Ich will dich jetzt … und für immer!

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Was für eine Nacht! Verkatert kommt Racy im Hotel in Las Vegas zu sich. Erst hat sie die Barkeeper-Meisterschaft gewonnen, dann ihre heimliche Liebe Gage wiedergetroffen und … Moment mal! Was macht der Ring an ihrem Finger? Und was macht Gage, ultrasexy und nackt, in ihrem Bett?
  • Erscheinungstag 07.08.2017
  • ISBN / Artikelnummer 9783733779504
  • Seitenanzahl 130
  • E-Book Format ePub
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Leseprobe

1. KAPITEL

Letzte Augustwoche …

Racy Dillon war bereit, beim Grab ihres Vaters zu schwören, dass der ein Meter zwanzig große Pokal mit dem falschen Walnussholzfuß und den glänzenden rot-goldenen Säulen das hässlichste Ding war, das sie je gesehen hatte. Angesichts ihres umnebelten Hirns musste sie ein paar Mal blinzeln, bis sie die Trophäe klar erkennen konnte.

Ja, immer noch scheußlich.

Selbst die geflügelte Figur obendrauf sah grässlich aus, zumal Racys pinkfarbener Spitzenslip von dem fünfzackigen Stern baumelte, den die Figur hochreckte. Am Fuß war eine Messing-Plakette mit der Inschrift Erster Platz, Midwest-Regionals, U.S.-Barkeeper-Wettbewerb, Las Vegas, Nevada angebracht. Na bitte. Sie war den ganzen weiten Weg von Destiny, Wyoming, hergekommen, um es allen zu zeigen und sich einen Namen zu machen.

Erfolg riesig, Kater auch.

Ihr Kopf fühlte sich an, als ob eine ganze Armee Presslufthämmer darin wüten würde. Sei’s drum, auch die schafften es nicht, die Erinnerung daran zu tilgen, wie gestern ihr Name mit fast voller Punktzahl ausgerufen wurde. Sie hatte sich das Preisgeld mit großer Geste in den Ausschnitt ihrer eng geschnürten Korsage gesteckt und dann ihren Sieg gefeiert. Wenn jemand wusste, wie man richtig feierte, dann Barkeeper. Eine Runde Tequila hatte den Anfang gemacht, und dann war es immer besser geworden. Natürlich war ihre Erinnerung an die Fortsetzung des Abends nicht mehr ganz so klar. Es war Jahre her, dass sie sich so viel hinter die Binde gegossen hatte wie letzten Abend.

Racy schloss die Augen, nicht nur um das leichte Schwanken des Fußbodens auszublenden, sondern auch wegen der Sonnenstrahlen, die durch die zugezogenen Vorhänge fielen, die wiederum einen sensationellen Blick auf den Las Vegas Strip verhüllten. Für den Rest des Wochenendes hatte sie ihr Zimmer gegen die Luxussuite eintauschen können.

Racy rekelte sich unter den edlen Laken und genoss die kühle Glätte auf ihrer bloßen Haut. Dankbar für die üppigen Kissen unter ihrem hämmernden Kopf rollte sie sich an die Bettkante.

Verdammt, was sie jetzt brauchte, war ein Glas eiskalter Apfelsaft. Sie hatte keine Ahnung, wieso, aber das half ihr immer am besten nach einer Nacht voll heißem …

Ein tiefes Knurren und eine Bewegung hinter ihr ließen Racy erstarren. Ehe sie sich rühren konnte, drängte sich eine Wand aus Muskeln und Hitze von hinten an sie. Ein raues Stoppelkinn legte sich auf ihre Schulter, ein schwerer Arm auf ihre Hüften.

Erneut ein Knurren – nein, es war eher ein Stöhnen, dann presste jemand seinen Mund erst in ihr Haar und dann auf ihre Haut – bevor es ruhig wurde. Regelmäßige Atemzüge verrieten Racy, dass er wieder entspannt eingeschlafen war. Fast entspannt, wenn man von der Härte absah, die sie an ihrem Rücken spürte.

Oh nein! Das durfte nicht wahr sein. So etwas machte sie doch nicht mehr. In ihrer leichtsinnigen Vergangenheit hatte das dazugehört, war aber jetzt vorbei.

Racy presste die Finger an ihre pochende Stirn. Denk nach, Mädchen, was genau ist letzte Nacht passiert?

Sie konnte sich erinnern, dass sie in einer Hotelbar gefeiert hatte. Dann war da dieser schmierige Kerl gewesen wie aus „Der Pate“, der kein Nein akzeptieren wollte. Er hatte sie in den Po gezwickt. Sie hatte ihn geohrfeigt. Dann hatte er die Hand gehoben, aber irgendjemand – groß, breitschultrig, umwerfendes Lächeln – war dazwischengegangen und hatte die Situation entspannt.

Und dann?

In Racys Kopf drehte sich alles. Der Rest der Nacht war ein Wirbel aus grellen Lichtern, lauter Musik, dem Geräusch der Spielautomaten und noch mehr Alkohol. Und ihm.

Sie konnte sich an sein Gesicht kaum erinnern, nur an dunkelbraune Haare und starke Hände. Hände, die beim Tanzen ihren Körper liebkost hatten. Muskulöse Arme, die sie hochgehoben hatten, als sie darauf bestanden hatte, durch den Springbrunnen zu tanzen. Und ein Mund, der heiß, leidenschaftlich und aufwühlend küssen konnte. Auf der Tanzfläche, an eine Palme gelehnt, im Taxi auf dem Weg zum … wohin eigentlich?

Und Elvis?

Nein, das musste ein Traum sein, ein schlechter Traum. Ein Albtraum.

Nur dass es kein Traum war und dass sie ihren Retter mit ins Hotel genommen hatte.

Noch mehr Erinnerungsfetzen. Dieser Drang, sich auszuziehen. Hände, die an der Kleidung zerrten, dann waren Korsage, Rock und hochhackige Stiefel weg und sie als Erste nackt. Er hatte nach ihr gegriffen, aber sie war ihm ausgewichen. Als Nächstes hatte sie in einem Whirlpool gesessen und Badeperlen ins Wasser geschüttet.

Warum hatte es noch mal so lange gedauert? Cowboystiefel. Er hatte die Schuhe nicht ausbekommen, und sie hatte gelacht. Gelacht, bis er endlich zu ihr in das warme sprudelnde Wasser gestiegen war und sie zum Stöhnen gebracht hatte. Erst in der Wanne, dann auf den Stufen zum Himmelbett, dann zwischen den schneeweißen Laken, gegen die seine tief gebräunte Haut …

„Nein“, flüsterte Racy verzweifelt. Rasch zog sie das Laken bis zum Hals hoch. „Nein, nein, nein.“

Sie musste raus aus diesem Bett und weg von – oh, Himmel, sie konnte sich nicht mal an seinen Namen erinnern. Wie kam es, dass sie noch genau wusste, wie sein Mund sich auf ihrer Haut angefühlt hatte, aber nicht mehr, wie er hieß?

Als Racy seine Hand von ihrer Hüfte schieben wollte, berührte sie etwas Glattes, Kühles.

Ein Ehering.

Racy wurde übel. Sie hatte es noch nie mit einem verheirateten Mann gemacht. In ihrem Beruf erkannte sie Ehemänner auf eine Meile Entfernung, selbst wenn sie keinen Ring trugen. Ehemänner rochen nach Besitz, danach, zu jemand anderem zu gehören. Und so verrückt ihr Leben auch war, sie würde nie …

Racy presste eine Hand vor den Mund … und spürte irgendwas. Sie ließ die Hand sinken und entdeckte den glänzenden goldenen Ring an ihrem Finger. Rasch setzte sie sich auf, schob sich die zerzausten Haare aus dem Gesicht und starrte ihre Hand an: Da war er, an derselben Stelle, wo sie schon zweimal einen Ring getragen hatte.

Beim ersten Mal war sie neunzehn und dumm gewesen, trotzdem hatte sie sechs Jahre später ein zweites Mal versucht, bis in alle Ewigkeit glücklich zu sein. Als die Ewigkeit nur achtzehn Monate dauerte, hatte sie sich geschworen, nie wieder vor den Altar zu treten.

Der Ring hier sah nicht so billig aus wie die Vorgänger. Diamanten glitzerten darauf. Er konnte unmöglich echt sein, sie war nicht verheiratet.

Nein, das musste ein Scherz sein.

Racy sah sich in der luxuriösen Suite um, bis ihr Blick an den Sachen hängen blieb, die auf dem Glastisch lagen. Rasch sprang sie aus dem Bett. Oh, das war keine gute Idee, sowohl ihr Kopf als auch ihr Magen brauchten eine Weile, um mitzukommen.

Racy betrachtete ihre Handtasche und den kleinen Strauß weißer Seidenblumen daneben. Da lag auch noch eine Papierrolle mit einem himmelblauen Band drum herum, aber was sie viel mehr interessierte, war die Brieftasche, die aufgeklappt danebenlag und einen schimmernden Sheriff-Stern präsentierte.

Ein Polizist?

Racy blinzelte.

Oh nein, sie hatte ihn ganz bestimmt nicht geheiratet.

Dann fiel ihr alles wieder ein. Die Polizei-Konferenz und der Barkeeper-Wettbewerb im selben Hotel. Das Aufeinandertreffen im Spielsalon, in den Bars und Restaurants und die Polizisten unter den Zuschauern, als der Sieger bekannt gegeben wurde.

Vor allem ein Polizist.

Racy hatte ihn schon zwei Tage vorher bei den Vorrunden entdeckt, als er mit verschränkten Armen zugesehen hatte. Die Vorrunde mochte Racy am liebsten, weil sie den Barkeepern Gelegenheit gab, ihren persönlichen Stil vorzuführen, wenn sie mit Flaschen und Gläsern hantierten, jonglierten und mixten. Nach ihrem Auftritt hatte er ihr lächelnd zugezwinkert, und sie hatte impulsiv mit einer Kusshand geantwortet, bei der jeder Mann zwischen ihm und ihr gedacht hatte, sie hätte ihn gemeint.

Da hatte sie ihn das letzte Mal gesehen, bis er …

Racy griff sich die Papierrolle und löste das Band. Heiratsurkunde stand auf dem Blatt, und wieder verschwamm alles vor ihren Augen.

Braut: Racina Josephine Dillon, Bräutigam: …

„Guten Morgen.“

Beim Klang der tiefen Stimme fuhr Racy herum. Alles begann sich zu drehen, und schnell hielt sie sich an der Tischkante fest. Er saß auf der Bettkante und hatte sich mit dem Laken bedeckt, nur Brust und Beine waren frei. Den Kopf hatte er in beide Hände gestützt.

Oh, Himmel.

Gage! Sie hatte Gage Steele geheiratet?

„Das kann nicht wahr sein“, flüsterte sie entsetzt.

Er hob den Kopf und zuckte zusammen. „Sobald ich weiß, was ‚das‘ ist, komme ich …“

Seine Augen wurden groß, als er sie ansah, und die Hitze in seinem Blick zog ihr förmlich die Haut ab. Racy merkte, dass sie nichts anhatte. Rasch griff sie nach dem erstbesten Stück in der Nähe, einem weißen Herrenhemd, zog es an und knöpfte drei Knöpfe zu, ehe ihr dieser Duft in die Nase stieg. Das war Gages Hemd. Selbst nach einer durchzechten Nacht roch es noch nach ihm, nach sprudelnden Quellen, hohen Bäumen und Erde.

„Auch nicht schlecht, aber das vorher gefiel mir besser.“

Beim Klang seiner Stimme spürte Racy Wärme in sich aufsteigen. Rasch knöpfte sie auch die anderen Knöpfe zu.

„Was machen wir jetzt daraus?“

„Schon wieder ein rätselhaftes ‚Daraus‘.“ Gage fuhr sich durch die Haare. „Verdammt, ich fühle mich mies. Langsam werde ich zu alt für Tequila und kurze Nächte.“

Alt? Mit zweiunddreißig? Gage war in Höchstform mit seinem durchtrainierten, muskulösen Körper. Als Sheriff von Destiny, Wyoming, trug er die Probleme der Stadt mühelos auf seinen breiten Schultern.

Seit der Schule hatte er ihr nur Ärger gemacht.

Das ist das Problem.“ Racy ging zum Bett. „Laut dieser Urkunde und den Eheringen haben wir anscheinend letzte Nacht geheiratet.“

Verwirrung zeigte sich in seinen dunkelblauen Augen. „Was haben wir?“

„Erinnerst du dich nicht?“ Bitte, kann sich nicht wenigstens einer von uns erinnern?

Gage riss ihr das Blatt aus der Hand und runzelte die Stirn. „Verdammt, wir haben es wirklich getan.“

„Wirklich?“

„Zum Teufel, ich dachte, du machst Spaß, als du mir den Antrag gemacht hast …“

„Was?“ Bei Racys Aufschrei zuckten beide zusammen.

„Du bist in ein Juweliergeschäft marschiert und zehn Minuten später mit zwei Ringen wieder rausgekommen.“ Gage rieb sich die Stirn und erstarrte, als er den Ring an seiner Hand sah. „Dann wolltest du es unbedingt amtlich machen.“

„Ich?“

„Danach waren wir in ein paar Casinos, und ich dachte, das war’s.“ Gage zuckte die Schultern. „Als du dann so viel Geld beim Pokern gewonnen hast – Hut ab, übrigens –, musste ich dich auch noch davon überzeugen, dass ich dich nicht des Geldes wegen wollte.“

Sie hatte gewonnen? Daran konnte sie sich gar nicht erinnern. Wie viel? Würde es reichen? War sie wirklich so nahe dran …?

Moment, was hatte er gesagt? „Wie hast du mich überzeugt?“

„Machst du Witze? Du hast mich doch dazu gebracht …“ Er verstummte und sah sie mit dunklen Augen an. „Erinnerst du dich gar nicht?“

Racy grub die Zehen in den weichen Teppich und fühlte sich wie ein Kind, das man mit der Hand in der Keksdose erwischt hat. „Nur an einzelne Momente.“

„Zum Beispiel?“

„Hör zu, ich bin nicht eine deiner Verdächtigen.“ Racy verschränkte die Arme vor der Brust und warf eine rote Locke zurück. „Es ist ganz klar, dass wir beide gestern zu viel getrunken haben. Was weißt du noch von der Nacht?“

„Ich habe zuerst gefragt.“

„Ich weiß noch, dass ich den Wettbewerb gewonnen habe.“

Gages Augen richteten sich auf die Trophäe, und Racy stöhnte, als sie ihr Höschen dort hängen sah.

„Was noch?“, fragte er und sah sie wieder an.

Racy trat von einem Fuß auf den anderen. „Ich erinnere mich, dass mich ein Mafia-Typ angemacht hat, als wir gefeiert haben. Ich dachte, ich hätte alles im Griff, aber dann geriet die Sache außer Kontrolle und irgendein Kerl hat eingegriffen …“

Gage hob eine Braue.

„Du hast eingegriffen, den Helden gespielt, und dann habe ich dir zum Dank einen Drink spendiert.“

„Das ist alles?“ Das vertraute Zucken in seiner Wange verriet ihr, dass er nicht zufrieden war. „An mehr erinnerst du dich nicht?“

Racy fielen nur Bruchstücke ein, aber ein paar andere Dinge waren wieder klarer.

Wie sie beide getanzt, gelacht und sich geküsst hatten. Jahre des Kämpfens und Streitens waren vergessen, als sie gemeinsam die Stadt erkundet hatten. Später dann, hier im Zimmer, die fast verzweifelte Gier, zueinanderzukommen.

Das konnte sie ihm unmöglich sagen.

Racy schluckte. „Nein, das ist alles.“

Gage warf die Urkunde aufs Bett und streifte das Laken ab.

„Was machst du da?“

Gage dehnte sich. „Ich versuche aufzustehen.“

„Aber das geht nicht. Du – du hast doch nichts an!“

Gage schob das Laken ganz weg. „Zwischen Eheleuten ist das doch kein Problem.“

Racy drehte sich schnell um und hörte schwere Schritte, als er ans andere Ende des Bettes ging. Im Spiegel über dem Tisch waren sein breiter Rücken, die schmale Taille und sein perfekter Po bestens zu erkennen. Sie konnte den Blick nicht abwenden, als er ein Paar Boxershorts überzog und dann seine Jeans. Die Kleidung machte ihn nicht weniger attraktiv.

Reiß dich zusammen, das kann alles nicht wahr sein.

Racy betrachtete das Dokument, das ihr bestätigte, dass ihre Ehe nur zu wahr war, und sah, dass Gage zum Telefon griff. „Was hast du vor?“

„Frühstück bestellen.“ Er drückte einen Knopf. „Ja, hier ist Suite 3011. Bitte schicken Sie drei Spiegeleier, zweimal Toast und Kaffee hoch. Viel Kaffee.“ Er warf Racy einen fragenden Blick zu, aber sie schüttelte den Kopf. Essen war das Letzte, was sie jetzt brauchte.

„Dazu einen Bagel, etwas Butter und zwei große Gläser Apfelsaft. Ach so, haben Sie auch Aspirin? Danke.“ Er legte auf und drehte sich um.

„Woher weißt du, was ich frühstücke?“

Gage zuckte die Achseln. „Wir beide sind oft morgens bei Sherry’s Diner. Solche Dinge fallen mir auf.“ Er schob sich an ihr vorbei.

„Wo willst du hin?“

„Ins Bad.“ Damit verschwand er durch die Doppeltür am Ende des Zimmers. Racy betrachtete die unordentlichen Laken auf dem Bett. Bilder von ungehemmter, wilder Leidenschaft …

Nein, das war das falsche Wort. Was letzte Nacht geschehen war, das war einfach nur Sex gewesen. Purer, lüsterner, wunderbarer Sex.

Er kann nicht wissen, dass ich mich erinnere. Unmöglich.

Schnell machte Racy das Bett und pflückte dann ihr Höschen von der Trophäe, das sie zusammen mit ein paar anderen Sachen in ihren Koffer stopfte. Dann suchte sie saubere Wäsche und ein Paar Leggins hervor und zog sie über. Danach streifte sie sich Gages Hemd über den Kopf und griff nach ihrem alten grauen Sweatshirt.

Racy hielt inne. Nein, das konnte sie nicht anziehen, nicht wenn gleich sein wahrer Besitzer hereinkam. Sie wusste zwar nicht, ob er sich erinnern konnte, aber sie wollte es nicht darauf ankommen lassen. Als die Badezimmertür aufging, zog sie sich rasch ein T-Shirt über.

Gage kam aus dem Bad. Er konnte nur daran denken, was er gestern Nacht mit Racy gemacht hatte – was sie mit ihm angestellt hatte, ach was, was sie miteinander getrieben hatten – in dieser heißen, schaumigen Wanne.

Sein Kopf war immer noch nicht klar, aber immerhin bemerkte er, dass das Bett gemacht war und alles ordentlich an seinem Platz lag.

Da stand Racy in irgendwas engem Schwarzem, das ihre ellenlangen Beine bestens zur Geltung brachte. Die roten Locken fielen sexy unordentlich auf ihre Schultern, und sie trug ein T-Shirt mit der Einladung Ertränke deine Geheimnisse, deine Schmerzen oder den Liebsten im Blue Creek Saloon.

Guter Tipp. Das T-Shirt mit dem Spruch war Racys Idee gewesen, als sie Managerin und Barkeeperin im Blue Creek geworden war. Die meisten in der Stadt glaubten, dass der Spruch ihrer Lebenserfahrung entsprach, Gage eingeschlossen.

War er ein Geheimnis oder ein Schmerz? Ihr Liebster war er mit Sicherheit nicht.

„Ich dachte, dass du das vielleicht wiederhaben willst.“

Racys Stimme riss Gage aus seinen Überlegungen. Sein Blick hing an ihrem T-Shirt, das die perfekte Rundung ihrer Brüste betonte. Sie trug keinen BH. Rasch verdrängte er den Gedanken und betrachtete sein Oberhemd, das sie ihm hinhielt.

Er nahm es. Als er es überzog, spürte er noch ihre Körperwärme und hätte fast aufgestöhnt.

„Kann sein, dass die ungültig ist“, sagte er, als er die Urkunde auf ihrem Koffer sah.

Ihre schokoladenbraunen Augen wurden groß, dann wandte sie sich ab und griff nach dem Papier. „Wie kommst du darauf?“

„Das ist kein legales Dokument. So was kann jeder am Computer selber machen. Offizielle Dokumente sind auf offiziellem Papier.“

Racy schob sich die Haare aus dem Gesicht und sah sich suchend um. „Wo ist denn die Heiratserlaubnis?“

„Ich glaube, ich habe sie in …“ Gage klopfte seine Hosentaschen ab. „Wo ist meine Brieftasche?“

„Auf dem Tisch.“

Gage drehte sich um und holte die Brieftasche.

„Einen Moment. Kannst du dich auch nicht erinnern?“

Oh doch, er erinnerte sich gut an die Nacht. Er erinnerte sich an das Glück in ihren Augen, als sie den ersten Preis gemacht hatte, er erinnerte sich daran, wie er sie in einer Bar wiedergesehen hatte, und daran, wie sie sich zu ihm geflüchtet hatte, als er sich zwischen sie und den Mann gestellt hatte, der sie angemacht hatte. Er erinnerte sich an einen Drink, der zu vielen Drinks geworden war, daran, wie sie miteinander getanzt hatten – und wie es sich angefühlt hatte, sie endlich wieder in den Armen zu halten.

Danach waren sie unzertrennlich gewesen.

Er war von Bar zu Casino zu Boutique mit ihr gegangen und hatte sich gewünscht, dass diese Nacht nie enden würde. Dann hatte sie plötzlich mit den Ringen vor ihm gestanden und darauf beharrt, einen anständigen Mann aus ihm zu machen. Er hatte sie für verrückt erklärt, aber sie waren beide so in Hochstimmung gewesen, dass er mitgespielt hatte. Nachdem sie darauf bestanden hatte, dass er ihr beweisen sollte, dass er sie wirklich heiraten wollte, hatte er das getan.

Es schien gewirkt zu haben.

„Gage, antworte bitte. Kannst du dich daran erinnern, dass wir geheiratet haben?“

Gage drehte sich um und sah Racy an. „Nicht an die eigentliche Zeremonie. Aber …“, er konnte sich nicht zurückhalten und fuhr ihr mit dem Finger über die Wange, „… die Flitterwochen haben fantastisch angefangen.“

Racy errötete, und das verdeckte fast den Fleck an ihrem Hals. Gage erinnerte sich daran, dass er ihr das Zeichen – sein Zeichen – in den frühen Morgenstunden aufgedrückt hatte. Das letzte Mal, dass er einem Mädchen einen Knutschfleck verpasst hatte, war zu Schulzeiten gewesen, aber er hatte sich nicht zurückhalten können.

Er sah den Knutschfleck gerne, der ihr offenbar noch nicht aufgefallen war, und es störte ihn, dass er in einer Woche verblasst sein würde.

Racy wich zurück und verschränkte die Arme. „Ich kann mich weder an eine Zeremonie noch an Flitterwochen erinnern. Kannst du also bitte nachsehen, ob du die Heiratserlaubnis hast? Vielleicht ist das alles gar nicht wahr, alles nur ein großer …“

„Fehler?“

„Ja, ein Fehler.“ Racy hob das Kinn und ballte die Fäuste, aber sie wandte den Blick nicht ab. „Ein Missverständnis, eine Verwechslung, ein Witz …“

„Schon kapiert.“

Gage spürte bei ihren Worten einen scharfen Schmerz, den er nicht verstand. Was machte es schon, dass er es endlich geschafft hatte, Racy Dillon ins Bett zu bekommen – er hatte es immerhin fünfzehn Jahre lang versucht –, und sie sich an nichts erinnerte?

Aber du erinnerst dich, was, alter Knabe?

Oh ja, nur zu gut. Jede Sekunde war ihm ins Gedächtnis gebrannt.

Er war geliefert.

Gage öffnete seine Brieftasche und fand die Heiratslizenz, die er nach dem Verlassen des Amtes dort hineingesteckt hatte. Er faltete sie auf und überflog den Text.

„Nun?“

In ihrer Frage schwang so viel Hoffnung mit, dass es ihm wirklich leidtat, sie enttäuschen zu müssen. Sein Stolz dagegen war auf perverse Art befriedigt. „Tut mir leid, Mrs Steele, aber es sieht so aus, als wenn wir seit heute 2.30 Uhr tatsächlich verheiratet sind.“

Racy sank auf das Sofa, und ihre Augen wurden riesig vor Schock. Gages Stolz verpuffte, als er sah, dass die Vorstellung, seine Frau zu sein, ihr fast den Magen umdrehte.

Schließlich sah sie ihn an. „Was sollen wir jetzt machen, Gage?“

„Ohne Frühstück kann ich nicht klar denken. Lass uns erst mal etwas essen.“

„Wie kannst du jetzt an Essen denken?“

Racy stand auf und kam auf ihn zu. „Das ist verrückt! Du willst mich nicht am Hals haben und ich ganz sicher dich nicht.“

Deutliche Worte.

„Wir müssen uns überlegen, wie wir da wieder rauskommen. Kannst du dir vorstellen, was die guten Bürger von Destiny sagen werden, wenn wir mit Ring am Finger wiederkommen?“

Oh ja, wahrscheinlich alles von „Guter Junge“ bis „Ich gebe ihnen höchsten sechs Monate“.

„Du hasst mich! Du hasst mich schon seit der Highschool!“

„Ich hasse dich nicht.“

Racy schnaubte verächtlich. „Ich bin nicht mal ein so starkes Gefühl wert, was? Na gut, dann missbilligst du eben, wie ich mein Leben führe, und du missbilligst meine Familie. Herumtreiberei, Trunkenheit, Diebstahl, Drogen … wie deinem Vater vorher macht es dir größten Spaß, meine Brüder immer wieder so lange wie möglich in den Knast zu bringen.“

„Ich tue nur meine Arbeit.“

„Als mein Vater seinen rostigen Pick-up gegen den Telegrafenmast gefahren hat, warst du der Erste, der auf der Schwelle stand …“

„Ich wollte nicht, dass du es von anderen hörst.“

„Nein, du wolltest wieder mal die Oberhand gewinnen. Du wolltest sehen, wie ich weine, wenn ich höre, dass mein Daddy und mein untauglicher Ehemann nicht bei dem Unfall gestorben sind, sondern dadurch, dass sie eine Stunde später betrunken vor einen Achtzehntonner gelaufen sind.“

„Ja, und das hat dich so unglücklich gemacht, dass du keine Träne vergossen hast.“

Racy schwieg. „Ich weine um niemanden mehr.“

Ehe Gage antworten konnte, klopfte es. Racy öffnete und ließ den Etagenkellner mit einem Servierwagen herein.

Gage zog zwei Stühle heran. Der Duft, der unter der Abdeckhaube aufstieg, ließ ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen. Er fühlte sich immer noch schlecht, aber ein gutes Frühstück wirkte Wunder. „Setz dich.“

„Sag mir nicht, was ich zu tun habe.“

„Dann eben nicht.“ Gage setzte sich, er brauchte jetzt einen starken Kaffee. „Dann iss eben im Stehen, mir ist das egal.“

„Gage …“

„Hör zu, wir sind uns doch schon einig, dass wir einen Weg finden müssen, um das wieder in Ordnung …“

„Wir müssen es geheim halten“, unterbrach ihn Racy. „Ich will auf keinen Fall, dass sich herumspricht, wie dumm ich – wir – gewesen sind.“

Der Kaffee brannte, aber nicht halb so stark wie ihre Worte. Warum machte ihm das etwas aus? Er hätte gleich wissen müssen, dass letzte Nacht nichts geändert hatte. Die warme, glückliche Frau in seinen Armen war eine Illusion gewesen.

Das hier war die Wirklichkeit.

„Ich frage mal nach. Wir werden nicht das erste Paar sein, dem am Morgen danach Bedenken kommen.“ Gage nahm die Haube ab und griff nach einer Gabel.

Er kam nicht weit, als ihm plötzlich ein Goldring mit Diamanten unter die Nase gehalten wurde.

„Was soll das?“ Er konnte Racys Gesicht nicht erkennen, weil ihre Haare es verdeckten.

„Hier, nimm ihn.“

„Den hast du gekauft.“

„Das ist mir egal.“ Racy ließ den Ring in sein Wasserglas fallen, wo er langsam zu Boden sank. „Ich will ihn nicht. Wirf ihn weg oder schenk ihn dem Zimmermädchen … mir ist das egal.“

Sie schnappte sich den Apfelsaft und ein Glas, und Sekunden später fiel die Badezimmertür hinter ihr ins Schloss.

Gage erhob sich, hielt aber inne, als das Wasser zu laufen begann. Als er sich vorstellte, wie der verführerische Körper seiner Frau in der gläsernen Power-Dusche aus Wasserdüsen massiert wurde, reagierte sein eigener Körper sofort.

Dann blieb sein Blick an dem Ring an seinem Finger hängen. Rasch streifte er ihn ab und warf ihn auf den Wagen, wo er im Wasserglas bei Racys Ring landete.

Sie war nicht seine Frau. In ein paar Stunden würde sie nicht mal mehr seine Exfrau sein. Wie nannte man den Partner eigentlich nach einer Annullierung?

Einen Fehler.

2. KAPITEL

Letzte Januarwoche …

„Wovon, zum Teufel, sprichst du?“

„Kein Grund zu fluchen. Muss ich es noch mal sagen?“

Gage starrte seine kleine Schwester an. Na gut, nicht mehr so klein, aber zehn Jahre jünger. Sie saß ihm an dem alten Schreibtisch gegenüber, der einmal ihrem Vater gehört hatte, und war gekommen, um ihm zu erzählen, dass sie einen Job gefunden hatte. Ausgerechnet in Racys Bar.

„Ja.“

„Racy hat mir einen Job im Blue Creek gegeben.“

„Ich war gestern da, habe dich aber nicht gesehen.“ Gage ignorierte, wie allein ihr Name sein Blut in Wallung brachte.

Autor

Christyne Butler
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