Rückkehr nach Christmas Bay

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Stella will das Haus ihrer geliebten Pflegemutter verkaufen – aber bestimmt nicht an den arroganten Bauspekulanten Ian Steele! Doch ihr viel zu attraktiver Feind scheint entschlossen, sie spätestens bis Heiligabend zu überzeugen – und zwar nicht nur vom Hausverkauf …


  • Erscheinungstag 05.11.2026
  • ISBN / Artikelnummer 9783751548144
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Leseprobe

Kaylie Newell

Rückkehr nach Christmas Bay

1. KAPITEL

Ian Steele lehnte sich auf seinem Ledersessel zurück, den er kürzlich für dreitausend Dollar erworben hatte, und schaute auf das glitzernde Wasser der Bucht von San Francisco. Zu dieser Tageszeit war sein Büro in warme, goldene Farben getaucht. Im Licht der Sonne, die durch die Lamellen der Jalousien schien, wirbelten feine Staubkörnchen durch die Luft, die wie winzige Funken aussahen. In dieser Jahreszeit gefiel ihm San Francisco besonders gut. Bald war Weihnachten, aber es fühlte sich nicht weihnachtlich an. Das kam ihm sehr entgegen. Beim Anblick der Segelboote, die auf den Wellen schaukelten, konnte man fast meinen, es sei Sommer.

Es klopfte leise an seiner Tür. „Herein“, rief er, ohne den Blick von der Aussicht vor seinem Fenster zu nehmen.

„Ian, ein Anruf für Sie auf der eins.“

Beim Klang von Jills Stimme fuhr er herum. Sie stand an der Tür, die Hände über dem Bauch gefaltet. In letzter Zeit sah sie immer so aus, als wollte sie sich für irgendetwas entschuldigen und ihn auf keinen Fall erzürnen. Er konnte ein ziemlicher Tyrann sein. Trotzdem blieb sie immer sachlich und professionell. Vor allem deswegen hatte er sie eingestellt.

Er lächelte verbindlich, damit sie sich nicht unwohl fühlte. Womit er offensichtlich nicht sehr erfolgreich war. Denn sie sah aus wie jemand, der barfuß über Glasscherben lief.

„Wer ist es?“, erkundigte er sich.

„Stella Clarke. Sie sagt, sie ist von Christmas Bay.“ Sie runzelte die Stirn. „Wo liegt das überhaupt?“

Ians Miene versteinerte. Schon seit Jahren hatte er nicht mehr an seine Heimatstadt gedacht. Mit diesem Teil seines Lebens hatte er ein für alle Mal abgeschlossen. Er war zu beschäftigt und zu erfolgreich, um seine Zeit mit Erinnerungen an seine Kindheit zu verschwenden. Ganz abgesehen davon, dass sie es auch nicht wert war.

„Ein kleines Kaff an der Küste von Oregon.“ Er rieb sich das Kinn. „Was zum Teufel will sie denn?“

Seine Sekretärin zog eine Augenbraue hoch, sichtlich irritiert. Normalerweise war Ian stets höflich. Es gab nicht viel, was ihn aus der Ruhe bringen konnte.

Er räusperte sich, lehnte sich zurück und verspürte den lächerlichen Wunsch, seine Krawatte zu lockern. Doch er widerstand dem Bedürfnis. „Hat sie gesagt? Was sie will?“

„Sie möchte dich um einen Gefallen bitten. Es soll auch nicht lange dauern. Sie weiß, dass du nicht viel Zeit hast.“

Typisch Stella – genauso, wie er sich an sie erinnerte. Wie sie damals am Tag seiner Ankunft im Gemeinschaftsraum des Waisenhauses stand, als sein Herz schwer wie ein Stein war und seine Wut grenzenlos. Dunkle, ungebändigte Haare. Tiefblaue Augen. Selbst mit vierzehn war sie bereits eine Persönlichkeit, mit der man rechnen musste. Trotz allem, was sie durchgemacht hatte. Genau wie er. Genau wie sie alle. Sie war pfiffig und zielstrebig und hatte noch nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Aber er durfte sich nicht beklagen. Schließlich war er exakt auf die gleiche Weise zu seinem Vermögen gelangt. Auch er verdiente sein Geld damit, indem er seine Ziele unbeirrbar verfolgte – und erreichte. Eine sehr angenehme Art zu leben, nebenbei bemerkt. Als einer der Top-Immobilienunternehmer in der gesamten Bay Area erwarb er seit Jahren die besten Grundstücke, ließ Wohnhäuser errichten und verkaufte die Apartments für eine Menge Geld. Die betuchten Interessenten rissen ihm die Wohnungen förmlich aus der Hand. Die Frage, die sich ihm stellte: Um welchen Gefallen wollte sie ihn wohl bitten? Und wie viel seiner Zeit würde es in Anspruch nehmen?

Er schaute auf seine Apple-Watch. Das Metallband funkelte in der Sonne. Fast Mittag. Um halb drei hatte er eine Besprechung am anderen Ende der Stadt, und er hatte noch nichts gegessen. Er könnte Jill bitten, ihre Nummer zu notieren. Irgendwann würde er sie zurückrufen. Oder auch nicht. Doch aus irgendeinem Grund war er neugierig, was sie ihm zu sagen hatte. Und er hätte auch gern ihre Stimme wieder gehört Obwohl er das niemals zugeben würde. Eine Stimme, die jetzt ein wenig altersreifer klingen musste, aber sicher immer noch samtweich war. Er hatte nicht mehr mit ihr gesprochen, seit sie die Universität von Portland verlassen hatte. In einem feinen Restaurant war er ihr noch mal begegnet. Dort hatte sie gekellnert. Nach ihrer Arbeit hatten sie noch einen Kaffee getrunken, aber der Abend war nicht besonders gut gelaufen.

„Danke, Jill“, sagte er nun. „Stell sie durch. Und guten Appetit.“

Sie strich ihren cremefarbenen Rock glatt. „Soll ich dir irgendwas mitbringen?“

Er lächelte erneut. „Nein, danke. Mach ruhig eine halbe Stunde länger Mittagspause. Du hast heute Morgen schon viel gearbeitet. Außerdem ist das Wetter schön. Genieße es.“

„Bist du sicher?“

„Absolut. Na los, verschwinde.“

Sie schloss die Tür hinter sich.

Er betrachtete die blinkende Lampe auf dem Telefon. Sein Herz schlug im gleichen Takt.

Er drückte auf den Knopf und nahm das Telefon zur Hand.

„Ian Steele“, meldete er sich knapp.

„Ian? Hier ist Stella Clarke aus Christmas Bay …“

Er ließ die Luft aus seinen Lungen entweichen. Er hatte gar nicht bemerkt, dass er sie angehalten hatte. Und er hatte recht gehabt. Ihre Stimme klang immer noch samtweich.

„Stella.“

Wie mochte sie wohl aussehen? Passte diese Stimme zu ihr? Sah sie noch so aus wie vor zehn Jahren, als er sie zuletzt gesehen hatte – wunderschön und ziemlich sauer?

Zumindest war sie sauer auf ihn gewesen.

Ein langes Schweigen entstand, und sie räusperte sich. „Wie ist es dir denn so ergangen?“, erkundigte sie sich.

Offenbar war sie bemüht, höflich zu sein, aber das war ihm in diesem Moment egal. Er hatte viele Dinge zu erledigen. Ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen gehörte definitiv nicht dazu.

„Was willst du, Stella?“

„Ich freue mich auch, mit dir zu reden.“

„Du hast bestimmt nicht angerufen, um in Erinnerungen zu schwelgen.“

„Ich dachte, es kümmert dich vielleicht, was hier passiert“, erwiderte sie leichthin. „Wenn auch nur ein bisschen.“

„Warum sollte es mich kümmern, was in Christmas Bay passiert?“ Klang er überzeugend? Er hatte das Gefühl, dass zumindest ein Hauch von Interesse in seiner Stimme lag. Selbst, wenn er nur neugierig war, warum sie ihn nach all den Jahren kontaktierte. Neugierde war okay. Kümmern nicht. Jedenfalls nicht, wenn es um dieses Kaff ging.

„Weil du hier Erinnerungen hast, Ian.“

Er schüttelte den Kopf. Unglaublich. Natürlich glaubte sie, seine Erinnerungen an Frances’ Haus seien positiv. Seien es wert, einen Platz an irgendeiner Stelle in seinem Gedächtnis zu haben.

Tatsächlich hatte sie damit recht. Was er natürlich niemals zugeben würde. Selbstverständlich gab es ein paar gute Erinnerungen. An Stella, zu der er sich immer hingezogen fühlte, obwohl sie manchmal so bissig war. Sie war eine Überlebenskünstlerin. Das hatte er stets an ihr bewundert. Sie wusste, wo es langging, und stand mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Auch das bewunderte er. Sie hatte sich in Situationen bewährt, die er als Jugendlicher auch gerne bewältigt hätte. Dinge, die er sich selbst hatte beibringen müssen, als er älter wurde. Oder zumindest so tat, als hätte er sie sich beigebracht.

Es gab auch weniger schlimme Erinnerungen. Erinnerungen an Frances. Oder an seine Tante. Und solche, die mit den Jahren verblasst waren, weil sie mit den schlechten Erinnerungen vermischt waren.

Seine Finger umklammerten das Telefon fester, sodass seine Handfläche feucht wurde. Die schönen Erinnerungen waren der einzige Grund, warum er das Gespräch noch nicht beendet hatte. Und seine Neugier.

„Was willst du, Stella?“, wiederholte er.

Und dieses Mal war die Frage ernst gemeint.

„Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade getan habe“, murmelte Stella.

Sie lehnte sich in ihrem Lieblingssessel im Wintergarten zurück und schaute zu Frances hinüber, die einen ihrer glitzernden Weihnachtspullover trug. Ihre dicke, schwarz-weiße Katze hatte es sich auf ihrem Schoß bequem gemacht und schnurrte vernehmlich.

„Oh“, sagte Frances und streichelte Beauregards Kopf. „Was denn?“

Stella nagte an ihrer Unterlippe und schaute hinaus auf den Pazifik. Es war neblig und kalt und trotzdem wunderschön. Weit unten brachen sich die Wellen des aufgewühlten, grau-blauen Ozeans an den Klippen von Cape Longing, auf denen das Haus gleichsam schwebte. Ihrer Meinung nach eines der schönsten in ganz Christmas Bay. Aber natürlich war sie voreingenommen.

Sie war als Zwölfjährige als Pflegetochter hierhergekommen. Damals hatte sie geglaubt, Frances’ viktorianisches Haus, fast zweihundert Jahre alt, sei das einzig Positive in ihrer schrecklich verkorksten Situation. Nach allem, was man so hörte, wurde es von Geistern heimgesucht. Wie cool war das denn? Aber damals war sie auch sehr jung gewesen – und unglaublich naiv. Woher sollte sie wissen, dass Frances das Beste war, das ihr in ihrer Lage begegnen konnte? Frances und die Mädchen, die nicht nur ihre Halbgeschwister waren, sondern ihre Herzensschwestern wurden. In diesem Haus leben zu dürfen war ihre Rettung gewesen.

Und jetzt musste sie immer häufiger an den bevorstehenden Verkauf denken – und an Frances’ Alzheimer-Diagnose, die in den vergangenen Jahren alles auf den Kopf gestellt hatte. Stella spürte einen Kloß im Hals.

Sie schluckte ihn hinunter und zwang sich zu einem Lächeln. Die Situation war ohnehin schon schlimm für ihre Pflegemutter. Da durfte sie nicht auch noch die Fassung verlieren. Der Verkauf war das einzig Richtige. Sie mussten nur den passenden Käufer finden. Frances’ einzige Bedingung war, dass eine Familie hier leben sollte. Eine Familie, die das Haus genauso lieben würde, wie es ihre eigene getan hatte. Und wie es alle ihre Pflegekinder getan hatten.

„Ich habe jemanden um einen Gefallen gebeten“, erklärte sie. „Doch jetzt wünschte ich, dass ich es nicht getan hätte.“

„Warum?“

Sie holte tief Luft. „Coastal Monthly veröffentlicht in der Weihnachtsausgabe einen Artikel über das Haus. Ich dachte, das sei die Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: bei potenziellen Käufern Interesse wecken und die Ortsansässigen dazu zu bringen, nicht länger diese Geistergeschichten zu verbreiten.“

Frances beugte sich nach vorn, sodass Beauregard unwillig murrte. „Was soll das heißen? Warum willst du das tun?“

Es war eine lange Zeit. Fast fünfzehn Jahre. Frances hatte zwar Alzheimer, aber ihr Langzeitgedächtnis funktionierte noch tadellos. Stella wusste nicht so recht, wie sie auf diese Frage reagieren sollte. Vielleicht gefiel ihr die Antwort. Vielleicht auch nicht.

Sie hoffte auf die erste Möglichkeit. „Ich habe Ian Steele angerufen …“

Die blauen Augen ihrer Pflegemutter wurden groß. Eine Weile lang blieb sie reglos sitzen. Stella hörte, wie die alte Standuhr im Wohnzimmer die Sekunden wegtickte.

„Wow“, murmelte Frances schließlich. „Ich meine … wow.“

„Ich weiß.“

„Wie hast du ihn gefunden?“

„Ich habe ihn gegoogelt. Gleich der erste Klick war ein Treffer. In San Francisco gehört er zu den Top-Immobilienunternehmern.“

Frances holte tief Luft. „Glaubst du, dass er das Haus kaufen will?“

„Keinesfalls. Du weißt doch, er hasst Christmas Bay.“ Dennoch konnte Stella nicht leugnen, dass er interessiert zu sein schien, als sie ihm mitteilte, dass das Haus zu verkaufen sei. Sofort hatte er ein paar Fragen gestellt, wie sie Makler in einem solchen Fall zu stellen pflegten. Bis ihre Alarmglocken zu schrillen begannen. Danach hatte sie sich unbehaglich gefühlt.

„Es ist schon lange her, Schatz. Menschen ändern sich.“

Sie schüttelte den Kopf. „Ian nicht.“

„Warum hast du ihn dann angerufen?“

„Weil ich dachte, es wäre gut für den Verkauf, wenn er der Zeitschrift ein Telefoninterview geben könnte. Du willst ja einen seriösen Käufer und keinen Geisterjäger, der daraus eine Touristenattraktion macht. Die Leute reden immer noch über diese verrückte Geschichte. Er ist der Einzige, der dem ein Ende setzen kann.“

Frances sah nicht überzeugt aus. „Würde er das denn tun?“

„Das hatte ich gehofft – nach allem, was er dir damals angetan hat. Immerhin hat er die Story in die Welt gesetzt. Und da das schon Jahre her ist, müsste er ja inzwischen etwas reifer geworden sein und hat vielleicht ein schlechtes Gewissen deswegen.“

Darauf sagte Frances nichts. Sie hatte ihn immer verteidigt, wenn er aufmüpfig geworden war. Mit seinem Charme konnte er die meisten Erwachsenen um den kleinen Finger wickeln. Nur Stella hatte sich davon nicht beeindrucken lassen. Vielleicht, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht hatte – Gewalttätigkeit, Vernachlässigung. Niemand konnte ihr etwas vormachen – selbst nicht ein pfiffiger Junge wie Ian.

Mit einem sehnsüchtigen – oder bedauernden? – Blick schaute Frances aus dem Fenster. Der Nebel verzog sich allmählich, und die Sonne tat ihr Bestes, um die grauen Wolken zu durchbrechen. Selbst im Winter war Frances’ Garten wunderschön. Als Kind war er Stella wie aus einem Märchen vorgekommen. Als Erwachsene wusste sie, wie besonders dieser Besitz war. Und wie wertvoll.

Sie hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass Ian an der Immobilie interessiert war. Es war nicht die Art von Häusern, mit denen er so viel Geld in der Stadt verdiente. Er und seine Geschäftspartner kauften Häuser und bauten sie zu Apartments um. Das Land rund um Cape Longing war zu klein für solche Objekte. Andererseits hatte er ihr aufmerksam zugehört. Wenn er ein gutes Geschäft witterte, folgte er stets seiner Nase – selbst wenn sie ihn nach Christmas Bay führte. Und das war das Letzte, das Frances brauchte. Trotzdem hatte sie ihn angerufen …

„Was hat er denn nun gesagt?“, fragte ihre Pflegemutter. „Gibt er das Interview?“

„Das hat er nicht gesagt. Ich hätte ihn niemals anrufen sollen. Ich könnte mich ohrfeigen.“

„Wenigstens hast du wieder mit ihm geredet.“

Stella biss sich auf die Zunge. Ja, wenigstens das.

„Hat er gesagt, wie es ihm geht?“ Frances klang hoffnungsvoll. Sie war so reizend. Umso empörter war Stella. Frances hatte Ian geliebt und für ihn gesorgt, als wäre er ihr eigener Sohn. Immer hatte sie etwas Besonderes in ihm gesehen – trotz all der Streitereien und des Ärgers. Sie hatte ihm das oft gesagt – ohne Konsequenzen. Er hatte ihr schwere Zeiten bereitet. Manchmal war er einfach weggelaufen und tagelang verschwunden. Frances hatte sich fast zu Tode gesorgt. Und es hatte ihr das Herz gebrochen, als er zu seiner Großtante Betty kam, die mittlerweile in Weatherly Court, einem schönen Seniorenheim in Christmas Bay, wohnte.

Stella hatte den leisen Verdacht, dass er das wegen Frances’ Zuneigung zu ihm getan hatte, nicht trotzdem. Wenn Ian spürte, dass ihm jemand zu nahekam, rannte er weg. All die Jahre war er immer wieder fortgelaufen und schließlich in San Francisco gelandet. Im Grunde war er derselbe geblieben – nur älter geworden. Und vielleicht ein bisschen abgestumpfter – falls das überhaupt möglich war.

Da sie die gleiche Geschichte gehabt hatten, konnte Stella ihn gut verstehen. Dennoch war sie nicht so verhärtet, war zugänglicher geblieben. Und das hielt sie Frances zugute. Vielleicht wäre Ian auch weniger ruppig, wenn er geblieben wäre.

Sie warf ihrer Pflegemutter ein Lächeln zu, fest entschlossen, ihre Gedanken für sich zu behalten. Stattdessen gab sie sich versöhnlich – zumindest fürs Erste. „So weit sind wir gar nicht gekommen“, antwortete sie. „Ich vermute, er hatte eine Besprechung.“

Frances nickte. „Ihm geht es also gut?“

Seiner Website zufolge ging es ihm mehr als gut.

„Scheint so.“

„Ich wünschte, die Dinge hätten sich anders entwickelt.“ Frances seufzte. „Wenn ich doch nur einen besseren Draht zu ihm gehabt hätte …“

„Du hast es doch versucht, Frances. Wir alle haben es versucht.“

„Aber wenn wir uns mehr angestrengt hätten …“

Begütigend legte Stella ihre Hand auf die von Frances. Sie verströmte einen angenehmen Duft. Mit Anfang sechzig war sie eine sehr hübsche Frau und voller Lebensfreude. Niemand würde vermuten, dass sie so sehr mit ihrem Gedächtnis zu kämpfen hatte. So sehr, dass drei ihrer Pflegetöchter zurück nach Hause gekommen waren, um sie bei diesem nächsten Abschnitt ihres Lebens zu unterstützen.

In einer Ecke des Wintergartens glitzerten zwei prächtig geschmückte Tannenbäume. Weihnachtskarten ehemaliger Pflegekinder, die längst erwachsen waren, hingen, aufgereiht an einer Schnur, an einem der doppelt verglasten Panoramafenster. Das alte viktorianische Haus erwachte über die Feiertage zu ganz besonderem Leben. Stella liebte vor allem die Wärme und Gemütlichkeit, die es ausstrahlte. Es zu verkaufen würde ihr das Herz brechen. Frances hatte recht, wenn sie darauf bestand, dass eine Familie hier einziehen sollte. Es machte den Trennungsschmerz ein wenig erträglicher.

„Du bist das Beste, das uns je passiert ist“, sagte Stella warmherzig. „Schade nur, dass er das nie erkannt hat.“

Frances lächelte, aber sie machte den Eindruck, als sei sie mit ihren Gedanken ganz woanders. Tief in Erinnerungen versunken.

Stella kraulte Beauregard hinter den Ohren, ehe sie sich mit einem Seufzer zurücklehnte. Um ebenfalls in Erinnerungen zu versinken …

Ian schaltete den Porsche in den zweiten Gang. Er fuhr zum ersten Mal durchs Gebirge, aber die Haarnadelkurven schaffte der Wagen mühelos. Wenn er in Stimmung war, gab er gerne Gas. Warum sollte man auch einen deutschen Sportwagen fahren, wenn man nicht hin und wieder die Geschwindigkeitsgrenze überschritt? Doch er war nicht in Stimmung. Und schneller in Christmas Bay zu sein war auch nicht gerade eine verlockende Aussicht.

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