schleunigst verschwinden, weg von ihm, aber es schien, als wären ihre Füße festgewachsen. Während sie begierig jede Einzelheit seines geliebten Gesichts in sich aufnahm, rührte sie sich nicht vom Fleck. Nicht, dass sie ihn noch liebte – er verfügte einfach über diese magnetische Aura, die jeden klaren Gedanken im Keim erstickte.

„Wie du willst.“ Lucs gleichgültige Antwort brach den Bann. Sie bemerkte die Ungeduld, mit der er auf seine Armbanduhr spähte. „Es ist ohnehin an der Zeit, dass wir aufbrechen.“

Weil seine Worte sie verwirrten, lachte sie unsicher auf. „Lass mich raten – Robyn wartet im Wagen auf dich. Sie widmet sich ihren Verpflichtungen wirklich voller Hingabe“, meinte sie sarkastisch.

Bereits auf dem Weg zur Limousine, hielt er nur kurz an, um über die Schulter zu ihr zurückzuschauen. „Oui, Robyns Verhalten und Einstellung sind wirklich beispielhaft“, entgegnete er in einem Ton, der deutlich machte, dass sie selbst in beiderlei Hinsicht total versagte. „Aber heute ist sie nicht bei mir. Jean-Claude sitzt im Wagen und wird sicher schon unruhig. Au revoir, chérie.

Als er den Kopf senkte, um einzusteigen, bekamen ihre Füße plötzlich Flügel. „Luc! Warte! Was meinst du damit – er ist im Wagen? Jean-Claude ist bei Laura im Haus – oder nicht?“, fragte sie zutiefst verunsichert. Sein ungerührter Gesichtsausdruck steigerte nur ihre Furcht.

„Ich habe mir die Freiheit genommen, meinen Sohn sicher im Wagen zu platzieren, während deine Aufmerksamkeit …“, er machte eine kleine Kunstpause, „… anderen Dingen galt. Sag mir, chérie, bist du immer so unvorsichtig und lässt ihn unbeaufsichtigt, noch dazu im prallen Sonnenschein?“

„Er saß unter einem Sonnenschirm“, protestierte Emily heftig, „und ich habe ihn nicht unbeaufsichtigt gelassen. Er hat geschlafen, während ich …“

„Du warst zu beschäftigt, um nach ihm zu sehen. Jeder hätte ihn dir wegnehmen können“, unterbrach Luc sie und unterstrich seinen Punkt, indem er in den Wagen schaute. Wieder errötete sie. Es stimmte ja – ihre Gedanken kreisten um die Rückreise nach London, aber sie hatte regelmäßig nach Jean-Claude gesehen. Hastig lief sie zu der Limousine und stellte zu ihrem Entsetzen fest, dass er tatsächlich in einem Kindersitz im Fond des Wagens saß und fröhlich mit seinem Spielzeug spielte.

„Aber du kannst ihn nicht einfach mitnehmen!“, rief sie, als der erste Schock nachließ und grenzenloser Wut Platz machte. „Wie kannst du es wagen, ihn mir wegzunehmen? Ich bin seine Mutter!“ Instinktiv schob sie Luc zur Seite und griff nach dem Türgriff.

Sofort legte er seine Hand über ihre, schmerzhaft fest, während er sie unverwandt ansah. „Und ich bin sein Vater, aber du hast ihn mir trotzdem vorenthalten. Ganz bewusst hast du dich vor mir versteckt, und ohne deine Gier hätte ich dich, und noch viel wichtiger meinen Sohn, wahrscheinlich nie gefunden.“

„Meine Gier?“, wiederholte Emily fassungslos.

„Ich schätze, du spekulierst auf eine großzügige Abfindung, die dir die Möglichkeit bietet, den Lebensstandard zu halten, an den du dich gewöhnt hast“, höhnte er, wobei er verächtlich das Bauernhaus und die umstehenden Gebäude betrachtete. „Obwohl ich nicht weiß, wozu du an diesem gottverlassenen Ort Geld brauchst. Mein Sohn kommt jedenfalls mit mir.“

„Von wegen!“, rief Emily, während sie aus dem Augenwinkel bemerkte, wie der Busfahrer sich aus dem Fenster lehnte.

Señora, wir müssen jetzt los.“

„Ja, ich komme in einer Minute.“ Wieder versuchte sie, die Autotür zu öffnen, aber Lucs Hand umklammerte die ihre so fest, dass es wehtat. „Um Himmels willen, Luc!“ Tränen traten ihr in die Augen, in einer Mischung aus Schmerz und Furcht. „Du kannst ihn nicht haben.“

„Ganz im Gegenteil, chérie, ich habe ihn doch schon. Es liegt an dir, ob du mitkommst. Wenn es nach mir geht, kannst du in der Hölle schmoren, doch um Jean-Claudes willen schlage ich vor, dass du einsteigst.“ Ganz plötzlich ließ er ihre Hand los und öffnete die Tür, während sie panisch um sich blickte und nach jemandem suchte, der ihr zu Hilfe eilen könnte.

„Ich lasse auf keinen Fall zu, dass du ihn ohne mich mitnimmst“, schwor sie und schrie dann verzweifelt auf, als der Bus anrollte. „Mein Gepäck ist im Bus. Warte, Enzo!“

Offenbar sah Enzo im Rückspiegel, wie sie wild winkte und gestikulierte, denn er bremste, aber es kostete Emily kostbare Minuten, ihre Koffer aus dem Bus zu holen, und als sie sich umschaute, fuhr die Limousine bereits an.

„Du Schuft, du wusstest, dass ich mitkommen würde“, schluchzte sie, als sie die Hintertür aufriss und die Koffer hineinknallte, während Luc keine Anstalten machte, den Wagen anhalten zu lassen. Als sie in den Wagen stieg und die Tür hinter sich zuzog, keuchte sie. „Ich habe große Lust, dich wegen Entführung zu verklagen“, sagte sie, doch sein überhebliches Lächeln machte deutlich, dass es keine Chance gab, ihre Drohung wahr zu machen, und dass er das wusste.

„Keine Entführung“, äußerte er kühl, während er ihr erhitztes Gesicht betrachtete, „ich bevorzuge das Wort Wiederinbesitznahme. Und ich verspreche dir, chérie, diesmal wirst du nicht entkommen!“

2. KAPITEL

Die Atmosphäre im Wagen war äußerst angespannt. Mit einem Mal verlor Jean-Claude jegliches Interesse an seinen Spielsachen und sah stattdessen von Luc zu Emily, während seine Unterlippe verdächtig zitterte.

„Es ist alles in Ordnung, mein Schatz. Mama ist ja da. Niemand wird dir wehtun“, beruhigte sie ihn sanft und strich mit dem Finger über seine weiche Wange. Ihr Sohn schaute sie aus großen grauen Augen an. Seine Tränen trockneten, als er sie anlächelte. Steif und wütend saß Luc auf der anderen Seite des Kindersitzes.

„Natürlich werde ich ihm nicht wehtun“, zischte er leise, damit Jean-Claude keine Angst bekam. „Für was für einen Barbaren hältst du mich eigentlich, wenn du glaubst, ich könnte meinen eigenen Sohn verletzen?“

„Glaub mir, du möchtest sicher nicht hören, was ich von dir halte“, konterte Emily. „Gerade erst hast du versucht, ohne mich loszufahren. Meinst du wirklich, ein Baby den Armen seiner Mutter zu entreißen, würde es nicht verletzen?“

„Sei nicht so melodramatisch“, entgegnete Luc. „Du warst ja nicht einmal bei ihm, sondern hast ihn sich selbst überlassen. Zu was für einer Art Mutter macht dich das wohl?“

„Zu einer verdammt guten, und ich habe ihn nicht vergessen!“ Zitternd fuhr Emily sich mit der Hand übers Gesicht. „Er ist erst elf Monate, um Himmels willen. Was glaubst du wohl, wie er ohne mich zurechtkommen soll? Er braucht mich.“

Schweigend musterte Luc sie. Sichtlich unbeeindruckt wanderte sein Blick über ihre schlanke Figur. Innerlich stöhnte sie und wünschte sich, sie trüge etwas anderes als den leuchtend orangefarbenen Zigeunerrock und das gelbe Trägertop. Ihr Haar hatte sie mit einem gelben Schal zu einem Pferdeschwanz gebunden, und an ihren Ohrläppchen baumelte ein Paar langer Silberohrringe, die einer der Künstler für sie gemacht hatte. Trendy und modern – so sah sie aus, und damit war sie das genaue Gegenteil der kultivierten eleganten Frauen, die Luc bewunderte. Frauen wie seine persönliche Assistentin Robyn Blake.

„Du bist nicht so unersetzlich, wie du vielleicht glaubst“, entgegnete er eisig. „Er würde dich schnell vergessen, und statt einer Mutter wird er einen Vater haben. Dennoch“, fuhr er fort und ignorierte ihr ängstliches Gesicht, „sehe ich ein, dass es besser für Jean-Claude ist, wenn du eine Rolle in seinem Leben spielst, zumindest im Moment.“

„Was soll das heißen?“

„Das heißt, dass sich die Situation ändert, sobald er größer ist, aber im Moment ist er noch ein Baby und damit natürlich auf dich angewiesen. Einzig und allein aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, dich zurückzunehmen“, teilte er ihr kalt und barsch mit. Vor Entsetzen weiteten sich Emilys Augen.

„Nun, entschuldige bitte, dass ich vor Freude nicht ganz aus dem Häuschen bin, aber ich möchte nicht zurückgenommen werden. Ich bin mit meinem Leben, so wie es ist, sehr zufrieden – ohne dich. Um genau zu sein“, betonte sie, „war ich nie glücklicher.“ Während sie sprach, beging sie den Fehler, ihn anzusehen. Sofort entflammte ihr Körper vor Sehnsucht, der verräterischerweise seinen eigenen Gesetzen gehorchte. Sie wollte das nicht fühlen. Wollte nicht erneut von dieser unglaublichen, beinahe obsessiven sexuellen Anziehung überwältigt werden. Am meisten ärgerte sie, dass er ganz genau wusste, welche Macht er über sie hatte.

„Ich bin sicher, mir fallen ein paar Dinge ein, mit denen ich dich zufriedenstellen kann“, meinte er mit einem so arroganten Lächeln, dass sie ihn am liebsten geschlagen hätte. „Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich keine Probleme damit, dich zu Beginn unserer Ehe zu befriedigen, chérie. Nach einer Nacht in meinem Bett hast du mich immer an eine Katze erinnert, die den Sahnetopf ausgeschleckt hat.“

Das Letzte, was sie in dieser Situation brauchte, war die Erinnerung an ihre vollkommene Schwäche ihm gegenüber. Ein Blick aus seinen funkelnden grauen Augen, und sie schmolz wie Wachs in seinen Händen. Doch bei seinem Aussehen und der natürlichen unverhüllten Sexualität, die er ausstrahlte, war es kein Wunder, dass er früher so auf sie gewirkt hatte. Inzwischen hatte sie sich längst von seinem Bann befreit und nicht vor, erneut verhext zu werden.

Nach wie vor betrachtete Jean-Claude sie, und sein Lächeln rührte ihr Herz. Er wusste nichts von der Bitterkeit, die zwischen seinen Eltern herrschte – eine Bitterkeit, die noch wachsen würde, wenn sie tatsächlich gezwungenermaßen zusammenlebten.

„Das alles ist doch vollkommen lächerlich“, erklärte sie. „Können wir nicht unserem Sohn zuliebe einen Waffenstillstand vereinbaren und uns auf eine einvernehmliche Scheidung einigen? Das Wichtigste ist doch, dass wir Jean-Claude die beste Kindheit geben, die möglich ist!“

„Da stimme ich dir zu“, antwortete Luc, der sie nicht aus den Augen ließ. „Und genau deshalb wird es keine Scheidung geben. Unser Sohn verdient es, von zwei Eltern großgezogen zu werden, die ihn lieben, auch wenn sie einander nicht lieben“, führte er aus, ohne Emilys schockiertes Einatmen zu beachten. „Du wirst meine Frau bleiben, chérie, komme, was wolle. Und täusche dich nicht“, warnte er sie in einem Tonfall, der seine Entschlossenheit unterstrich, „es wird eine richtige Ehe sein, in jeder Hinsicht.“

„Du erwartest doch nicht ernsthaft, dass ich … dass ich mit dir schlafe“, keuchte Emily, deren Zorn sie für einen Augenblick sprachlos machte, als sie die volle Bedeutung seiner Worte begriff.

„Warum nicht? In unserer Ehe mag es Probleme gegeben haben, aber der Sex war immer gut. Du warst die leidenschaftlichste Liebhaberin, die ich je hatte“, meinte er nüchtern.

„Ich würde mich eher umbringen, als mich noch einmal von dir anfassen zu lassen!“, fauchte sie und spürte ein Beben, wenn sie nur daran dachte, welche Demütigung es für sie hieße, sollte sie ihm gegenüber nachgeben.

Immerhin kränkte sie mit dieser Antwort sein Ego. Denn er sog scharf die Luft ein, und ein Muskel tickte heftig unter seinem Auge, als er sie anstarrte.

„Über solche Dinge macht man keine Witze, zumal wir beide wissen, dass du lügst“, stieß er grimmig hervor. Als sie die Bitterkeit in seinen Augen sah, zuckte sie erschrocken zurück. „Du magst dich in den Deckmantel jungfräulicher Schüchternheit hüllen, aber im Schlafzimmer warst du vollkommen zügellos. Nicht, dass ich mich darüber beklagen würde“, fügte er hinzu, während sie schmerzerfüllt den Blick von ihm abwandte. „Wegen Jean-Claude bin ich bereit, deine Gegenwart in meinem Leben hinzunehmen, aber dafür verdiene ich eine Entschädigung!“

Auch er drehte seinen Kopf, sodass sie in der drückenden Stille, die dieser schockierenden Aussage folgte, nur sein Profil betrachten konnte. In einer Mischung aus Schmerz und Panik erkannte sie, dass er sie tatsächlich hasste. Mehr noch, er betrachtete sie als Feind. Einen kurzen Moment war sie versucht, sich einfach ihrer Furcht hinzugeben, doch dann erwachte in irgendeinem Winkel ihres Herzens ihr Stolz, und sie hob trotzig das Kinn.

„Du willst mich doch gar nicht zurück, genauso wenig wie du mit mir und Jean-Claude die glückliche Familie spielen willst. Ich bin fest entschlossen, die Scheidung einzureichen, Luc, und ich werde mit Haut und Haaren um mein Kind kämpfen. Du wolltest ihn nie. Ich kann sogar beweisen, dass du während meiner Schwangerschaft zu sehr damit beschäftigt warst, mit deiner verdammten Sekretärin zu schlafen, als dass du dir um mich oder dein ungeborenes Kind irgendwelche Gedanken gemacht hättest. Es geht doch gar nicht darum, dass du Jean-Claude bekommst, oder?“ Auch wenn sein Kiefer sich verkrampfte und er so aussah, als wolle er ihr den Hals umdrehen, ließ Emily sich nicht beirren. „Hier geht es nur um deine Besessenheit zu gewinnen, um dein Verlangen, Macht zu demonstrieren. Du wolltest mich nicht, und irgendwann hättest du dich vermutlich von mir scheiden lassen, aber du kannst den Gedanken nicht ertragen, dass ich diejenige war, die dich verlassen hat. Und jetzt willst du dich rächen, indem du mir das Kind wegnimmst, von dem du nicht einmal wolltest, dass es geboren wird.“

„Genug!“ Wie ein Peitschenhieb knallte seine Stimme durch die Luft, während er den Kopf zu ihr herumriss. „Mon dieu! Du hast die Zunge einer Hexe. Ich versuche, wirklich fair zu sein, was viel mehr ist, als du verdienst. Du hast meinen Sohn gestohlen. Wie ein Dieb in der Nacht hast du dich und ihn vor mir versteckt. Lass mich eines ein für alle Mal klarstellen, Emily“, stieß er hervor, „ich wollte unser Kind immer. Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, unser Baby in den Armen zu halten, aber in all den Monaten hast du mir nicht einmal gesagt, dass er existiert. Wenn du unbedingt die Scheidung einreichen willst, kann ich dich nicht daran hindern, aber ich werde mit allen Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, um Jean-Claude kämpfen, und finanziell sind das eine ganze Menge. Wenn du lieber einen Krieg willst, dann soll es eben so sein. Ich hoffe nur, du weißt, worauf du dich einlässt, denn ich werde diesen Krieg gewinnen.“

Währenddessen rauschte der Wagen die Straße hinunter, viel zu schnell, um hinauszuspringen. Die weiche Lederausstattung, der livrierte Chauffeur und die diskrete, aber gut gefüllte Bar deuteten allesamt auf einen Reichtum hin, der aus jedem gerichtlichen Streit Zeitverschwendung machte. Natürlich arbeiteten die besten Anwälte für Luc. Wenn er wirklich das legale Sorgerecht für Jean-Claude wollte, tendierten Emilys Chancen gegen null. Zumindest im Moment schien sie keinerlei Handlungsspielraum zu haben. Wie üblich hatte Luc gewonnen.

„Deine Grausamkeit ist grenzenlos“, flüsterte sie, woraufhin er nur lachte.

„Dass du mir Grausamkeit vorwirfst, wo du doch meinen Sohn gestohlen hast, Emily, ist unglaublich! Ich verzeihe nicht leicht, und das werde ich dir niemals verzeihen.“

Zum zweiten Mal schockierte und überraschte sie die kaum verhüllte Bitterkeit in seiner Stimme. Nur ganz allmählich legte sich ihre Panik etwas, während sie sich in Gedanken den hektischen Flughafen vorstellte. Vermutlich wollte Luc nach England fliegen, aber er konnte sie und Jean-Claude kaum an Bord zwingen. Sicher würde sie eine Gelegenheit finden, mit ihrem Sohn zu fliehen.

Also zwang sie sich zur Ruhe, bis ihre Chance kam. Doch in der unheilvollen Stille wanderten ihre Blicke unwillkürlich zu dem Mann, der das Innere des Wagens so stark dominierte. Wie unfair, dass er derart atemberaubend aussah, dachte sie, während sie das Gefühl hatte, jemand steche ihr ein Messer ins Herz. Seine Züge glichen denen einer klassischen griechischen Statue. Obwohl er mittlerweile Ende dreißig war, fehlte jede Spur von Grau in seinem dichten schwarzen Haar. Als sie die Augen schloss, erinnerte sie sich daran, wie sich dieses Haar zwischen ihren Fingern angefühlt hatte, wenn sie seinen Kopf für einen Kuss zu sich hinunterzog.

In den ersten leidenschaftlichen Wochen ihrer Ehe hatte sie sich beinahe selbst davon überzeugt, dass es richtig war, den verschlossenen Franzosen zu heiraten, und dass er es eines Tages lernen würde, sie so zu lieben wie sie ihn liebte.

Doch diese Illusion zerbrach bald. Das Wochenende nach ihrer Hochzeit verlebten sie in Paris. Beide standen so sehr im Bann des anderen, dass sie es kaum schafften, sich die Stadt anzusehen. Bei ihrer Rückkehr nach London hob Luc sie auf die Arme, während der Lift sie zu ihrer Penthousewohnung brachte, doch anstatt sie schnurstracks ins Schlafzimmer zu tragen, zögerte er, weil im Türrahmen die schönste Frau stand, die Emily jemals gesehen hatte.

Robyn Blake, einst ein weltbekanntes Topmodel und nun Lucs Schwägerin und seine persönliche Assistentin. Sie war außergewöhnlich, es gab kein anderes Wort, um sie zu beschreiben. Augenblicklich fühlte Emily sich neben ihr jung und unzulänglich. Niemals könnte sich ihr Kleid von der Stange mit Robyns Designerkleidung messen.

Anfangs blendete sie Robyns scheinbare Freundlichkeit, doch nach einer Weile merkte sie, dass Lucs schöne Schwägerin der Grund für viele ihrer Eheprobleme war.

Allerdings konnte sie nicht Robyn allein die Schuld geben, wie Emily sich widerwillig eingestand. Auch ihre eigene Unsicherheit und ihr mangelndes Selbstbewusstsein hatten nicht gerade geholfen, als sie endlich erkannte, dass Jean-Luc Vaillon schlicht unfähig war, jemanden zu lieben.

Mit einem Seufzen drehte sie sich nun um und bemerkte, wie Luc Jean-Claude ansah. Er schien vollkommen in den Anblick seines Sohnes versunken, musste ihre Aufmerksamkeit jedoch spüren, denn er hob den Kopf und sah sie an – dunkel und finster. Besäße sie genug Stolz, müsste sie sich abwenden, aber die düstere Sinnlichkeit, die von ihm ausging, fesselte sie. Unwillkürlich schaute sie auf seinen Mund, erinnerte sich an seinen Geschmack und seine Lippen auf ihren. Und plötzlich war ihr viel zu heiß. Was aber alles noch viel schlimmer machte – er wusste ganz genau, was sie dachte. Was war nur los mit ihr? Er verachtete sie und tolerierte sie nur wegen seines Sohnes. Warum also spürte sie plötzlich dieses wilde Verlangen, ihn zu küssen?

Mit einem mühsam unterdrückten Seufzen riss sie ihren Blick von ihm und biss sich auf die Unterlippe, bis sie Blut schmeckte. Luc war ein Betrüger und Lügner, und er hatte ihr das Herz gebrochen. Sie tat gut daran, das nie zu vergessen.

„Schau mich nicht so an“, sagte sie. „Du hast jedes Recht dazu verloren, als du die Aufgaben deiner persönlichen Assistentin ausgeweitet hast.“

„Deine lächerliche Unsicherheit macht dich immer noch blind, wie ich sehe“, murmelte er kühl, woraufhin ihr das Blut in die Wangen schoss. Was ihn anging, war sie tatsächlich immer furchtbar unsicher gewesen, und sie hasste es, dass er ihre Verletzlichkeit so gut kannte.

Da sie demonstrativ wegsah, konnte Luc nur ihr Profil betrachten. Unglaublich, wie jung sie mit dem wunderschönen kastanienfarbenen Haar, das sie zum Pferdeschwanz gebunden hatte, aussah. Frech kringelten sich ein paar Strähnen um ihr Gesicht, und er musste sich sehr zusammenreißen, um sie ihr nicht hinters Ohr zu streichen, ihr Kinn in seine Hand zu nehmen und ihr Gesicht zu sich zu drehen.

Was dachte er sich bloß, ärgerte er sich über sich selbst. Diese Frau, seine Ehefrau, hatte ihn verlassen – ohne ein einziges Mal zurückzublicken. Nicht nur das – sie verschwand so plötzlich und spurlos, dass in ganz London Gerüchte kursierten. Weil er nicht wusste, ob sie lebte oder tot war, stand er furchtbare Ängste um sie aus, und dabei verbrachte sie all die Monate durchaus komfortabel in ihrem spanischen Versteck.

Ihr Vorwurf, dass er ihr Kind nicht wollte, war absolut lächerlich. Seine Sehnsucht nach dem Baby war sogar so groß, dass es ihm förmlich die Luft nahm, doch neben der Hoffnung verspürte er auch Angst. Aus Furcht vor einer Wiederholung der Geschichte distanzierte er sich und wirkte desinteressiert, wofür er einen hohen Preis gezahlt hatte.

Luc holte tief Luft und blickte auf den Kleinen, der ruhig in seinem Kindersitz saß. Jean-Claude, sein Sohn. Noch immer begriff er kaum, dass dieses wunderschöne Baby sein eigen Fleisch und Blut war. Dabei war die Ähnlichkeit nicht zu übersehen. Sein Herz barst vor überwältigenden Gefühlen. Vom ersten Blick an liebte er seinen Sohn und schwor sich, dass nichts ihn jemals wieder von seinem Kind trennen sollte.

„Er sieht aus wie du“, sagte Emily widerwillig, als Jean-Claude seinen Vater anlächelte. Mit fast einem Jahr wusste er bereits ganz genau, wen er mochte und wen nicht, sodass Emily einen heftigen Stich der Eifersucht verspürte, als der Kleine seine Ärmchen nach Luc ausstreckte. Würden alle Vaillon-Männer sie betrügen, fragte sie sich mit einem elenden Gefühl. Doch dann schob sie diesen schäbigen Gedanken schnell beiseite. Schließlich wollte sie, dass Jean-Claude ein gutes Verhältnis zu seinem Vater bekam, und zu ihrer übergroßen Verwunderung schien es tatsächlich, als teilte Luc diesen Wunsch. Wenn er sich erst einmal beruhigt hatte, konnten sie vielleicht auch vernünftig über die Scheidung sprechen.

„Jean-Claude und ich haben einen Abendflug nach London“, sagte sie. „Es wäre unsinnig, die Tickets verfallen zu lassen, aber ich werde dich so bald wie möglich treffen – morgen früh, wenn du darauf bestehst“, fügte sie hinzu, als Luc nichts erwiderte und sie nur kühl betrachtete.

„Ich bringe ihn nicht nach London“, antwortete er schließlich, woraufhin sie verwirrt aufsah.

„Wohin dann?“ Vom ersten Moment an hatte sie Lucs Penthouse gehasst, weil es wie das Wartezimmer eines Zahnarztes aussah, doch Luc schien sich dort immer sehr wohlgefühlt zu haben.

„Nach Frankreich natürlich. Jean-Claude ist ein Vaillon, mein Sohn und Erbe. Selbstverständlich möchte ich, dass er in meinem Heimatland aufwächst“, erklärte er knapp.

„Selbstverständlich“, wiederholte Emily sarkastisch. „Aber was ist mit meinem Heimatland? Ist dir nie in den Sinn gekommen, dass ich ihn vielleicht in England aufziehen möchte?“

„Das hast du aber nicht getan, oder?“, versetzte er prompt. „Aus irgendwelchen seltsamen Gründen hast du entschieden, dass eine Künstlerkommune mitten in der spanischen Pampa der beste Ort ist, um unseren Sohn zu erziehen. Damit ist ab sofort Schluss. In Zukunft wird Jean-Claude in meinem Schloss an der Loire leben. Die Vaillons sind eine alte Familie. Château Montiard wird sein Zuhause und nicht irgendein heruntergekommenes Loch in der Einöde.“

„San Antonia ist nicht heruntergekommen. Das Bauernhaus ist wunderschön, und Jean-Claude liebt es, dort zu sein.“

„Wirklich.“ Luc hob eine Augenbraue. „Er muss schon ein wahres Wunderkind sein, wenn er mit nicht mal einem Jahr so deutlich seine Meinung äußern kann. Sag mir, chérie, was hättest du getan, wenn er ernsthaft krank geworden wäre? Der nächste Arzt ist meilenweit entfernt. Für jemanden, der ständig seine mütterliche Hingabe betont, scheinst du dir wenig Gedanken um sein Wohlergehen gemacht zu haben.“

„Wohingegen du natürlich ein Experte in Kinderfragen bist“, höhnte Emily. „Jean-Claude fehlte es an nichts, aber es ist nicht einfach, ein Kind allein zu erziehen, und ich war dankbar für die Hilfe meiner Freunde und Bekannten.“

„Du warst aus freiem Willen alleinerziehend“, betonte er harsch, „aber Jean-Claude hast du nie eine Wahl gelassen. Du hast ihn gezwungen, mit nur einem Elternteil zu leben, während du mir eine Beziehung zu meinem Sohn verweigert hast. Jetzt bist du an der Reihe zu leiden“, versprach er ihr düster und mit einem Blick, aus dem Verachtung sprach.

Als der Wagen allmählich langsamer wurde, suchte Emily hektisch nach den Gebäuden des Flughafens, ohne Erfolg. Stattdessen fuhren sie durch ein Tor, das zu einem privaten Flugfeld führte. In diesem Moment ergriff sie Panik. Wie konnte sie vergessen, dass Luc einen Privatjet besaß?

Ganz plötzlich war ihr Stolz nichts im Vergleich zu ihrem Kind und dessen Zukunft. Flehend blickte sie zu Luc, als die Limousine hielt. „Tu das nicht“, bat sie. „Ich kann nicht ohne Jean-Claude leben, aber genauso wenig kann ich mit dir leben. Das musst du doch einsehen.“

„Wenn du auch nur einen Funken Gerechtigkeitssinn besitzt, wirst du einsehen, dass ich nun an der Reihe bin, mich um Jean-Claude zu kümmern“, entgegnete er ungerührt. „Mein Sohn kommt mit mir – ob mit oder ohne dich.“

„Aber du wolltest ihn nicht einmal!“, rief sie verzweifelt. „Sowie ich schwanger war, hast du mehr als deutlich gemacht, dass du dich weder für mich noch für unser Kind interessierst, und in einem anderen Zimmer geschlafen“, erinnerte sie ihn. „Wenn du dir überhaupt die Mühe gemacht hast, nach Hause zu kommen. Meine Schwangerschaft war dir egal. Nicht einmal zur Ultraschalluntersuchung ins Krankenhaus bist du gekommen.“

„Hast du überhaupt eine Vorstellung, wie ich mich an dem Morgen gefühlt habe?“, fragte sie voller Bitterkeit, während die Erinnerungen sie quälten. „Die Tatsache, dass du die Nacht mit Robyn verbracht hast, war unverzeihlich genug, und dennoch dachte ich … hoffte ich, dass dir das Kind wichtig genug wäre, um die ersten Bilder von ihm zu sehen. Ich saß im Wartezimmer zwischen all den aufgeregten glücklichen Paaren und betete, dass du kommst“, flüsterte sie. „Jedes Mal, wenn mein Name aufgerufen wurde, habe ich einer anderen Frau den Vortritt gelassen, bis keine mehr da war – außer mir und einer äußerst mitfühlenden Krankenschwester, die mich aufheitern wollte, indem sie einen Witz über die Vergesslichkeit der Männer machte.“ Weil sie nicht wollte, dass er ihre Tränen sah, rieb sie sich heftig die Augen. „Dabei hattest du es gar nicht vergessen, nicht wahr, Luc? Dir war es einfach nicht wichtig, und deshalb bin ich gegangen. Weil ich wusste, dass ich nicht länger willkommen war.“

„Das ist nicht wahr“, widersprach er, während sich auf seinem Gesicht Emotionen abzeichneten, die sie nicht deuten konnte und auch nicht deuten wollte.

„Doch, es ist wahr“, rief sie wütend. „Ich brauchte keine weiteren Beweise für deine Gleichgültigkeit. Wie kannst du mir vorwerfen, dass ich deine Motive jetzt infrage stelle?“, schluchzte sie.

Die Hand schon an der Tür und bereit zum Aussteigen, hielt Luc inne. Sie sah so jung und unschuldig aus wie am ersten Tag – als sie zu ihm aufgeblickt und ein Pfeil sein Herz durchbohrt hatte. Noch nie war es ihm leichtgefallen, seine Gefühle auszudrücken. Und jetzt, da er sich zum ersten Mal eingestand, dass seine unausgesprochenen Ängste zu einer Katastrophe geführt hatten, regte sich sein schlechtes Gewissen. Natürlich hatte seine Kindheit Narben hinterlassen. Natürlich hatte er die Ultraschalluntersuchung nicht vergessen. Dieu, wie gern wäre er bei Emily gewesen, aber Robyn war so verzweifelt, und als er es endlich geschafft hatte, anzurufen und die Situation zu erklären, war seine junge Frau bereits auf dem Weg zum Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nicht, was seine Entscheidung ihn kosten und dass er nie die Chance erhalten würde, es wiedergutzumachen.

„Warte hier, während ich nachsehe, ob sie schon fertig sind“, sagte er, als er ausstieg. „Ich habe ein Kindermädchen eingestellt, das sich um Jean-Claude kümmert. Vielleicht ist es besser, wenn er sie kennenlernt, bevor wir starten.“

„Er braucht kein Kindermädchen“, empörte sich Emily. „Ich kann mich wunderbar selbst um ihn kümmern.“

Mon Dieu! Musst du bei allem streiten?“ Ohne ein weiteres Wort marschierte er zur Maschine, und sie sah ihm mit klopfendem Herzen hinterher. Kurz entschlossen klopfte sie eine Sekunde später an die Glasscheibe, die den Chauffeur von ihr trennte. Vermutlich handelte es sich um einen Mietwagen und einen spanischen Fahrer.

„Fahren Sie bitte weiter“, bat sie ihn in fließendem Spanisch und mit einem beruhigenden Lächeln. „Es gab eine Änderung. Señor Vaillon wünscht, dass Sie mich zum Internationalen Flughafen bringen.“

Der Chauffeur reagierte sofort auf ihr Lächeln. „Si, señora.“

Als der Wagen anrollte, atmete sie scharf ein. „So schnell Sie können, por favor.“ Aber es war zu spät. Luc musste sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt haben und riss die Tür auf.

„Du kleine Hexe“, rief er, gebot dem Fahrer anzuhalten, während er Jean-Claudes Gurt löste und ihn auf den Arm nahm. „Ich war bereit, mich fair zu verhalten und dich mit mehr Respekt zu behandeln, als du verdienst, aber das war ein Fehler“, schnaubte er und umklammerte mit seiner freien Hand ihren Oberarm.

„Ist alles in Ordnung, Monsieur Vaillon?“ In ihrem grauen Kostüm wirkte die Frau am Fuße der Gangway ruhig und kompetent. Wahrscheinlich das Kindermädchen, dachte Emily, während sie krampfhaft versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien.

„Soll ich das Baby nehmen?“

„Merci.“ Luc übergab Jean-Claude der Frau und wandte sich wieder Emily zu. Völlig ausdruckslos sah er zu, wie ihr eine einzelne Träne über die Wange rollte.

„Das kannst du nicht tun“, wisperte sie, als er sie in seine Arme riss.

„Wollen wir wetten?“, entgegnete er, und bevor sie seine Absicht erkannte, küsste er sie bereits. Hart und fordernd zwang er sie, sich ihm zu öffnen. Emily war so schockiert, dass sie sich einfach nur an ihn lehnte, aus lauter Angst, ihre Knie könnten nachgeben. Kurz und brutal presste er seine Lippen auf ihren Mund, und doch – für ein paar Sekunden reagierte sie auf seine aggressive Sexualität, und ihre Wangen brannten voller Scham, als sie das höhnische Funkeln in seinen Augen sah.

„Nimm deine Hände von mir“, herrschte sie ihn mit zitternder Stimme an, woraufhin er laut lachte.

„Du täuschst mich nicht, chérie. Ich kenne dich zu gut und weiß ganz genau, was dir gefällt“, hauchte er in ihr Ohr, wobei sein warmer Atem auf ihrer Haut ein Zittern hervorrief, das nichts mit Furcht zu tun hatte.

„Willkommen zurück, meine süße Ehefrau“, höhnte er, während er ihr die Hand auf den Rücken legte und sie die Stufen zu dem wartenden Flugzeug hochschob.

3. KAPITEL

Was, in aller Welt, hatte er da getan?

Düster starrte Luc auf das Glas vor ihm, griff mit einem unterdrückten Fluch danach und leerte es in einem Zug, obwohl er nur äußerst selten tagsüber Alkohol trank. Doch in diesem Moment brauchte er etwas, das die Wirkung betäubte, die Emily auf ihn hatte – schon immer auf ihn gehabt hatte, wie er widerwillig zugeben musste. Obwohl sie glücklicherweise nicht ahnte, wie kurz er davor stand, außer Kontrolle zu geraten.

Ein ganzes Stück von ihm entfernt saß die Frau seines Begehrens und beruhigte Jean-Claude, dem seine neue Umgebung offensichtlich nicht gefiel, was er lautstark kundtat. Die Gouvernante Liz Crawford schaffte es nicht, ihn zu beruhigen. Seine Schreie verebbten erst, als Emily ihn auf den Arm nahm. Sanft wiegte sie ihn hin und her und sang leise mit ihrer schönen rauchigen Stimme. Als er das vertraute französische Schlaflied erkannte, das unwillkürlich Erinnerungen an seine eigene Kindheit wachrief, verspürte Luc einen schmerzhaften Stich in der Brust.

Hätte ich sie nur nicht geküsst, dachte er. Und diesem elementaren, beinahe archaischen Drang widerstanden, sie wieder in seinen Armen zu fühlen. Er musste die Kontrolle behalten, es langsam angehen und sie davon überzeugen, dass es für sie alle das Beste war, wenn sie zu ihm zurückkehrte.

Die ganze Zeit über hatte er sich selbst eingeredet, dass er jedes Recht besaß, sie zu hassen. Doch in dem Moment, als er über den Hof in San Antonia auf sie zuging, war sein innerer Kampf bereits verloren. Sobald er sie sah, wusste er, dass er sie noch immer wollte. Sie war in seinem Blut, er konnte sie nicht gehen lassen. Gleichzeitig erschütterte ihn der Ausdruck der Furcht, der bei seinem Anblick in ihre Augen trat. Er, ein Tyrann? Sie hatte keinen Grund, sich vor ihm zu fürchten. Als er sie ansah, erfüllte ihn eher Verwirrung als Zorn. Noch immer schmerzte es dort, wo sie ihm das Herz herausgerissen hatte, und das zu einem Zeitpunkt, als sein einziges Verbrechen darin bestand, sich zu sehr um ihre Sicherheit zu sorgen. Er wollte sie, aber er musste die Wahrheit herausfinden, musste wissen, warum sie ihn verlassen hatte, bevor er ihr wieder vertrauen konnte.

Er stellte das Glas ab und widerstand der Versuchung, um einen weiteren Drink zu bitten. Mochte er sich auch weiter einreden, dass er Emily verabscheute, die unumstößliche Wahrheit war, dass sie sein Herz erobert hatte – lange bevor sie sein Kind entführte. Jetzt, da sie wieder in seiner Nähe war, musste er zugeben, dass ihrer beider Leben unauflöslich zueinander gehörten.

Langsam hörte Jean-Claude auf zu weinen und schlief ein. Nur sehr widerwillig übergab Emily ihn der Gouvernante, die sich mit ruhiger Kompetenz um ihn kümmerte. Unsicher, was sie nun tun sollte, blickte sie sich um und zog eine Grimasse, als Luc ihr bedeutete, sich zu ihm zu setzen.

„Warum hast du ihm ein französisches Lied vorgesungen?“, wollte er wissen, als sie sich auf den Platz neben ihm setzte.

„Ich wollte ihn zweisprachig erziehen“, erklärte Emily. „Eine der Künstlerinnen in San Antonia war Französin und brachte mir ein paar Wiegenlieder für ihn bei.“ Als sie die unerbittliche Härte in Lucs Gesicht sah, biss sie sich auf die Lippe.

„Ich habe wirklich geglaubt, dass du ihn nicht wolltest“, erklärte sie, „hoffte aber, dass es zu einer Begegnung zwischen euch kommen würde. Ich will, dass Jean-Claude seinen Vater kennt, und deshalb wollte ich meinem Anwalt sagen, dass ich das Sorgerecht gern teilen möchte.“

„Warum hast du dich dann in Spanien versteckt?“, fragte er ungläubig, woraufhin sie seufzte.

„Nach Jean-Claudes Geburt war ich krank. Es war eine sehr schwere Geburt, und ich brauchte einige Zeit, um mich zu erholen. Damals wohnte ich im Apartment meiner Freundin Laura, die gerade ihre Kochschule in San Antonia aufbaute und mich nach Spanien einlud, um dort wieder auf die Beine zu kommen – ein Angebot, das ich dankend annahm. Ich war so damit beschäftigt, mich um mein Baby zu kümmern und Laura zu helfen, und die Zeit verflog so schnell …“

„Was meinst du damit, dass du eine schwere Geburt hattest?“, knurrte Luc. „Gab es Probleme?“

„Es hat sehr lange gedauert, achtunddreißig Stunden, und er war ein sehr großes Baby. Ich habe viel Blut verloren“, erklärte Emily. Während Luc gegen die Übelkeit ankämpfte, die ihn zu überwältigen drohte, verfinsterte sich sein Gesicht. Er hätte da sein sollen. Wenn sie ihm doch nur die Möglichkeit gegeben hätte, ihr in dieser Stunde beizustehen, doch stattdessen hatte er sie von sich getrieben. Seine eigene Frau, die er zu beschützen gelobt hatte, doch es schien wieder einmal so, als hätte er versagt.

„Wenn du bei mir geblieben wärst, hättest du die beste medizinische Behandlung bekommen“, stieß er heftig aus, um seinen Schmerz vor ihr zu verstecken. „Aber aus Trotz und um mich zu verletzen, hast du nicht nur dein Leben riskiert, sondern auch das von Jean-Claude.“

„Dich verletzen!“ Vollkommen verständnislos starrte Emily ihren Ehemann an. „Als ich davon sprach, eine Familie zu gründen, hast du mehr als deutlich gemacht, dass du keine Kinder willst. Jean-Claude war ein Unfall – die Antibiotika, die ich damals nahm, haben die Zuverlässigkeit der Pille beeinträchtigt –, aber du hast dich ja geweigert, mir zu glauben. Ich weiß noch genau, wie wütend du warst, als ich dir von meiner Schwangerschaft erzählt habe. Das ist nichts, was eine frischgebackene Braut so schnell vergisst“, fügte sie traurig hinzu.

Sacre bleu! Es waren unsere Flitterwochen!“, explodierte Luc. „Und nur zu deiner Erinnerung, du hast es mir nicht gesagt, chérie, sondern gewartet, bis wir auf einer einsamen Insel im Indischen Ozean waren, bevor du zusammengebrochen bist. Der Notarzt, der im Hubschrauber vom Festland kam, hat mich über deinen Zustand informiert.“

Als er noch einmal den Moment durchlebte, in dem er ihren schlaffen, scheinbar leblosen Körper hochgehoben, panisch nach Hilfe gerufen hatte und den Strand entlanggelaufen war, schüttelte ein Schauder seinen Körper. Was für ein unerträglicher Gedanke, sie zu verlieren. Er war nicht stark genug, um einen solchen Schmerz noch einmal zu überleben, und selbst als klar war, dass sie nicht in Gefahr schwebte, zog er sich aus Selbstschutz in sein Inneres zurück. Aus, vorbei. Er wollte sie nicht lieben. Liebe tat weh.

„Ich wusste doch nichts von der Schwangerschaft. Für mich war es genauso ein Schock wie für dich“, schwor Emily, doch Luc wandte sich grimmig von ihr ab, schaltete seinen Laptop ein und vergrub sich in der Arbeit.

Offensichtlich wollte er nicht über die Vergangenheit reden. Vielleicht fühlte er sich schuldig wegen der Art und Weise, wie er sie behandelt hatte. Sie wusste es nicht und sagte sich, dass es auch egal war. Wenn er arbeitete, hasste er jede Störung, daran erinnerte sie sich noch sehr gut. Also sah sie aus dem Fenster und wünschte, sie könnte ihn genauso leicht aus ihren Gedanken verbannen wie er sie offensichtlich aus seinen.

Vermutlich war sie das einzige Mitglied der Dyer-Familie, das die Dinnerparty zu Ehren des potenziellen Retters von Heston Grange vergessen hatte, dachte Emily, als sie sich an ihre erste Begegnung mit Luc erinnerte. In ihren schmutzigen Reithosen war sie vom Stall direkt ins Haus gelaufen und dort abrupt stehen geblieben, als sie Jean-Luc Vaillon zum ersten Mal gegenüberstand. Dem attraktivsten Mann, den sie je gesehen hatte. Als sie in den silbernen Tiefen seiner Augen erkannte, dass er ganz genau wusste, wie sehr er sie beeindruckte, schüttelte ein Schaudern ihren Körper.

Weil sie die Ungeduld ihrer Mutter spürte, flüchtete sie nach oben, um ihr langweiliges marineblaues Kleid anzuziehen. Während des Dinners schaute sie aus dem Augenwinkel immer wieder zu Luc hinüber und überließ es ihren eleganten Schwestern, gepflegte Konversation mit ihm zu betreiben. Aber heimlich und verstohlen schaute Emily mehrere Male während des Essens auf und begegnete dabei jedes Mal seinem Blick. Eine Mischung aus Belustigung und einem anderen, undefinierbaren Gefühl verdunkelte seine Augen.

„Ich habe den Eindruck, dass Sie in der Gesellschaft von Pferden glücklicher sind als in der von Menschen“, bemerkte er ein paar Tage später, als er plötzlich in den Ställen auftauchte. Auf die Einladung ihrer Eltern hin, verbrachte er ein paar Tage auf Heston Grange, um einen möglichen Kauf zu diskutieren, aber Emily war zu schüchtern, um auf seinen freundlichen Charme zu reagieren, und hatte ihr Möglichstes getan, ihm aus dem Weg zu gehen.

Sein französischer Akzent erzeugte ein aufregendes Kribbeln in ihr, das bis in ihre Zehen strömte und sie erröten ließ, weshalb sie sich hinter Kasim versteckte, ihrem Lieblingsaraberhengst.

„Ich finde generell, dass Pferde weniger kompliziert sind als Menschen“, antwortete sie scheu, während sein Lächeln ihr den Atem raubte. Er blieb noch ein paar Minuten, in denen er ein beeindruckendes Pferdewissen bewies und freundlich mit ihr plauderte, obwohl ihre Zunge versagte und sie hinterher furchtbar wütend auf sich war. Sicher hatte sie vollkommen beschränkt auf ihn gewirkt, doch zu ihrer Überraschung kam er am nächsten Tag wieder, und am darauffolgenden auch, mehr noch – er bat sie sogar, mit ihm auszureiten. Während dieser fantastischen Ausflüge in den Wald verliebte sie sich in ihn.

Was war sie doch für eine Närrin gewesen, dachte sie jetzt bitter. Wie hatte sie nur glauben können, ein charismatischer Franzose wie er, noch dazu Multimillionär, interessierte sich tatsächlich für einen kleinen unbedeutenden Niemand wie sie? Ihr gesunder Menschenverstand warnte sie vor möglichen Hintergedanken seinerseits, zumal als er so schnell um ihre Hand anhielt. Doch vollkommen überwältigt von seinen leidenschaftlichen Küssen, als er ihr in den Stall gefolgt war und sie ins Heu gezogen hatte, ignorierte sie alle Zweifel und Bedenken. Mit geradezu magischen Berührungen erweckte Luc ihre Sinne zum Leben. Sie liebte die Gefühle, die er in ihr auslöste, liebte ihn, und zu ihrem grenzenlosen Erstaunen schien auch er sie zu wollen.

Doch das Glück hielt nicht lange an. Kurz nach ihrer Rückkehr aus Paris, wo sie das Wochenende nach ihrer Hochzeit verbrachten, fing Luc an, ständig zu arbeiten, immer mit Robyn an seiner Seite. Emily hasste die enge Beziehung der eleganten Amerikanerin zu ihrem Ehemann, während sie selbst darum kämpfte, sich an das neue Leben zu gewöhnen. Als ihre Unsicherheiten wuchsen und wuchsen, häuften sich auch die Streitigkeiten zwischen ihnen, doch dann, nach sechs Monaten Ehe, kündigte Luc plötzlich an, dass er mit ihr etwas verspätete Flitterwochen verbringen wollte. Das klang nach einer idealen Gelegenheit, um die Eheprobleme zu kitten, doch stattdessen verstärkte sich die Übelkeit, die Emily seit ein paar Wochen verspürte. Kurz nach ihrer Ankunft auf der einsamen Insel fiel sie in Ohnmacht. Das Ergebnis von Dehydrierung und hormonellen Schwankungen, erklärte der Arzt fröhlich, bevor er die Bombe platzen ließ, dass sie ein Kind erwartete. Ein Blick in Lucs schockiertes Gesicht reichte, um ihr zu zeigen, dass das Märchen vorbei war. In dem Moment, als er von ihrer Schwangerschaft erfuhr, war ihre Ehe zu Ende.

„Wir landen in einer Stunde“, sagte Luc unvermittelt und riss sie mit seinem kühlen Ton aus ihren Gedanken, obwohl er kaum den Blick von seinem Laptop hob, während er sie ansprach. „Ich bin sicher, du weißt noch, wo das Badezimmer ist.“

„Ich brauche es nicht, vielen Dank“, entgegnete sie, verletzt von seiner Gleichgültigkeit. Jetzt schaute er auf und hob missbilligend die Augenbrauen.

„Du solltest dich ein wenig zurechtmachen“, erklärte er ihr unverblümt und ungerührt von der Röte, die ihre Wangen überzog. „Dein Gepäck steht im Schlafzimmer. Hoffentlich gibt es etwas in deinem Koffer, das ein bisschen weniger auffallend ist.“

„Ich fürchte nicht“, versetzte Emily zuckersüß und hob das Kinn. „Der größere Koffer enthält Jean-Claudes Sachen, und das hier ist noch eins meiner diskreteren Outfits.“

„Dann müssen wir dringend einkaufen gehen. Du siehst aus wie ein Tramp“, entgegnete er ungerührt. „Deine bunten Kleider mögen ja für eine Künstlerkommune geeignet sein, aber du bist kein Hippie – sondern meine Frau, und ich erwarte, dass du dich entsprechend kleidest.“

„Geh zum Teufel! Ich laufe lieber nackt herum, als dass ich dir erlaube, mir Kleider zu kaufen“, entgegnete Emily wütend. Was jedoch nur ein anzügliches Lächeln bei ihm hervorrief, das seltsame Dinge mit ihr anstellte.

„Eine reizvolle Idee, wenn wir allein sind, aber ich glaube nicht, dass die Einwohner des verschlafenen Montiard so ein exaltiertes Verhalten mögen.“

Die Versuchung, ihm den Spott aus dem Gesicht zu wischen, war so groß, dass Emily sicherheitshalber die Arme über der Brust verschränkte. Wie konnte er es wagen, ihren Kleidungsstil zu kritisieren? „Ich habe nicht vor, einen Tag länger als nötig in deinem Château zu bleiben“, erklärte sie eisig, „und ich werde ganz sicher keine Zeit mit dir allein verbringen, also kannst du die Idee, dass ich dein Bett teile, gleich vergessen. Überhaupt kannst du mich nicht dazu zwingen, bei dir zu bleiben“, fügte sie hinzu.

„Glaubst du?“, fragte er heiter. Die zusätzliche Belustigung in seiner Stimme brachte sie vollends auf die Palme.

„Was hast du denn vor? Willst du mich in einen Elfenbeinturm sperren, während du auf deinen endlosen Geschäftsreisen den Globus umrundest? Vielleicht kommst du eines Tages nach Hause und musst feststellen, dass ich fort bin und Jean-Claude mitgenommen habe“, provozierte sie ihn.

„Das würde ich an deiner Stelle nicht versuchen, chérie, denn ich schwöre, ich würde dich finden, und dann wirst du dir wünschen, dich mir niemals widersetzt zu haben.“

Keine Spur mehr von Heiterkeit. Luc meinte es todernst, wie Emily mit einem Schauer registrierte. Die Drohung in seiner Stimme war nicht zu überhören.

Hastig murmelte sie etwas, stand auf und taumelte den Gang entlang. Sie musste jetzt allein sein, um sich irgendwie damit zu arrangieren, dass ihr Leben auseinanderbrach. Während sie im Badezimmer kaltes Wasser in ihr Gesicht spritzte und das Band aus ihren Haaren zog, sodass sie frei und seidig über ihren Rücken fielen, sagte sie sich immer wieder, wie sehr sie ihn hasste. Warum hatte sie überhaupt versucht, mit ihm zu reden? Bei seiner augenblicklichen Stimmung war das absolut sinnlos, seine spitze Zunge hatte sie in solchen Situationen oft genug verletzt.

Als sie aus dem Bad kam, lag er ausgestreckt auf dem Bett des angrenzenden Schlafzimmers, die Arme unter dem Kopf verschränkt, und betrachtete sie wie ein Sultan vermutlich seine neue Haremsdame begutachten würde. Es half überhaupt nicht, dass er so attraktiv war, dachte sie verzweifelt und schloss für einen Moment die Augen. Dabei erinnerte sie sich an das letzte Mal, als sie ihn auf diesem Bett gesehen hatte. Vollkommen nackt, und sie hatte das atemberaubende Gefühl genossen, seinen Körper an ihrem zu spüren, Haut an Haut.

Zu viele Erinnerungen, ermahnte sie sich, während sie die Augen wieder aufschlug und mit geröteten Wangen seinen dunklen Blick erwiderte.

„Es wäre schön, wenn ich ein wenig Privatsphäre haben könnte“, erklärte sie kühl. „Was willst du?“

„Vielleicht etwas beweisen“, entgegnete er so leise, als spreche er mit sich selbst. „Vielleicht kann ich mich aber auch einfach nicht von dir fernhalten, was mich zu einem wahren Narren macht“, fügte er mit einem freudlosen Lachen hinzu.

„Du sprichst in Rätseln.“ Unbewusst trat sie näher an das Bett. Wie eine Motte zum Licht, so trieb es sie zu Luc. Urplötzlich ergriff er ihren Arm.

„Warum hast du mich verlassen?“ Die Frage überraschte sie, doch sie war nicht so schockierend wie die Tatsache, dass er die Beine über den Bettrand schwang und sie auf seinen Schoß zog.

„Du weißt warum“, murmelte sie, krampfhaft bemüht zu entkommen. Schon spürte sie die Wärme seiner Schenkel, die durch den dünnen Stoff ihres Rocks brannte. Als sie auch innerlich anfing zu glühen, rutschte sie unbehaglich auf seinem Schoß hin und her.

„Ich möchte, dass du es laut aussprichst“, sagte er ruhig, doch sein fester Griff um ihre Taille strafte seinen beherrschten Gesichtsausdruck Lügen. Emily schluckte nervös.

„Ich hatte keine Lust, mich länger von dir demütigen zu lassen.“

„Wann habe ich dich jemals gedemütigt?“, knurrte er, und sie zuckte zusammen, als seine Finger sich schmerzhaft in ihr Fleisch gruben. „Du hast mich verlassen ohne einen einzigen Blick zurück zu werfen. Hast du auch nur die geringste Vorstellung, wie mein Leben aussah, nachdem du auf so spektakuläre Art verschwunden bist?“, wollte er voller Zorn wissen. „Gerade noch das glückliche Paar, das auf die Geburt seines ersten Kindes wartet, und plötzlich bist du fort. Ich habe nur deine kurze Nachricht gefunden, dass du mich verlässt – ohne eine Erklärung oder einen Hinweis, wann und ob du überhaupt zurückkommen würdest. Nicht eine Sekunde hast du daran gedacht, dass ich mir Sorgen um dich mache und deine Familie auch.“

„Meine Mutter wusste, dass es in unserer Ehe Schwierigkeiten gab“, verteidigte sich Emily. „Ich habe ihr gesagt, dass ich eine Weile zu Freunden fahre, was ihr gar nicht gefiel. Sie erinnerte mich daran, dass Millionäre nicht auf Bäumen wachsen, und nannte mich eine Närrin. Offensichtlich ist es kein Einzelfall, dass Männer sich anderweitig orientieren, wenn ihre Frauen schwanger sind“, fügte sie mit einem verächtlichen Blick hinzu, der deutlich machte, wie wenig sie die Meinung ihrer Mutter teilte. „Aber ich hatte einen eindeutigen Beweis, dass du die Nacht bei Robyn geblieben bist, und dein Betrug hat mich so verletzt, dass ich keine Minute länger bei dir bleiben und so tun konnte, als wäre unsere Ehe im Himmel geschlossen worden.“

„Ich habe nie mit ihr geschlafen. Das hast du dir immer nur eingebildet“, entgegnete Luc, doch dieses Mal weigerte sie sich, dem Funkeln in seinen Augen nachzugeben.

„Du hast bei ihr übernachtet, als du aus Australien zurückgekommen bist. Dann hast du unsere Haushälterin angerufen und ihr gesagt, dass du deinen Flug um einen Tag verschieben müsstest, aber diese Nachricht kam nie bei mir an. Stattdessen bin ich zum Flughafen gefahren, um dich abzuholen. Ich habe dich gesehen, Luc“, erklärte Emily, während sie gegen den Schmerz ankämpfte, der sie noch immer zu überwältigen drohte. „Dich und Robyn. Du hast mich nicht gesehen, aber ich bin nicht blind. Arm in Arm habt ihr die Halle verlassen, und ganz eindeutig hast du bezüglich der geänderten Flüge gelogen, um eine weitere Nacht mit ihr zu verbringen.“

„Und deshalb hast du mich verlassen? Ich habe das erste Jahr meines Sohnes wegen einiger Missverständnisse um einen Flug verloren?“ Weil Luc so fassungslos und ungläubig klang, wollte Emily die Chance nutzen und von seinen Knien rutschen, doch er hielt sie eisern fest.

„Es gab Gründe, warum ich … wegen meines Rückflugs gelogen habe“, erklärte er gepresst. Offensichtlich fiel es ihm äußerst schwer, seine Wut zu kontrollieren. „Gründe, die ich dir erklärt hätte, wenn du mir die Chance dazu gegeben hättest. Stattdessen bist du wie ein unreifes Kind davongelaufen.“

„Ich weiß, was ich gesehen habe“, widersprach sie trotzig. „Du teilst mit Robyn eine Nähe, die alle anderen ausschließt, mich eingeschlossen.“

„Sie ist meine Schwägerin. Ich kenne sie seit Jahren, und ich gebe zu, dass ich sie mag. Als Yves starb, ist sie durch die Hölle gegangen, nicht zuletzt weil sie am Steuer saß und sich selbst die Schuld an dem Unfall gegeben hat.“ Er hob ihr Kinn, sodass sie gezwungen war, ihn anzusehen.

„Ich schwöre, dass ich dir nie untreu war, weder mit Robyn noch mit einer anderen Frau“, sagte er so ruhig und fest, dass ein zaghaftes Gefühl der Hoffnung sie erfasste.

Konnte es sein, dass er die Wahrheit sagte? Dass sie die Zeichen falsch gedeutet hatte? Es stimmte – sofort und ohne zu zögern, hatte sie damals das Schlimmste angenommen. Immer mit der Angst im Hinterkopf, dass er ihrer irgendwann müde würde, hatte sie regelrecht auf Anzeichen dafür gewartet, dass er ihre Eheschließung bereute.

„Aber die Nacht in ihrem Apartment?“, sagte sie fieberhaft, noch nicht bereit, ihren Fehler zu akzeptieren. „Ich weiß, dass du bei ihr warst.“

„Das ist richtig. Ich habe die ganze Nacht auf einem Sofa verbracht, das für einen Zwerg entworfen wurde, und die Stunden gezählt, bis ich zu dir zurückkehren konnte. Ich wusste von der Ultraschalluntersuchung, und auch wenn du das Gegenteil glaubst, wollte ich unbedingt dabei sein.“

„Warum warst du es dann nicht?“, konterte Emily, und er seufzte.

„Wie du weißt, hat Robyn früher als Topmodel gearbeitet, und wie viele Berühmtheiten verfolgte die Presse auch sie mit Argusaugen. An dem Tag, als wir von Australien zurückflogen, erhielt sie den Hinweis, dass einige zweifelhafte Fotos vom Beginn ihrer Karriere im Internet auftauchen sollten, zusammen mit dem Vorwurf, dass sie am Abend des Unfalls getrunken hätte. Sie war völlig verzweifelt“, erklärte Luc ruhig, „und flehte mich an, bei ihr zu bleiben. Wir haben stundenlang über Yves geredet und wie sehr sie ihn vermisst. Natürlich wollte ich am nächsten Tag mit dir ins Krankenhaus fahren, aber ich hatte Angst, Robyn allein zu lassen, weil sie davon sprach, ihr Leben zu beenden.“ Noch einen Selbstmord zu verantworten, hätte er nicht ertragen, aber sich zwischen seiner Frau und seiner Schwägerin entscheiden zu müssen, war ein furchtbares Dilemma gewesen.

„Warum hast du dann wegen des Flugs gelogen?“, fragte Emily, die seinem ruhigen klaren Blick begegnete.

„Weil ich wusste, dass du unweigerlich die falschen Schlüsse ziehen würdest. Ich habe mich so danach gesehnt, dich nach drei Wochen der Trennung wiederzusehen, aber Robyn brauchte mich mehr als je zuvor und, Gott vergib mir, ich konnte sie nicht im Stich lassen.“

Das musste wahr sein. Niemand log so überzeugend, dachte Emily. Ihr Herz machte einen Satz, zum Teil aus Freude, zum Teil aus Verzweiflung über ihre Täuschung. Wenn sie ihn doch nur zur Rede gestellt hätte, anstatt ihre Wunden zu lecken.

Für ein paar wunderbare Sekunden glaubte sie, dass die Chance bestand, ihre Ehe zu retten, dann brach die Realität wieder grausam in ihre Gedanken ein. Wenn Luc nicht mehr als Zuneigung für seine Schwägerin empfand, warum war Robyn dann kurz nach dem Scheitern ihrer Ehe in sein Penthouse in Chelsea gezogen, und warum hatte er Robyn erlaubt, sie und Jean-Claude wegzuschicken, als sie versucht hatte, ihn zu sehen?

„Netter Versuch, Luc“, schleuderte Emily ihm entgegen, während sie erneut vergeblich versuchte, von seinem Schoß zu rutschen. „Für eine Minute war ich beinahe überzeugt.“

„Du glaubst mir nicht?“ Wäre Emily auch nur im Geringsten zum Lachen zumute, hätte sie die Ungläubigkeit in seinem Ton amüsiert.

„Nenne mir einen Grund, warum ich dir glauben sollte!“

„Weil du meine Frau bist.“

Das konnte kein Schmerz sein, der da in seinen Augen aufflackerte, versicherte sie sich. Wie sollte Granit Schmerz empfinden?

„Ich mag mit dir verheiratet sein, aber ich habe dir nie das Recht eingeräumt, mir zu sagen, was ich denken soll. Ich weiß, dass du lügst, du kannst mich nicht täuschen. Außerdem lasse ich mich nicht mehr von dir manipulieren“, schloss sie tapfer, aber sein Lächeln löste ein ungutes Gefühl in ihr aus.

„Wirklich? Was meinst du, wollen wir das prüfen, chérie“, murmelte er mit seidenweicher Stimme. „Einer Herausforderung konnte ich noch nie widerstehen.“ Genauso wenig wie dir, dachte er grimmig. Außerdem mochte er nicht mehr reden. Wie schon vor einem Jahr drehten sie sich ständig im Kreis. Es gab nur eine Form der Kommunikation, die klar und eindeutig war und die funktionierte. Trotz ihres Protestschreis sah er die Erregung in ihren Augen.

Weil er sich ganz plötzlich bewegte, lag Emily bereits mit dem Rücken auf dem Bett, bevor sie wusste wie ihr geschah. Mit dem Gewicht seines Körpers hielt Luc sie gefangen.

„Lass mich los!“ Zu ihrer Wut gesellte sich ein anderes, wesentlich unwillkommeneres Gefühl, und Hitze strömte durch ihren Körper. Er war so groß, so unglaublich männlich, und es war so lange her, dass sie in seinen Armen gelegen hatte. Schon jetzt schmolz ihr Widerstand, entwickelten ihre Sinne ein Eigenleben, doch sie nahm all ihre Kraft zusammen und stieß ihre Hände gegen seine Schultern. „Wenn du mich anfasst, schreie ich“, drohte sie, woraufhin er nur lachte.

Dann, als die Hitze in seinem Körper sein Verlangen nicht länger verbergen konnte, verblasste sein Lächeln. Er begehrte sie immer noch! Im Grunde sollte diese Erkenntnis Emily abstoßen, doch stattdessen entglitt ihrer Kehle ein sanftes Stöhnen, nur dadurch unterbrochen, dass er seinen Mund auf ihren legte. Wie ein Stromschlag durchfuhr diese Berührung ihren Körper, elektrisierte und erregte ihn. Kein Gedanke mehr daran, ihn wegzustoßen. Und wenn sie ehrlich war, sehnte sie sich nach diesem Mund, diesen Lippen, seit sie Luc in San Antonia wiedergesehen hatte.

Das Spiel seiner Zunge glich einem erotischen und erfolgreichen Überraschungsangriff. Hilflos schob sie ihre Hüften gegen seine pulsierende Männlichkeit. Wo war ihr Stolz, wenn sie ihn brauchte, dachte sie fieberhaft, als er sich von ihren Lippen löste und ihren Hals mit einer Spur flammend heißer Küsse bedeckte. Im Nu befreite er sie von dem gelben Top und blickte auf den orangefarbenen BH, den sie darunter trug.

„Eine interessante Farbkombination“, murmelte er heiser, woraufhin sie errötete.

„Mir gefällt es“, gab sie gepresst zurück.

„Mir gefällst du besser ohne BH.“ Schon löste er den Verschluss, und sie keuchte leise, als er die Körbchen zur Seite schob und die kleinen runden Brüste entblößte, die sich nach seiner Berührung verzehrten.

Sie würden eine Enttäuschung erleben, sagte sich Emily, entschlossen, dem Verlangen nicht nachzugeben, das sie zu überwältigen drohte. So sehr sich ihr Körper auch danach sehnte, sie konnte, durfte nicht zulassen, dass Luc sie liebte.

„Ich weiß nicht, was das soll“, zischte sie, „aber ich will es nicht.“

„Warum – weil meine Berührung dich abstößt?“, fragte er höhnisch.

„Ja“, entgegnete sie sofort, doch statt sie loszulassen, lächelte er nur.

„Lügnerin.“ Er hob ihr die Arme über den Kopf und hielt sie dort mit einer Hand fest. Mit der anderen umfasste er sanft ihre Brust und strich mit dem Daumen über die rosige Knospe, die sofort hart wurde, als hätte sie nur auf seine Berührung gewartet. „Und du redest zu viel“, spottete er, während er in ihre überraschten Augen sah. „Was ist nur mit meiner ruhigen, unterwürfigen kleinen Frau passiert?“

Unterwürfig! Wie abfällig das aus seinem Munde klang und wie sehr sie die Tatsache hasste, dass ein Körnchen Wahrheit darin lag. In ihrer Liebe hätte sie damals alles für ihn getan – und er? Er nutzte ihre Schwäche aus, ohne sich um ihre Gefühle zu scheren.

„Ich bin erwachsen geworden“, entgegnete sie eisig. „Doch ich sehe, dass sich deine chauvinistische Einstellung zur Ehe nicht verändert hat.“

Non, ich verlange, dass meine Frau mir allein und keinem anderen gehört“, gab er unumwunden zu. „Du bist wieder da, wo du hingehörst, chérie, nämlich in meinem Bett, und diesmal wirst du dort bleiben.“

Warm strich sein Atem über ihre Haut. Sie stöhnte, als sie sein raues Kinn an ihrer empfindlichen Haut spürte. Mit seiner Zunge umrundete er ihre Brust und näherte sich dabei immer mehr der Spitze. Mit angehaltenem Atem sehnte Emily sich mit jeder Faser ihres Körpers danach, dass er weitermachte. Endlich, als sie die süße Qual fast nicht mehr aushielt, schloss er seinen Mund ganz um die Knospe und saugte daran.

Sie schloss die Augen und umklammerte stöhnend seinen Kopf. Das musste sofort aufhören, sonst verlor sie all ihren Stolz und würde ihn anflehen, sie zu nehmen. Nur weil sie seit über einem Jahr keinen Sex mehr gehabt hatte, reagierte ihr Körper dermaßen schamlos und verräterisch. Zumindest redete Emily sich das ein. In diesem Moment schob Luc seine Hand unter ihren Rock, strich über ihre weichen Schenkel und berührte sanft ihre weiblichste Stelle.

Autor

Chantelle Shaw
Chantelle Shaw ist in London aufgewachsen. Mit 20 Jahren heiratete sie ihre Jugendliebe. Mit der Geburt des ersten Kindes widmete sie sich ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter, ein Vollzeitjob, da die Familie bald auf sechs Kinder und verschiedene Haustiere anwuchs.

Chantelle Shaw entdeckte die Liebesromane von Mills & Boon,...
Mehr erfahren
Sara Craven

Sara Craven war bis zu ihrem Tod im November 2017 als Autorin für Harlequin / Mills & Boon tätig. In über 40 Jahren hat sie knapp hundert Romane verfasst. Mit mehr als 30 Millionen verkauften Büchern rund um den Globus hinterlässt sie ein fantastisches Vermächtnis.

In ihren Romanen entführt sie...

Mehr erfahren
Kim Lawrence
Kim Lawrence, deren Vorfahren aus England und Irland stammen, ist in Nordwales groß geworden. Nach der Hochzeit kehrten sie und ihr Mann in ihre Heimat zurück, wo sie auch ihre beiden Söhne zur Welt brachte. Auf der kleinen Insel Anlesey, lebt Kim nun mit ihren Lieben auf einer kleinen Farm,...
Mehr erfahren