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Hundedame Daisy duldet keine Frau in der Nähe ihres Herrchens - außer Priscilla Lennox. Dabei passt der lässige Dean gar nicht zu der Hollywood-Schönheit, die im verschlafenen Destiny eine Junggesellen-Versteigerung für den guten Zweck organisiert. Aber Daisy weiß es instinktiv besser …
  • Erscheinungstag 11.09.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733779740
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

1. KAPITEL

„Du kennst doch das Sprichwort ‚Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr‘? Also, das sollte man erweitern.“ Priscilla Lennox musste lauter ins Headset sprechen, um noch gehört zu werden. Aber dafür konnte sie das Dach ihres Mercedes Cabrio offen lassen. „Wer so eine Familie hat, braucht gar nichts mehr.“

„Nimm nur kein Blatt vor den Mund, Süße.“ Lisas warmer Stimme war immer noch der Charme von Savannah anzuhören, obwohl sie schon seit Jahren in Kalifornien lebte. „Obwohl du dir eine Erklärung für Jacquelines neueste Eskapade echt sparen kannst.“

Nein, Priscilla musste sich wirklich nicht mit den Details aufhalten. Ihre beste Freundin hatte im Lauf der Jahre schon genug Geschichten über Priscillas jüngere Schwester gehört. Und dass am Ende immer Priscilla alles ausbügeln durfte, bevor die Presse davon Wind bekam.

Oder schlimmer, ihr Vater.

„Den Leitartikel in der Entertainment World hast du vermutlich noch nicht gesehen“, fügte Lisa hinzu.

Priscilla hatte die Medien mit Absicht ignoriert, als sie weggefahren war.

„Nein, aber lies ihn mir einfach vor.“ Sie hoffte, dass sie sich gelassen anhörte, und lockerte den Griff ums Lenkrad. Ihre Hand fühlte sich leichter an. Der Ring, den sie die letzten sechs Monate getragen hatte, war mit dem Rest ihres Schmucks im Koffer.

„Schluss mit brav: Millionär serviert Freundin für die wilde Schwester ab.“

Okay, das versetzte Priscilla einen Stich ins Herz. Aber dann legte sich der Schmerz. Müsste sie nicht eigentlich tief erschüttert sein? Vielleicht stand sie noch unter Schock? Schließlich erwischte man nicht jeden Tag seinen Freund mit seiner Schwester.

„Die haben auch Fotos von euch gedruckt. Ich muss sagen, du hast fabelhaft ausgesehen in diesem original Lisa-Ashland-Abendkleid.“

Na toll. Ihr Vater würde begeistert sein. Beide Töchter auf der Titelseite eines Klatschmagazins. Und natürlich würde er ihr die Schuld dafür geben. Die süße Jacqueline konnte nie an irgendwas schuld sein. Doch nicht die süße Kleine. Priscilla seufzte.

„Also, warum fährst du jetzt nach Wyoming?“, unterbrach Lisa ihre Grübeleien.

Dankbar für den Themenwechsel, ging Priscilla gerne auf die Frage ein. „Ich habe doch letzte Woche erwähnt, dass ich mich mit Bobby Winslow unterhalten habe, weißt du noch?“

„Der ehemalige Rennfahrer?“

„Genau. Also Bobby kommt aus Destiny in Wyoming. Und da hat er ein Sommerferienlager für Kinder gegründet.“

„Und er hat dich um Hilfe gebeten?“

„Eigentlich nicht.“ Ein unwesentliches Detail, von dem sich Priscilla bisher noch nie hatte aufhalten lassen. „Aber wir haben uns darüber unterhalten, wie man dafür Spenden sammeln könnte. Und ich wollte den Rest des Sommers sowieso nutzen, um meine beruflichen Möglichkeiten zu überdenken.“

„Okay, also ich verstehe ja, dass du die Urlaubspläne mit diesem Idioten über den Haufen wirfst. Aber stattdessen allein durch den Wilden Westen zu gondeln?“

Allein? Priscilla warf einen Blick auf den Beifahrersitz, wo ihr Passagier auf einem flauschigen Kissen schlummerte. „Wer sagt, dass ich allein bin?“

„Oh, bitte sag jetzt nicht, dass du Jacquelines hässliche Promenadenmisch…“

„Sebastian Niles Königliche Eleganz ist nicht hässlich. Er ist ein reinrassiger, glatthaariger Chihuahua.“

„Süße“, wiederholte Lisa, „bist du dir wirklich sicher, was diese Sache angeht?“

„Dass ich Abstand brauche? Absolut. Ich besuche Bobby und seine Frau für ein paar Tage. Keine Ahnung, was ich danach unternehme.“

„Also, ganz egal, wo du landest, bitte denk dran, dich bei mir zu melden. Ich stecke zwar bis zu meinen falschen Wimpern in der Arbeit für die nächste Frühjahrskollektion, aber das heißt noch lange nicht, dass ich nichts von deinen Abenteuern hören will.“

Priscilla schnaubte. „Ich glaube, da denkst du an die falsche Schwester.“

„Oh nein. Du musst einfach mal locker werden. Und zwar angefangen mit deiner Frisur.“

Priscilla berührte ihr Haar. „Der Wind würde mein Haar total durcheinanderbringen.“

„Das ist doch gerade der Sinn und Zweck von einem Cabrio.“

Priscilla trug ihr Haar jetzt schon so lang in einem strengen Knoten, dass sie es im Schlaf hochstecken konnte. Das war die Frisur, die ihre Mutter getragen hatte. Ihre Mutter war seit vierzehn Jahren tot.

Sollte sie es wagen? Eine Handbewegung, und der Sommerwind verfing sich in ihren langen Locken und wirbelte sie nach hinten. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte ihr, wie anders sie aussah.

„Das fühlt sich doch gut an, oder?“

Priscilla musste zugeben, dass ihre Freundin recht hatte. „Woher hast du gewusst, dass ich es tatsächlich getan habe?“

„Ich habe dich seufzen gehört.“

„Es sind nur Haare, Lisa.“

„Es ist ein Anfang. Wart’s nur ab!“

Die Überzeugung in der Stimme ihrer Freundin brachte sie zum Lachen. Sie bedankte sich bei Lisa und beendete den Anruf.

Um fünf Uhr Nachmittag war Priscilla erschöpft. Außerdem war ihr Begleiter inzwischen hellwach und zappelig.

Das Navi ihres Autos zeigte an, dass Destiny noch immer zwanzig Meilen entfernt war. Aber ihr vierbeiniger Freund sah nicht so aus, als ob er bis zu ihrer Ankunft warten konnte, um seine Geschäfte zu erledigen. Hinter einem Firmengelände mit Werbeschildern für Blockhäuser entdeckte sie eine Nebenstraße, die zu einer Wiese am Ufer des Flusses führte. Dort hielt sie im Schatten einer Baumgruppe an.

„Verlauf dich nicht“, rief sie, als der Hund geradewegs auf die Bäume zulief.

In ihren hohen Absätzen war es schwierig, ans Ufer vorzustoßen. Aber sobald sie einen Stein fand, auf dem sie sitzen konnte, zog Priscilla ihre Schuhe aus und tauchte ihre schmerzenden Zehen in das klare Wasser.

Weil sie nicht widerstehen konnte, watete sie in den Fluss hinein. Das kalte Wasser umströmte ihre Unterschenkel und eine leichte Brise liebkoste ihre nackten Arme. Priscilla genoss es, allein zu sein. Sie hatte das Gefühl, als ob sie zum ersten Mal seit Monaten durchatmen konnte.

Keine klingelnden Telefone, keine kritischen Väter, keine weinerlichen Ausreden ihrer Schwester, keine nervigen Paparazzi …

Einfach nur Ruhe und Frieden.

„Liebling, ich bin nun mal ein Mann, der die Gesellschaft von Frauen braucht.“ Dean Zippenella hatte normalerweise keine Probleme damit, Damen zu bezirzen. Aber dieses weibliche Wesen saß stumm und stur auf dem Beifahrersitz von seinem Truck.

„Unsere traute Zweisamkeit bedeutet mir wirklich viel. Aber ich würde gerne hin und wieder mal eine Freundin mit nach Hause bringen, ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass du irgendwas Verrücktes anstellst.“

Er versuchte, Blickkontakt aufzunehmen. Aber sie starrte zum Fenster hinaus.

„Weißt du, es liegt nicht nur an deiner unfreundlichen Art. Dein undamenhaftes Benehmen bringt dich in die größten Schwierigkeiten.“

Das brachte ihm eine Kopfbewegung ein, die beinahe herrisch wirkte.

„Muss ich erst alles aufzählen?“ Dean ließ eine Hand am Lenkrad und zählte mit der anderen ihre Schandtaten auf. „Ihre Schuhe verstecken und auf allem herumkauen, was du aus ihren Handtaschen ziehen kannst.“

Daisy bellte kurz. Verdammt, sie verzog sogar die Lefzen, als ob sie frech grinste. Sie mochte Frauen nicht. Nicht einmal die Frauen, die Dean am meisten bedeuteten. Seine Großmutter, seine Mutter und seine drei Schwestern. Dabei hatten sie sich alle darum bemüht, Daisys Gunst zu erringen, als er nach seiner Zeit beim Militär wieder bei seiner Familie in New Jersey aufgetaucht war – die Reisetasche in der einen Hand, den Hund in der anderen.

Der Mischlingshund, den er im Mittleren Osten vor einem kläglichen Dasein gerettet hatte, war ihm treu ergeben. Mit Männern kam sie gut klar. Aber ihre Meinung, was die Damenwelt anging, hatte sie nie geändert.

Dean warf einen Blick auf die Uhr. Er hatte noch eine Stunde Zeit, bis er zu seinem letzten Patienten musste. Mit seiner Schicht im Veteranenzentrum in Cheyenne war er früher fertig gewesen als geplant. Also war er nach Hause gefahren, um Daisy zu holen. Sie begleitete ihn immer zur Physiotherapie mit seinem Lieblingspatienten.

Da bemerkte er ein rotes Cabrio, das in der Nähe des Flusses parkte. Er runzelte die Stirn und fragte sich, ob da jemand eine Panne hatte. Also hielt er auf der anderen Seite der Lichtung. Der Anblick einer blonden Schönheit, die gerade im Blue Creek River Abkühlung suchte, kam völlig überraschend.

Bellissima! Wo kommst du denn auf einmal her?

Er stieg aus, ließ aber die Klimaanlage an. Dann ging er zum Flussufer. Dabei genoss er den Anblick der Beine der schönen Fremden. Die war gerade dabei, ihren Rock höher über die Oberschenkel zu raffen, während sie tiefer ins Wasser watete. In Anbetracht der schicken Koffer auf dem Rücksitz ihres Autos und ihrer Kleidung stammte sie nicht aus der Gegend. Ihr Stil sah mehr nach City als nach Country aus …

Plötzlich raste ein goldbrauner Blitz an ihm vorbei.

„Was zur Hölle?“ Dean hatte keine Ahnung, wie Daisy das geschafft hatte. Aber sie rannte geradewegs auf das Flussufer zu.

Und auf die nichts ahnende Frau.

„Daisy!“ Lieber Himmel. „Daisy, bei Fuß!“

Sein Hund hörte nicht. Nein, Daisy rannte geradewegs auf die Wassernymphe zu.

Die Frau fuhr herum. Blondes Haar floss ihr in Wellen um die Schultern und eine dunkle Sonnenbrille verbarg ihre Augen. Ihr großzügiger Mund öffnete sich vor Überraschung.

Sie wich stolpernd ein paar Schritte zurück, als Daisy sie erreichte, sich mit einem Platsch vor ihr ins Wasser stürzte und dann vor ihr stehen blieb.

Und verdammt noch mal, jetzt fing Daisy doch tatsächlich an, unter Wasser mit dem Schwanz zu wedeln.

Die Frau lächelte und beugte sich vor. Sie streckte die Hand nach seinem Hund aus. Eine ganz normale Reaktion. Aber Daisy war kein normaler Hund.

„Stopp!“, rief Dean. „Nicht anfassen.“

Die Wassernixe hielt inne, bevor sie sich langsam aufrichtete und die Hand zurückzog.

Dann hob sie das Kinn. „Ich wollte nur Hallo sagen.“

Ihre Stimme war glatt und seidenweich wie der beste Chardonnay. Dean blieb stehen. „Das ist wahrscheinlich keine gute Idee. Sie kann … unberechenbar sein. Daisy, bei Fuß.“

Daisy ignorierte ihn und starrte weiter die Blondine an, die wiederum den Hund ansah, bevor sie Dean wieder einen Blick zuwarf. „Beißt sie?“

Das hatte Daisy noch nie getan. Aber er wollte gar nicht daran denken, dass es für alles ein erstes Mal gab.

„Nein. Ich glaube nicht.“ Der fünfzehn Kilo schwere Hund sah einem portugiesischen Podengo ähnlich. Zugegebenermaßen knurrte sie nicht und ihr struppiges Fell war nicht gesträubt. „Daisy! Komm her!“

Anstatt zu gehorchen, ging sein Hund noch ein paar Schritte auf die blonde Frau zu. Die betrachtete Daisy mit zur Seite geneigtem Kopf. „Gehorcht sie immer so gut?“

„Meistens ist sie brav.“ Wenn sich das für sie lohnte, jedenfalls. „Aber sie hat schon ihren eigenen Willen. Ein echtes Weibsstück eben.“

„Was soll das heißen?“

„Dass mein Hund Unabhängigkeitsgeist hat.“

Die Gesichtszüge der Frau entspannten sich. „Ach so, davor habe ich Respekt.“

„Ich habe Ihr Auto von der Straße aus gesehen und angehalten, um zu schauen, ob Sie eine Panne haben.“ Er deutete mit einem Daumen auf das Cabrio. „Sie sind offensichtlich nicht von hier. Gibt’s irgendwelche Probleme?“

„Abgesehen davon, dass mich ein fremder Mann und sein Hund gestellt haben? Nein.“

„Ich wollte nur nett sein.“

„Danke, aber uns geht’s prima. Ich wüsste es zu schätzen, wenn Sie jetzt wieder verschwinden.“

Wir? Er sah sich kurz um und konnte niemanden entdecken. Egal. Sie hatte ihre Wünsche klar ausgedrückt. Also sollte er sich auf den Weg machen.

„Hey, hör auf!“ In dem Augenblick, als Daisy ihr nacktes Bein ableckte, war es um die kultivierte Art der Frau geschehen. Sie musste lachen. „Das kitzelt!“

Beim Klang ihres Lachens und dem Anblick ihres Lächelns durchfuhr Dean reines Verlangen. Plötzlich war ihm völlig egal, ob sein Hund ihm gehorchte.

„Hör auf.“ Sie wich zur Seite aus. Aber Daisy wich ihr nicht von der Seite. „Keine Küsschen mehr, Miss Daisy. Du musst jetzt artig sein.“

Verwirrt starrte Dean seinen Hund an. Daisy benahm sich wie ein verliebter Schoßhund. „Wahnsinn. So habe ich sie noch nie erlebt.“

„Tatsache?“

Er verschränkte die Arme vor dem Oberkörper. „Ja, allerdings.“

„Also, wenn es Ihnen nichts ausmacht, könnten Sie vielleicht noch mal versuchen, sie zu rufen?“

„Ich probier’s mal.“ Dean ging in die Hocke. „Komm her, Daisy.“

Sein Hund würdigte ihn keines Blickes.

„Um Himmels willen!“ Die Frau ging auf ihn zu. Daisy blieb an ihrer Seite. „Auch wenn das jetzt wirklich lustig war, es wird Zeit, dass du zu deinem Herrchen zurückkehrst, Miss Daisy.“

Daisy stieß ein leises Bellen aus, als ob sie ihrer neuen Freundin widersprechen wollte. Die lachte erneut. Und diesmal bückte sie sich und kraulte den Hund sanft hinter den Ohren.

Dean wusste nicht, wo er zuerst hinsehen sollte. Ihre verführerischen, spitzenbedeckten Brüste kamen plötzlich dank des tiefen Ausschnitts zum Vorschein, als sie sich bückte. Und Daisy ließ sich ins flache Wasser plumpsen, die Nase nach oben gestreckt, ein Sinnbild wohliger Zufriedenheit.

Er konnte der Versuchung nicht widerstehen, einen zweiten Blick auf die Kurven der Frau zu erhaschen. Dann beschloss er, sich Daisy zu schnappen, solange der Hund abgelenkt war. Ein paar Sekunden später hatte er Daisy im Arm. Aber als er sich aufrichtete, stand die Fremde auch auf. Er stieß nur mit der Schulter gegen sie, aber das genügte. Mit einem Platsch fiel sie ins Wasser.

Oh, verdammt.

Sie versuchte, sich mit den Armen abzufangen. Doch das schaffte sie nicht. Mit einem leisen Aufschrei landete sie im hüfthohen Wasser.

„Hoppla. Das tut mir leid.“ Dean hielt Daisy mit einer Hand fest. Ihr nasses Fell durchtränkte sein Hemd. Die andere Hand streckte er sofort nach der Frau aus. „Hier, ich helfe Ihnen.“

„Nein!“ Sie hustete und winkte ab, während sie versuchte, sich aufzusetzen. „Nein, danke. Mir geht’s prima.“

Irgendwie kämpfte sie sich auf die Füße. Ihre Kleidung klebte jetzt an ihr. Der nasse Stoff war fast durchsichtig. Jeder Zentimeter ihres wunderbaren Körpers war sichtbar, einschließlich BH und Höschen.

Ein leises Knurren ertönte. Überrascht schaute er nach unten. „Hast du mich etwa gerade angeknurrt?“

Daisy war eindeutig nicht einverstanden damit, dass er ihr den Spaß verdorben hatte.

„Alles okay mit ihr?“

„Ich glaube, sie ist sauer, weil ich euch gestört habe“, sagte Dean. „Und weil ich schuld bin, dass Sie ins Wasser gefallen sind. Tut mir wirklich leid.“

„Entschuldigung angenommen. Aber wenn es Ihnen nichts ausmacht …“

Sie beendete den Satz nicht und schob sich an ihm vorbei. Er drehte sich um und beobachtete, wie sie ein Paar hochhackige Schuhe aufhob und dann zu ihrem Auto ging.

Oh ja, sie sah wirklich von allen Seiten fantastisch aus.

Dean folgte ihr und erreichte sie, als sie sich über den Rücksitz ihres Cabrios beugte, eine Jacke nahm und sich damit abtrocknete. Dabei fiel ihr Blick in den Rückspiegel. Sie presste die Jacke gegen ihren Busen und wirbelte herum.

„Meine Sachen … das Wasser …“, stotterte sie. Sie stampfte mit dem Fuß auf. „Und Sie haben einfach nur dagestanden!“

Daisy knurrte wieder, als ob sie die Anschuldigungen der Dame bestätigen wollte. „Also, was hätte ich denn tun sollen?“

„Verschwinden zum Beispiel.“ Ihr Ton wurde kühler. „Jetzt sofort.“

„Ich denke nicht, dass ich Sie hier allein lassen sollte …“

„Ich bin nicht allein. Snake!“

Snake? Verdutzt sah er sich um. Wer war das? Etwa ein Bodyguard?

Sie wirkte auf jeden Fall, als ob sie sich Personenschutz leisten konnte. Aber wo hatte der Kerl dann die letzten zwanzig Minuten gesteckt? Bevor Dean fragen konnte, raste ein Fellknäuel aus dem Gebüsch. Der Hund rannte schnurstracks auf die Fremde zu und drängte sich zwischen Dean und die Frau. Dabei wurde sein nerviges Kläffen immer lauter.

Daisy verspannte sich. Dean verstärkte den Griff, mit dem er sie festhielt. Aber sie starrte die kleine Kreatur nur an.

„Was ist das denn?“, fragte er. „Und kann man das abstellen?“

„Ruhig, Snake. Alles gut.“

Aber das kleine Vieh bellte weiter. Dean konnte nicht anders, als sich über diese jämmerliche Karikatur des besten Freundes eines Mannes – oder einer Frau – lustig zu machen. „Also, ich sehe, Sie haben Ihren Hund genauso gut unter Kontrolle wie ich meinen. Hey!“

Der Hund war endlich verstummt. Aber nur, um ein winziges Hinterbein zu heben und direkt auf Deans Cowboystiefel zu pinkeln!

„Ach du meine Güte!“ Sie lachte laut auf. „Das tut mir aber leid. Snake, komm her.“

Die kleine Ratte trottete zu ihr hinüber und ließ sich zu Füßen ihrer Eigentümerin fallen.

„Ich muss mich entschuldigen“, wiederholte sie, während die Mundwinkel ihrer vollen Lippen zuckten. „So was hat Snake noch nie gemacht.“

„Na klar.“ Dean schüttelte seinen Schuh ab. Der Saum seines Hosenbeins war jetzt so feucht wie sein Hemd.

„Wie Sie sehen, habe ich einen guten Beschützer, also …“

„Na schön. Sie haben gewonnen. Wir verschwinden. Komm, Daisy.“ Er drehte sich um und ging zu seinem Truck. Als er einstieg, achtete er darauf, den Fensterheber zu blockieren.

Tatsächlich, Daisy legte prompt die Pfote auf den Knopf.

„Oh nein, du hast heute schon genug angestellt“, schimpfte Dean, als er im Rückspiegel noch einen Blick auf die Frau warf. „Und deinetwegen habe ich nicht mal ihren Namen erfahren.“

2. KAPITEL

Das Painted Lady Inn war ein wunderschönes Gebäude im viktorianischen Stil mit Türmchen und Giebelverzierungen im Zuckerbäckerstil.

Die Stadt Destiny war viel kleiner, als Priscilla erwartet hatte. Im Vorbeifahren hatte sie Ladengebäude mit Ziegelsteinfassaden, bunten Vordächern und blühenden Blumen im Vorgarten gesehen. Alles wirkte ein bisschen altmodisch, hatte aber durchaus seinen Charme.

Priscilla bog auf den Parkplatz neben dem Inn ein und hielt an. Dann betrat sie die Pension so würdevoll, wie ihr momentanes Erscheinungsbild es ihr erlaubte.

Sie hatte sich abgetrocknet. Ihre Jacke hatte sie über dem Kleid zugeknöpft und ihr Haar wieder hochgesteckt. Aber sie hatte nicht riskieren wollen, sich in der freien Natur umzuziehen.

Wer konnte sagen, ob nicht noch ein guter Samariter vorbeikommen würde? Der über einsachtzig groß war und einen verrückten Hund hatte?

Er hatte sich ja bemüht, charmant zu sein. Aber als sie bemerkt hatte, wie durchsichtig ihre nassen Sachen waren …

„Hallo. Sie müssen Miss Lennox sein.“ Eine zierliche ältere Dame mit schneeweißem Haar und einer schicken grauen Brille sprach sie hinter dem Tresen an. „Und ich nehme an, das ist Ihr Hund?“

„Ja, ich bin Priscilla Lennox.“ Plötzlich fühlte sie sich furchtbar erschöpft. Sie war dankbar, dass die Frau ihre feuchten Haare und ihre nasse Kleidung ignorierte. „Und das ist … na ja, sein Spitzname ist Snake.“

Die Dame zog die Augenbrauen hoch. „Was für ein interessanter Name. Ich bin Minnie Gates. Herzlich willkommen.“

„Danke.“ Der Charme und die Eleganz dieser Frau passten perfekt zum Inn. „Sie haben es hier wirklich wunderschön.“

„Danke. Wir sind stolz auf unser Haus.“ Minnie lächelte und nahm Priscillas Kreditkarte. Einen Augenblick später kam sie mit der Karte und einem großen verschnörkelten Schlüssel zurück. „Ich habe Sie im vierten Stock untergebracht. Sie haben unsere größte Suite. Wenn Sie gleich nach oben gehen wollen, kann ich Ihnen den Rest Ihres Gepäcks hochbringen lassen.“

„Das wäre wunderbar.“ Sie übergab ihre Autoschlüssel. Dann entdeckte sie ein kleines Schild auf dem Tresen, das auf Wellnessangebote aufmerksam machte. Genau das, was sie brauchte. „Oh, eine Massage wäre fantastisch nach einem ganzen Tag am Lenkrad. Ist es zu spät, um noch einen Termin zu vereinbaren?“

„Wenn Sie noch ungefähr dreißig Minuten warten können, kann ich das für Sie arrangieren.“

„Sie sind ein Engel, Ms Gates.“

„Bitte nennen Sie mich Minnie. Die Räumlichkeiten für die Wellnessanwendungen befinden sich hier im Erdgeschoss. Kommen Sie einfach herunter, wenn Sie so weit sind.“

Priscilla lächelte dankbar. Dann nahm sie ihre Tasche und ging zum Aufzug. Sobald sie eingestiegen war, drückte sie Snake an ihre Brust.

Snake schmiegte sich an sie und seufzte. Priscilla erinnerte sich noch daran, als der Hund das zum ersten Mal getan hatte. Ihre Schwester hatte die winzige Kreatur nach Hause gebracht und hatte viel Aufhebens um ihn gemacht. Aber kurz darauf war sie zu neuen Abenteuern aufgebrochen und hatte Snake zurückgelassen. Nach ein paar Tagen war der Welpe Priscilla spät abends in ihr Arbeitszimmer gefolgt und hatte es sich mit genau diesem zufriedenen Seufzer auf ihrem Schoß bequem gemacht. Das hatte sie irgendwie angerührt.

Priscillas Zimmer befand sich am Ende eines langen Korridors. Das Bettzeug, die Kissen und die Wände waren in beruhigenden Pastelltönen gehalten: Elfenbein, Lavendel, Blassgelb und Grün. Die Suite verfügte über einen Wohnbereich mit Kamin auf der einen Seite und ein Himmelbett auf der anderen Seite des Zimmers.

Es dauerte nicht lange, bis ihr Gepäck gebracht wurde. Dann zog Priscilla ihr Handy heraus, um es aufzuladen. Dabei bemerkte sie zwei neue Sprachnachrichten von ihrem Vater.

„Priscilla, wo bist du? Deine Schwester kann ich auch nicht erreichen. Ruf mich an. Diese Situation muss bereinigt werden. Jetzt sofort. Das sieht dir gar nicht ähnlich …“

Sie beendete das Abhören, bevor er mit seiner Strafpredigt fertig war.

Es juckte sie in den Fingern, ihn zurückzurufen und ihm zu sagen, dass sich diesmal jemand anders um alles kümmern konnte. Aber das hatte sie an diesem Tag schon zweimal versucht. Am Ende hatte sie ihm von seiner Sekretärin ausrichten lassen, dass sie auf absehbare Zeit nicht in der Stadt sein würde.

Sie zog ihre nassen Sachen aus und schlüpfte in bequeme Yogahosen und ein schlichtes Oberteil. Im Vorübergehen warf sie der riesigen Badewanne einen sehnsüchtigen Blick zu.

Autor

Christyne Butler
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