Texas Cattleman's Club Edition Band 23

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OFT BERÜHRT, SINNLICH VERFÜHRT von SHERI WHITEFEATHER
Diese Augen, die sexy Kurven, das Lachen, das er so gut kennt – Dakota könnte Kathys Verlockungen sofort wieder erliegen. Doch er muss sich beherrschen: Vor drei Jahren hat sie ihn einfach eiskalt im Stich gelassen – das darf ihm nicht noch einmal passieren …

VERLOCKENDE GEFÜHLE von DIXIE BROWNING
Die Ehe hatte William Bradford seiner Sekretärin nur vorschlagen, weil Diana so einsam war – und schwanger von einem anderen. Doch was als vorübergehendes Arrangement gedacht war, weckt in dem Texaner bald den Wunsch, diese umwerfende Frau für immer lieben und halten zu dürfen!

EINLADUNG ZUR LEIDENSCHAFT von PEGGY MORELAND
Um an Rebecca Coleman heranzukommen, bittet Rob Cole die Floristin, bei ihm Haus und Garten zu verschönern. Längst verliebt, willigt sie ein – und bald knistert es heftig! Was Rebecca nicht ahnt: Rob ist Detektiv und untersucht, ob sie etwas mit dem Tod ihres Nachbarn zu tun hat ...


  • Erscheinungstag 29.08.2026
  • Bandnummer 23
  • ISBN / Artikelnummer 9783751540773
  • E-Book Format ePub
  • E-Book sofort lieferbar

Leseprobe

Sheri WhiteFeather, Dixie Browning, Peggy Moreland

TEXAS CATTLEMAN’S CLUB EDITION BAND 23

Sheri WhiteFeather

1. KAPITEL

Air Force Lieutenant a. D. Dakota Lewis saß aufrecht in einem Ledersessel und betrachtete sein Zuhause. Würde Kathy die Ranch noch kennen?

Natürlich, beantwortete er sich die Frage. Er hatte nichts verändert. Sie würde jede Kuhhaut erkennen, jedes Geweih, jede indianische Zeremonienpfeife.

Dakotas Wohnzimmer war ein buntes Ensemble aus Zeder, Pinie und Mahagoni – Truhen im mexikanischen Hacienda-Stil, Tische mit lehmfarbenen Kacheln, Spiegel mit Rahmen aus geprägtem Leder.

Er richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf seine Gäste. Im Moment diskutierten sie nicht über die Mission. Jemand hatte etwas von seiner Frau erzählt. War es Aaron Black? Scheich Ben Rassad? Dr. Justin Webb? Matthew Walker konnte es nicht gewesen sein, denn Matt war nicht verheiratet.

Nein, aber verlobt. Glücklich verlobt.

Verdammt, dachte Dakota. Was war nur mit ihm los? Die Männer waren seine Freunde. Er hatte kein Recht, ihnen ihr Glück zu missgönnen. Sie alle waren Mitglieder im Texas Cattleman’s Club, dem exklusivsten Herrenclub im Staat. Sie alle waren reich – stinkreich, wie mancher sagen würde. Und sie alle waren entweder glücklich verheiratet oder verlobt.

Nur er nicht.

Seine von ihm getrennt lebende Frau würde jeden Moment auf der Ranch eintreffen. Kathy hatte ihn ohne ein Wort vor drei Jahren verlassen. Dakota war von einem Auftrag nach Hause gekommen, und sie war weg gewesen – ihre Seite des Kleiderschranks war leer, ihre duftenden Lotionen standen nicht mehr im Bad. Zwei Jahre Ehe in den Wind geschossen, und Dakota wusste nicht einmal, warum. Er hatte seine Frau geliebt und war sicher, dass sie ihn auch geliebt hatte. Trotzdem hatte sie ihn verlassen und ihm damit eine tiefe emotionale Wunde zugefügt.

Eine Wunde, die heute mehr als sonst schmerzte. Die streng geheime Mission, wegen der sich die Mitglieder des Cattleman’s Club getroffen hatten, schloss Kathy mit ein. Sie war im Auswärtigen Dienst tätig und sollte mit Dakota ein Team bilden. Zusammen würden sie nach Asterland fliegen, in ein kleines Land in Übersee, das kurz vor einer Revolution stand.

Es klingelte. Dakota entschuldigte sich und begab sich zum Eingangsbereich. Er sah nervös auf die Uhr. Dreizehn Uhr. Sie erschien auf die Sekunde genau.

Kathy stand vor der Tür, schlank und elegant, das dichte, schwer zu bändigende Haar zu einem ordentlichen Knoten aufgesteckt. Sie trug einen beigefarbenen Hosenanzug, dazu eine smaragdgrüne Bluse, die ihre Augenfarbe unterstrich. Katzenaugen, hatte er immer gesagt. Exotische Augen und feuerrotes Haar, Merkmale, die über ihre wahre Natur hinwegtäuschten.

Keiner von beiden sprach. Sie starrten sich einfach an.

„Schön, dich zu sehen“, sagte sie schließlich und reichte ihm die Hand.

Höflicher Austausch von Nettigkeiten, dachte er. Aber was hätte er sonst machen können? Dies hier war eine rein berufliche Angelegenheit, und die Arbeit hatte in Dakotas Leben oberste Priorität. Nichts würde seinen Auftrag behindern, nicht einmal der Schmerz, der ihm vom Bauch direkt ins Herz schoss.

„Ich freue mich auch“, erwiderte er und nahm ihre Hand, als würde ihn die Berührung nicht tangieren. Sie tat es aber. Kathys Hand fühlte sich in seiner klein und feminin an, die Haut weich und warm.

Er bat sie ins Haus und verfluchte die Erinnerungen, die an die Oberfläche drängten. Ihr frischer, fruchtiger Duft stieg ihm in die Nase. Sie zog duftende Lotionen schweren Parfums vor, Düfte, die Dakota immer hungrig machten.

Er kämpfte gegen die Versuchung an, ihren Knoten zu lösen und ihr Haar über die Schultern fallen zu lassen. Er hatte die Frau, die er liebte, nicht vergessen. Hatte nicht vergessen, wie sie aussah, wenn sie in der Badewanne saß, die roten Locken frei und ungebändigt, der schlanke Körper weich und samtig. Wie oft hatte er beobachtet, wie sie mit einem Waschlappen über ihre Arme und Brüste strich? Und wie oft hatte er sie klitschnass zum Bett getragen?

„Dakota? Sind die anderen auch da?“

Kathys Frage riss ihn zurück in die Realität. Verdammt! Er stand in dem gefliesten Eingangsbereich, und seine Hormone spielten verrückt. Wie konnte er das zulassen?

„Ja, sie sind hier.“ Er führte seine Noch-Ehefrau ins Wohnzimmer und hasste sich selbst wegen des Moments der Schwäche.

Die Männer standen höflich auf, als Kathy den Raum betrat. Aaron Black umarmte sie. Wie selbstverständlich sie die Umarmung erwidert, dachte Dakota und fragte sich, warum er Eifersucht verspürte. Aaron war nicht nur glücklich verheiratet und werdender Vater, der amerikanische Diplomat war auch ein guter Freund von ihm und der Mann, der Dakota und Kathy vor fast sechs Jahren miteinander bekanntgemacht hatte.

Kathy begrüßte die anderen, kurz darauf hatten alle Platz genommen.

Dakota schenkte ihr, ohne zu fragen, ein Ginger Ale ein. Er kannte ihr Lieblingsgetränk und hatte immer einen Vorrat davon in seiner Bar.

Sie dankte ihm ruhig, das Eis im Glas klirrte. Er selbst schenkte sich eine Cola ein. Irgendwie musste er seine Hände beschäftigen, denn der Drang, ihr das Haar aufzulösen, war wieder übermächtig.

Wie gegensätzlich wir sind, dachte er. Kathy war bekannt für ihre Anmut und ihr diplomatisches Geschick, während er selbst ungehobelt war und Probleme oft mit Gewalt löste.

Er trank einen Schluck und überlegte, ob er zur Beruhigung seiner Nerven einen Schuss Rum hineingeben sollte. Wie konnte eine Frau, die so redegewandt war, ihren Mann ohne ein einziges Wort verlassen? Wie konnte sie die Gefühle ignorieren, die sie füreinander gehabt hatten? Die Liebe? Die Leidenschaft?

Dakota musste nicht fragen, wo Kathy in den letzten drei Jahren gewesen war. Er wusste es. Sie war nach Washington gezogen, um im Büro für konsularische Angelegenheiten zu arbeiten, hatte eine große Wohnung in einer exklusiven Gegend gemietet und sie mit Antiquitäten eingerichtet. Davor war sie lange beurlaubt gewesen und hatte mit dem Gedanken gespielt, ihre berufliche Karriere zu beenden. Das Leben im Auslandsdienst war für sie zu stressig geworden. Sie wollte in Texas bleiben. Das zumindest hatte sie gesagt.

Egal. Sie in Washington ausfindig zu machen war einfach gewesen. Distanz zu ihr zu halten dagegen schwierig. Aber Dakota hatte begriffen, dass sie ihn nicht sehen und mit der Frage konfrontiert werden wollte, warum sie gegangen war. Sein Stolz und sein männliches Ego hatten ihm geholfen, sich ihr fernzuhalten.

Scheich Rassad kam direkt zum Thema.

„Sind Sie mit den Ereignissen vertraut, die zu diesem Einsatz geführt haben?“, fragte er sie. „Gibt es etwas, was noch unklar ist?“

„Aaron hat mich über alles informiert“, erwiderte sie. „Ich weiß von dem Juwelendiebstahl und auch, dass die Steine wieder da sind.“ Sie hatte die Beine anmutig übereinandergeschlagen und schenkte ihm ihre ungeteilte Aufmerksamkeit „Albert Payune, Kabinettsmitglied in Asterland, hat den Raub federführend geplant, in der Absicht, mit Hilfe der Juwelen die Revolution zu finanzieren. An diesem Punkt kommen Dakota und ich ins Spiel. Wir sollen diese Revolution verhindern.“

Der Scheich beugte sich vor. „Aaron hat uns berichtet, dass Sie mit dem König und der Königin gut bekannt sind.“

„Das stimmt. Ich mag die königliche Familie sehr und werde nicht zusehen, wie sie die Herrschaft über das Land verliert.“ Sie stellte ihr Glas ab und schenkte dem Scheich ein zuversichtliches Lächeln. „Ich habe bereits Vorkehrungen getroffen, damit Dakota mich zu dem Ball anlässlich des Geburtstages der Königin begleiten kann.“

Dakota hörte zu, obwohl er von Aaron schon über alles in Kenntnis gesetzt worden war. Der Plan war sorgfältig ausgearbeitet. Sein Aufenthalt in Asterland sollte den Anschein erwecken, als wäre er rein privater Natur. Und was konnte privater sein als eine Reise mit der Ehefrau? Sie mussten ihre Tarnung nicht vortäuschen. Sie spielten sich selbst.

Fast.

Sie würden ein Paar spielen, das sich versöhnt hatte und versuchte, seine Ehe zu retten.

Dakota sah zu Kathy, und sie erwiderte kaum den Blick. Sie wirkte souverän und professionell, doch er spürte ihre innere Unruhe. Dieselbe Unruhe, die ihn auch ergriffen hatte.

Wie sollten sie die Sache durchziehen, wenn sie sich nicht einmal ansehen konnten? Wenn sie in der Gegenwart des anderen nicht entspannen konnten? Irgendwie mussten sie es schaffen. Die Zukunft eines Landes stand auf dem Spiel. Und diese Mission war viel zu gefährlich, als dass sie sich Fehler erlauben konnten.

Kathy atmete tief aus. Als Aaron sich mit einer Frage an Dakota wandte, verlagerte dieser seine Aufmerksamkeit, und sie bekam endlich die Gelegenheit, Dakota näher zu betrachten.

Die Jahre hatten es gut mit Dakota Lewis gemeint. Er war auf eine Art gealtert, die ihn noch attraktiver machte. Er war halb Komantsche, halb Texaner – ein großer kräftiger Mann, dessen Augenfarbe abhängig von seiner Stimmung von Braun zu Schwarz wechselte. Er hatte ein markantes Profil mit einem energischen Kinn und hohen Wangenknochen und strotzte förmlich vor Männlichkeit. Sein schwarzes Haar war kurz geschnitten, aber länger als damals, als er noch im aktiven Militärdienst gewesen war.

Aktiver Dienst? Abgesehen davon, dass sein Haar länger geworden war, hatte das Ausscheiden Dakota Lewis nicht verändert. Noch immer führte er gefährliche Aufträge aus, jetzt nicht mehr für die Spezialeinheit, sondern bei privat finanzierten Einsätzen. Er liebte die Gefahr, sie war sein Lebenselixier. Kathy bezeichnete Männer wie Dakota als Adrenalinjunkies – Männer, die alles gaben, um die Welt zu retten.

Natürlich, Adrenalinjunkies wurden nicht mit ihren Ehefrauen sesshaft. Sie ließen sie allein, während die Frauen beteten und hofften, dass der Ehemann gesund zurückkehren würde.

Wie viele Aufträge hatte er wohl erledigt, seit sie ihn verlassen hatte? Hatte er sie so sehr vermisst wie sie ihn? Oder hatte seine Arbeit die Leere ausgefüllt? Dakota hatte sie geliebt – das wusste Kathy. Er hatte sie nur nicht so geliebt, wie sie es brauchte. Seine Arbeit hatte immer Vorrang gehabt. Doch sie konnte es nicht ertragen, bei ihrem Mann an zweiter Stelle zu stehen.

Und dann, als sie das Baby verlor …

Oh, Gott, denk nicht an das Baby. Nicht hier, nicht jetzt. Sie legte die Hand auf den Bauch. Wann würde der Schmerz darüber vergehen, dass sie Dakotas Kind verloren hatte? Er war im Mittleren Osten gewesen, Waffenschmugglern auf der Spur, als sie eine Fehlgeburt hatte – allein und verängstigt. Sie hatte ihren Ehemann schmerzlich vermisst und Tränen um das Baby geweint, das sie nie in den Armen halten würde. Ein Kind, das sie sich so sehnsüchtig gewünscht hatte.

„Wie gut kennen Sie Albert Payune?“, fragte Scheich Rassad.

Kathy hob das Kinn und konzentrierte sich auf die Mission. Nur deshalb hatte sie zugestimmt, mit Dakota nach Asterland zu fliegen.

„Ich kenne Payune gut genug, um mir eine Meinung über ihn erlauben zu können“, antwortete sie. Weder das Interesse des Scheichs an Payune noch dessen aktive Teilnahme an dem Meeting überraschte Kathy. Sie wusste, dass die frischgebackene Ehefrau des Scheichs Albert Payune versprochen gewesen war. „Er ist ein cleverer Mann, aber sehr arrogant. Viel zu eingebildet, um charmant zu sein. Payune ist unsympathisch, weiß aber die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Er bildet sich etwas auf seine Macht ein.“

„Das perfekte Profil eines Revolutionärs“, fügte Aaron hinzu.

Matthew Walker mischte sich in die Unterhaltung ein. Seine Verlobte war Lady Helena von Asterland, eine Cousine der königlichen Familie – eine Lady, die Kathys Meinung über Payune teilte.

Nur Dakota und Dr. Webb blieben stumm. Während der Doktor still auf seinem Platz verharrte, sprang Dakota auf und lief an die Bar.

Kathy beobachtete ihn. Er bewegte sich wie ein Raubtier, das seine Beute belauerte. Das ist der Komantsche in ihm, dachte sie. Der Krieger, der sich auf seinen Gegner vorbereitet, dessen mentale Konzentration mit seinem Körper verschmolz. Sie kannte diesen Blick, den Gang, den Adrenalinstoß, der ihn in die nächste Schlacht führen würde. Dies war der Mann, der Albert Payune angreifen würde.

Hatte Dakota noch eine Narbe bekommen, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte? Ein weiteres Zeichen seines Heldenmuts?

Kathy kannte jeden Zentimeter seines Körpers. Sie kannte seine angespannten Muskeln, die schwieligen Hände, die Schmerz oder Lust beibringen konnten. Ihr hatten diese Hände, die überraschend sanft sein konnten, nur Lust und intensive Höhepunkte geschenkt. Dakota Lewis war ein ebenso talentierter Lover wie Kämpfer.

Denk jetzt nicht daran, sagte sie sich. Konzentrier dich auf die Mission!

Schließlich verabschiedeten sich die Männer, und Kathy und Dakota blieben allein zurück. Sie nahm ihre Handtasche und stand auf. Bei dem Geruch nach Leder und Holz verspürte sie plötzlich Heimweh. Die Ranch sah aus wie früher, das Wohnzimmer strahlte rustikalen Charme aus. Kissen, Lampen, Gemälde, Bronzestatuen – jedes Stück erzählte eine Westernstory.

War das Schlafzimmer auch unverändert? Hatte er die Dinge behalten, die sie ausgesucht hatte? Das Himmelbett, die handbemalte Kommode, die Pferde-Wetterfahne auf einem Chippendale Tisch? Die Ranch gehörte Dakota, doch nach der Hochzeit hatte er Kathy gebeten, das Schlafzimmer neu einzurichten – nach ihrem Geschmack. Also hatte sie Antiquitäten mit Wildwest-Relikten kombiniert, Kerzen mit Cowboystiefeln, Waterford-Kristall mit geschnitztem Holz. Das Ergebnis hatte ihm sehr gefallen, vor allem das massive Bett.

Ein Bett, an das Kathy sich besser nicht erinnerte. Sie wohnte nicht mehr hier. Dakota zu lieben bedeutete nicht, dass sie mit ihm leben und monatelange darauf warten konnte, dass er von seinen gefährlichen Missionen nach Hause kam.

Wie komisch, dass sie jetzt für eine der geheimen Operationen des Texas Cattleman’s Club zusammenkamen. Die Männer dieses angesehenen Clubs waren nicht nur bekannte Geschäftsleute. Sie waren texanische Kämpfer, Männer, die geschworen hatten, zu dienen und zu beschützen.

Nur sie hatte Dakota nicht beschützt. Er war nicht bei ihr gewesen, als sie das Baby verlor.

„Wir sollten morgen Abend zusammen essen.“

Kathy blinzelte, dann sah sie hoch. Wie lange stand sie schon mitten in seinem Wohnzimmer? Und wie lange beobachtete er sie? „Um unseren Plan abzustimmen?“

„Um uns aneinander zu gewöhnen.“ Er stellte mehrere leere Gläser auf die Bar. „So können wir nicht nach Asterland reisen. Niemand wird uns unsere Geschichte abkaufen, wenn wir uns wie zwei Fremde verhalten.“

Sie atmete tief aus. Richtig. Das Paar, das sich versöhnt hatte. Die Mitarbeiterin im Auswärtigen Dienst und ihr Ehemann. „Wir müssen noch einige Einzelheiten besprechen.“

„Das können wir beim Abendessen tun. Aber nicht in einem Restaurant. Dort gibt es zu viele Ohren. Ich möchte nicht riskieren, dass wir belauscht werden.“

Und Kathy wollte nicht auf der Ranch mit ihm essen. Sie konnte die Vertrautheit nicht ertragen. „Wie wäre es mit meiner Hotelsuite? Wie könnten den Zimmerservice nutzen.“

„Einverstanden.“

Er brachte sie an die Tür. Als sie sich umdrehte, um sich zu verabschieden, trafen sich ihre Blicke.

Ja, dachte sie, wir müssen uns aneinander gewöhnen. Drei Jahre, zu viele Einsätze und eine Fehlgeburt, von der er nichts wusste, hatten eine Distanz zwischen ihnen geschaffen, die nicht leicht zu überbrücken war. Ein Paar zu spielen, das sich versöhnt hatte, würde nicht einfach sein.

Am nächsten Abend stand Kathy vor dem Spiegel in ihrem Hotelzimmer. Sie trug ein weißes Kostüm, Goldschmuck und flache Absätze. Sie griff in ihren Ausschnitt und zog eine lange Kette heraus. Daran hing ihr Ehering, ein Brillant, eingerahmt von Smaragden. Es war albern, ihn so zu tragen, doch sie hatte nicht die Kraft, sich ganz davon zu trennen.

Er erinnerte sie an Wünsche und Träume, ein Haus voller Kinder mit dem Mann, den sie liebte und mit dem sie alt werden wollte – ein Leben ohne Terroristen und Waffenschmuggler, die ihn von zu Hause wegholten. Als sie die Kette wieder in die Bluse steckte, schlug der Ring gegen ihr Herz. Aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn.

Kathy neigte den Kopf. Ihr Haar fiel locker über die Schultern, so wie Dakota es am liebsten mochte. Schnell drehte sie es zu einem Knoten. Es ging heute Abend nicht darum, was ihm gefiel. Dies war ein Geschäftsessen.

Sie sah dem Zimmerservice zu, der das Essen brachte und den Tisch deckte. Dakota musste jeden Augenblick kommen. Kathy unterzeichnete die Rechnung und rang sich ein Lächeln ab. Sie war in der Gesellschaft hoher Würdenträger und Staatsoberhäupter gewesen. Ein Exmilitärangehöriger, ein Komantsche mit dunklen Augen, hatte kein Recht, sie so nervös zu machen.

Fünf Minuten später klopfte es an der Tür. Hocherhobenen Kopfes öffnete sie. „Hallo, Dakota.“

„Hi.“ Er lächelte.

Früher habe ich die Narbe an seinem Kinn geküsst, dachte sie. Und auch die auf seinem Bauch.

Kathy trat einen Schritt zurück. Dass ihr ausgerechnet das jetzt durch den Kopf ging – sein muskulöser Bauch.

„Komm herein. Ich habe mir erlaubt, uns schon etwas zu bestellen.“

„Großartig.“ Seine Stimme klang unerwartet locker. Doch als er schnurstracks ans Telefon ging und es auseinandernahm, wusste sie, dass der Tonfall nur Show gewesen war.

Er sprach über unwichtige Dinge, während er die Suite nach Wanzen absuchte, die ein vermeintlicher Mitarbeiter des Hotels installiert haben könnte. Kathy hatte bereits alles abgesucht, aber sie wusste seine Professionalität zu schätzen. In ihrer Nervosität könnte sie etwas übersehen haben.

„Was gibt es zu essen?“, fragte er und gab ihr damit zu erkennen, dass er nichts gefunden hatte.

„Rostbraten“, erwiderte sie und wünschte, sie könnte endlich entspannen.

„Es riecht lecker.“

„Stimmt.“

Er rückte ihr den Stuhl zurecht. Kathy setzte sich und dachte, dass der Start nicht besonders gut geglückt war. Sie fühlten sich nicht wohl miteinander.

Dann schenkte sie ihm den Wein ein. Er saß ihr gegenüber und beobachtete jede ihrer Bewegungen, die Augen voller Fragen. Offenkundig wollte er wissen, warum sie ihn verlassen hatte.

Doch sie war nicht bereit, über persönliche Dinge zu sprechen, war nicht einmal sicher, ob sie überhaupt eine Rolle spielten. Ob außer Dienst oder nicht, Lieutenant Dakota Lewis war – und würde es immer sein – ein Soldat, ein Mann, der die Gefahr liebte. Eine Frau, die sich nach Babys und häuslichem Frieden sehnte, hatte keinen Platz in seinem Leben.

Er griff nach dem Wein, und sie stocherte in ihrem Salat herum. Bevor das Schweigen sie zu ersticken drohte, sagte er: „Erzähl mir von deiner Beziehung zur königlichen Familie.“

„Ich betrachte Königin Nicole als Freundin“, antwortete sie und entspannte etwas. „In ihren Adern fließt amerikanisches Blut, und sie genießt es, sich mit einer Amerikanerin unterhalten zu können. Auch wenn sie in Asterland geboren wurde, hat sie in Amerika studiert und mag unsere Kultur.“

„Wann bist du dem Konsulat in Asterland zugeteilt worden? Du warst doch die letzten drei Jahre in Washington.“

Er wusste also, wo sie gewesen war. Natürlich wusste er es. Vor einem Mann wie Dakota konnte man nichts verbergen, und Kathy hatte es auch nicht versucht. Schließlich hatte sie gehofft, dass er zu ihr kommen und ihr gestehen würde, dass sie ihm wichtiger war als seine Arbeit.

„Ich war nur dort, um eine Sache mit Prinz Eric zu klären.“ Königin Nicoles kleiner Sohn, ein kleiner dunkelhaariger Junge, der ihr Herz gestohlen hatte. „Prinz Eric hatte Ärger auf einem anerkannten Internat in New England. Er stand kurz vor dem Rauswurf, weil er den Unterricht zu sehr störte. Da die Schule nicht besonders kooperativ war, hat Königin Nicole darum gebeten, dass ein Mitarbeiter des Konsulats die Situation einschätzt und ihr berichtet.“

Dakota schnitt sein Fleisch. „Dein Bericht muss die Königin beeindruckt haben.“

„Es stellte sich heraus, dass Prinz Eric ein reizendes Kind ist, was mich dazu veranlasste zu glauben, dass der Grund für sein störendes Verhalten genauer untersucht werden sollte. Mit dem Einverständnis der Königin zog ich eine Schulpsychologin hinzu. Sie diagnostizierte ADS, das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Ich persönlich bin der Meinung, dass der Junge unfair behandelt wurde. Eine Lernschwäche rechtfertigt keinen Rausschmiss.“

Dakota lächelte. „Du warst immer auf der Seite der Kinder. Du hättest Lehrerin werden sollen.“

Oder Mutter, dachte sie und schluckte den Kloß im Hals herunter. Sie hatte Prinz Eric kurz nach ihrer Fehlgeburt kennengelernt. Die Bindung zu dem kleinen Jungen hatte geholfen, den Schmerz über den Verlust des eigenen Kindes zu lindern. „Die Königin hat ihn auf ein anderes Internat geschickt, eine Schule, die auf Lernschwächen spezialisiert ist. Er macht sich jetzt sehr gut.“

„Schwer zu glauben, dass Prinz Ivan aus derselben Familie stammt.“

„Ich weiß.“ Kathy sah Prinz Ivan vor sich. Er war Erics älterer Bruder, ein Mann, der seine Macht missbraucht und Schande über seine Familie gebracht hatte. Er war auch eine Gefahr für Royal gewesen, eine Bedrohung für den Cattleman’s Club. Doch am Ende war er seiner eigenen Feigheit erlegen. Statt nach Asterland zurückzukehren, um seiner Familie gegenüberzutreten, hatte der Prinz Selbstmord begangen. „Ivan ist tot.“

Dakota legte seine Gabel ab. „Aber er macht immer noch Ärger. Um genauer zu sein, seine Taten in der Vergangenheit tun es. Er ist derjenige, der den König davon überzeugt hat, Payune die Position des Premierministers zu geben. Payune und Ivan waren die besten Freunde.“

Und es hatte eine Zeit gegeben, da hatte der König, blind vor elterlicher Liebe, die Absicht gehabt, Ivan den Thron zu überlassen. „Prinz Eric ist nicht wie sein Bruder. Er wird eines Tages einen wunderbaren König abgeben.“

„Gut zu wissen. Aber wenn wir Payune nicht stoppen, wird Eric diese Chance nie bekommen.“ Dakota hielt ihren Blick gefangen. „Ich hoffe nur, dass Payune uns unsere Geschichte abkauft. Ich werde ihn davon überzeugen müssen, dass du eine Doppelagentin bist.“

Kathy wollte etwas entgegnen, doch kein Wort kam über ihre Lippen. Sie griff nach ihrem Wein, trank einen kleinen Schluck.

Seine raue Stimme klang sanft, tief. „Tut mir leid, Sweetheart, ich mute dir das nicht gern zu, aber ich weiß nicht, wie ich sonst an Payune herankommen soll.“

Sweetheart. Kathy wurde warm. Dakota hatte dieses Kosewort benutzt, als sie sich das erste Mal geliebt hatten.

Zeig mir, was du magst, Sweetheart. Leg meine Hände

Oh, ja, diese Hände. Diese großen, schwieligen Hände – Fingerspitzen, die über ihre Brüste strichen, tiefer glitten, zwischen ihre Schenkel. Er hatte immer gern beobachtet, wenn sie kam, lächelnd und mit einem gewissen männlichen Stolz. Anschließend küssten sie sich, und dann drang er in sie ein, immer tiefer und schneller, bis sie erneut kam.

„Kathy?“

Sie zuckte zusammen. „Ja?“

„Alles in Ordnung mit dir? Bist du nervös?“

Ja, wollte sie sagen. Es macht mich nervös, dass ich nicht aufhören kann, über uns nachzudenken. Dass ich mich an deine Berührungen erinnern kann, an dein Lächeln, an deine Küsse, das Gewicht deines Körpers, das Wiegen deiner Hüften. „Nein. Ich habe gewusst, dass wir bei diesem Einsatz Payune täuschen müssen. Ich bin bereit, meinen Part zu spielen.“

„Wirklich? Du hast es dir nicht anders überlegt?“

„Ich bin bereit. Aaron hat mich in alles eingeweiht.“ Dakota würde als texanischer Milliardär auftreten, der Payunes Revolution finanzieren wollte, um sich persönlich zu bereichern. Und sie würde Dakotas kluge Frau spielen – eine Frau, die ihren Regierungsjob zu ihrem Vorteil nutzte.

„Mach dir keine Sorgen um mich“, fügte Kathy hinzu. Sie würde nicht zulassen, dass ihre Gedanken abschweiften, würde nicht zulassen, dass diese aufwühlenden Bilder ihren Verstand trübten. Denn die Erinnerung an Dakotas Berührungen war vielleicht gefährlicher als die Mission selbst.

2. KAPITEL

Kathy trug das Haar wieder hochgesteckt, doch der texanische Wind hatte die strenge Frisur durcheinandergebracht und ein paar Strähnen gelöst. Sie trug Freizeitkleidung – Jeans und eine kurzärmelige Baumwollbluse.

Sie saßen auf einer Parkbank, hinter ihnen eine Bronzestatue von Tex Langley, dem Gründer des Texas Cattleman’s Club.

Bei ihnen waren Scheich Ben Rassad und seine Frau, ein frischverheiratetes Paar, das viel zu verliebt aussah. Dakota widerstand dem Drang, so nah an Kathy heranzurücken, dass sich ihre Körper berührten. Auch wenn das gestrige Abendessen kein Misserfolg gewesen war, ein Erfolg war es auch nicht gewesen. Sie hatten sich noch nicht aneinander gewöhnt.

Dakota grub den Absatz seines Stiefels ins Gras. Vielleicht sollte er Kathy einfach küssen und es hinter sich bringen. Sie auf den Schoß ziehen. Ihre strenge Frisur lösen. Die Frau vernaschen, die er geheiratet hatte.

Schließlich war sie technisch gesehen noch seine Frau.

Er sah zu Ben Rassad. Ja, klar. Küss Kathy, hier im Park. Vor den Augen deines glücklich verheirateten Freundes. Was, zum Teufel, versuchte er zu beweisen? Dass er ein selbstgefälliger, eifersüchtiger Idiot war?

Dakota hob eine Flasche Wasser an die Lippen und trank einen Schluck, um seinen Mund zu befeuchten und seine Gedanken abzukühlen. Seltsam, wie sich die Dinge für Ben entwickelt hatten. Der Scheich hatte den Auftrag gehabt, Jamie zu beschützen, und hatte sich in dieser Zeit in sie verliebt. Die lebhafte junge Frau war ursprünglich Albert Payune versprochen gewesen, eine Verbindung, die Jamies Vater und Payune selbst arrangiert hatten. Glücklicherweise war Payune von dem Deal zurückgetreten.

„Hat einer von euch eine Ahnung, warum Payune per Inserat nach einer amerikanischen Frau gesucht hat?“, frage Dakota und sah das Paar an.

Jamie schüttelte den Kopf. „Nein, keine, aber wir haben darüber gesprochen.“

„Was ist euch dazu eingefallen?“

„Vielleicht hat er es aus Eitelkeit getan“, sagte Ben. „Vielleicht brauchte er eine junge Frau für sein Ego. Texanische Frauen sind zudem bekannt für ihre Schönheit.“ Er griff nach Jamies Hand. „Möglicherweise geschah es auch aus Rache. Payune könnte die Stadt Royal für Ivans Selbstmord verantwortlich machen, deshalb wollte er eine unserer Frauen als Bezahlung nehmen.“

Dakota dachte über Bens Worte nach. Was Payune betraf, war alles denkbar.

„Ich neige zu Scheich Rassads erster Vermutung“, bemerkte Kathy. „Männliche Eitelkeit.“

„Wirklich?“

Sie nickte. „Es würde sein Image in Asterland verbessern. Königin Nicole ist sehr beliebt. Da sie teils Amerikanerin ist, hat Payune vielleicht versucht, eine Frau zu finden, die mit ihr vergleichbar ist.“ Sie sah zu Ben. „Eine schöne Texanerin, wie Scheich Rassad gesagt hat.“

Dakota runzelte die Stirn. „Wenn ihr recht habt, warum hat Payune Jamie dann gehen lassen? Mein Kontakt in Asterland behauptet, dass er keine Frau mehr sucht, weder eine Amerikanerin noch sonst eine.“

Kathy fuhr sich über das vom Wind zerzauste Haar. „Ich weiß nicht. Ich hatte immer das Gefühl, dass Payune in Königin Nicole verliebt ist. Natürlich liebt sie ihren Mann, und sie ist nicht der Typ Frau, der eine Affäre hat. Ich bin sicher, Payune weiß das.“

„Aber er will sie.“ Das machte Payune noch gefährlicher. War etwa ein Attentat im Busch? Wenn der König während der Revolution getötet wurde, blieb die Königin als Witwe zurück und könnte Payunes Avancen akzeptieren. Und wenn Payune die Königin und Prinz Eric unter seiner Herrschaft hatte, hatte er auch Asterland unter Kontrolle.

Dakota erkannte, dass Payune drei Möglichkeiten hatte: Er konnte die Regierung durch eine Revolution stürzen, sich der ganzen königlichen Familien entledigen oder den König töten und die Königin heiraten.

Doch warum glaubte er, die Königin könnte sich ihm zuwenden? Wenn sie ihren Mann liebte, würde sie doch wohl nicht den Mörder ihres Mannes in die Arme schließen.

Oder doch? Täuschte Kathy sich in Bezug auf Königin Nicole? Vielleicht liebte die Königin ihren Mann gar nicht so sehr, wie sie behauptete.

Ehefrauen änderten ihre Meinung, das wusste Dakota aus eigener Erfahrung.

Beide waren Vielflieger, Dakota sogar Pilot, aber heute waren sie alles andere als entspannt, als sie in dem luxuriösen Privatjet saßen, der einem der prominenten Mitglieder des Cattleman’s Club gehörte.

Der Pilot war glücklicherweise ein ehemaliges Mitglied der Air Force, ein Mann, dem Dakota vorbehaltlos vertraute. Mit Kathy zusammen nach Asterland zu fliegen war schon schwierig genug. Das Letzte, was er jetzt noch gebrauchen konnte, war, sich Gedanken über die Kompetenz des Piloten machen zu müssen.

Kathy saß ihm gegenüber in einem Sessel. Der Jet bot alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten, ein Penthouse am Himmel. Kathy passte bestens hinein. Und er vermutlich auch – zumindest äußerlich. Er war der Sohn eines reichen Mannes, wenn auch unehelich, und dieser Mann hatte ihm ein beträchtliches Erbe hinterlassen.

Sie blätterte durch eine Zeitschrift, doch es war unschwer zu erkennen, dass sie den Inhalt nicht wahrnahm. Ihre Gedanken waren woanders. Kein Wunder, dachte Dakota. Diese Mission war für sie beide eine Herausforderung.

Sie legte die Zeitschrift auf den Tisch. „Bist du sicher, dass wir das Richtige tun?“

Guter Gott! Hatte sie es sich etwa anders überlegt? Jetzt? Sie waren auf dem halben Weg nach Asterland. „Was meinst du?“

„Dass wir den König und die Königin nicht einweihen. Ich mag es nicht, sie zu täuschen.“

„Wir täuschen sie nicht. Dass wir den Einsatz geheim halten, dient ihrem Schutz. Je weniger Menschen involviert sind, desto sicherer sind wir alle.“

„Aber es ist doch ihr Land!“

„Kathy, wir wissen nicht, wie viele Kabinettsmitglieder bei der geplanten Revolution mit von der Partie sind. Wenn der König und die Königin der falschen Person vertrauen, fliegt unsere Operation auf. Dieses Risiko können wir nicht eingehen.“

Dakota machte sich tatsächlich Gedanken um Königin Nicole und Albert Payune. „Außerdem, wie gut kennst du die Königin wirklich? Vielleicht hat sie doch eine Affäre mit Payune. Vielleicht sucht er deshalb keine Frau mehr.“

Kathy kniff die Augen zusammen. „Die Königin hat keine Affäre, Dakota. So etwas würde sie nicht tun. Sie liebt ihren Mann.“

Und ich dachte, du liebst mich, wollte er sagen. „Frauen betrügen ihre Männer also nicht? Sie lassen sich nicht mit einem anderen Mann ein?“

„Es gibt sicher welche, die das tun. Aber nicht viele. Das ist Männersache.“

Sie nahm die Zeitschrift wieder zur Hand. Dakota streckte die Beine aus. Männersache. Sicher. Er hatte andere Frauen nicht einmal angesehen, seit sie weg war. Er betrachtete Kathys schlanken Körper. Als sie eine Seite umblätterte, fiel ihm der Ring an ihrem Finger auf. Sie trug den Ehering, den er für sie hatte anfertigen lassen.

Nimm das nicht als Ermutigung, sagte er sich. Alles nur Show. Es diente allein ihrer Tarnung. „Hast du mit einem anderen Mann geschlafen?“, fragte er barsch.

Kathy wurde blass. „Das fragst du nicht wirklich.“

Er spürte, wie seine Muskeln verkrampften. Auf dem Papier waren sie noch verheiratet. Keiner hatte die Scheidung eingereicht. Also hatte er ein Recht darauf, es zu wissen. „Und?“

„Natürlich nicht.“ Sie hob das Kinn und begegnete seinem Blick. „Und du? Hattest du eine andere?“

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Es gibt da noch dieses Papier, das uns aneinander bindet.“ Und das Ehegelöbnis.

In guten wie in schlechten Tagen. Bis dass der Tod uns scheidet. Er hatte jedes Wort ernst gemeint.

Sie atmete hörbar aus, von ihrer üblichen Redegewandtheit war plötzlich nichts mehr zu spüren. „Ich denke, es war gut, dass wir … mal darüber gesprochen haben. Ich … wir … können bei der Mission keine … persönlichen Differenzen gebrauchen.“

„Ich stimme dir zu. Ich werde nicht mehr davon anfangen.“

„Gut.“

Ihr Lächeln war verkrampft, doch die Angst in ihren Augen war verschwunden. Angst, dass er mit einer anderen Frau etwas gehabt haben könnte. Der Gedanke gefiel Dakota, verwirrte ihn aber auch. Wenn das immer noch eine Rolle spielte, warum war sie dann nicht schon früher nach Hause gekommen?

Er raufte sich das Haar. Sie ist nicht nach Hause gekommen, Lieutenant Lewis. Dies hier war ein Auftrag, eine vorgetäuschte Versöhnung. Nur um das klarzustellen.

Die nächsten zwanzig Minuten schwiegen sie.

„Dakota?“, brach Kathy schließlich das Schweigen.

„Ja?“

„Warum hast du mir nie erzählt, dass die legendären Juwelen tatsächlich existieren?“

„Nur die Mitglieder des Texas Cattleman’s Club durften von ihrer Existenz wissen.“

„Wegen der Legende.“

„Ja.“

„Dann stimmt also die Geschichte von dem Soldaten?“

Er nickte. Ein texanischer Soldat hatte die Juwelen während des Mexikanisch-Amerikanischen Krieges gefunden und nach dem Krieg nach Royal gebracht, um sie zu verkaufen und reich zu werden.

„Als er nach Hause kam, wurde Öl auf seinem Land gefunden. Daher glaubte er, schon der Besitz der Steine würde Glück bringen, deshalb sollten sie in Royal bleiben.“

„Jetzt bewahren die Mitglieder des Cattleman’s Club sie sicher auf, und alle anderen glauben, es wäre nur eine Legende. Ein Geschichte, die von Generation zu Generation weitergegeben wurde.“

„Ja, aber Payune ist irgendwie hinter die Wahrheit gekommen.“

„Hast du eine Ahnung, wie?“, fragte sie interessiert.

„Möglicherweise hat Prinz Ivan etwas damit zu tun. Bei seinem Aufenthalt in Royal hat er viele neugierige Fragen gestellt. Es liegt nahe, dass er von der Legende gehört und Payune ins Vertrauen gezogen hat.“

„Und Payune fand über seinen Gefährten Robert Klimt – der Mann, der die Juwelen gestohlen hat – heraus, dass die Legende stimmte.“ Kathy lehnte sich zurück. „Ich bin so froh, dass die Steine wieder da sind. Sie sind nicht all die Jahre versteckt und beschützt worden, um jetzt in die falschen Hände zu geraten.“

„Vor allem sind sie nicht dazu da, eine Revolution zu finanzieren.“ Dakota stand auf und ging an die kleine Bar. „Möchtest du etwas Kaltes trinken?“

Sie schüttelte den Kopf.

„Dann vielleicht einen Tee?“ Er wusste, dass sie ihren Tee mit einem Teelöffel Zucker und einem Schuss Sahne trank. Ob sie sich auch noch an seine Vorlieben erinnerte? Kaffee ohne Milch und Zucker und Chilisoße zum Frühstück? Oder hatte sie lieber alles verdrängt?

„Nein danke.“

Er schenkte sich ein Glas Wasser ein und kehrte zu seinem Platz zurück.

Kathy legte die Zeitschrift auf ihren Schoß. „Machst du dir Gedanken wegen des Balls? Ich weiß, dass du diese gesellschaftlichen Ereignisse hasst.“

Das stimmte nicht ganz. Er mochte nur die gesellschaftlichen Verpflichtungen nicht, bei denen er einen Smoking tragen musste und Champagner statt Bier serviert wurde.

„Nein, ich mache mir deswegen keine Gedanken. Ich war auf vielen eleganten Bällen zu Gast.“ Und er hatte sich immer verdammt unwohl gefühlt, selbst bei den Events im vertrauten Cattleman’s Club.

„Ich soll dich also nicht in das höfische Protokoll einweisen?“

Dakota zog ein finsteres Gesicht. „Nein. Ich weiß, wie man sich in königlicher Gesellschaft benimmt. Du erinnerst dich vielleicht, dass ich zwanzig Jahre im Dienst der United States Air Force war. Da habe ich einiges an Benimmregeln gelernt.“

„Wirklich?“, neckte sie ihn und warf die Zeitschrift nach ihm. Er duckte sich und grinste, als er sich daran erinnerte, wie oft aus einem solchen Geplänkel ein Vorspiel geworden war. Heiße, leidenschaftliche Küsse. Zwei Körper, die sich aneinander rieben.

Er blickte zu Kathy und sah, dass sie das Grinsen nicht erwiderte. Auch gut. Je weniger zärtliche Erinnerungen sie aufkommen ließen, desto besser. Denn wenn dieser Einsatz beendet war, würden sie nicht zusammen nach Hause fahren.

Das Cottage, das die Königin ihnen zur Verfügung gestellt hatte, stand auf einer grasbedeckten Klippe, die Wellen des Meeres darunter schlugen gegen einen Privatstrand. Es wehte eine kühle, aber angenehme Brise, weiße Wolken zogen träge über den blauen Himmel.

Dakota suchte das Cottage erst einmal nach versteckten Mikrofonen ab, aber damit hatte Kathy gerechnet. Sie sah, dass er die Stirn runzelte. Waren seine Gedanken bei der Mission, oder hatte er das romantische Ambiente bemerkt – die Vasen mit den langstieligen Rosen, die exquisiten Schokoladentäfelchen auf dem Bett im Hauptschlafzimmer?

„Es wird nicht täglich ein Mädchen kommen“, sagte sie, nachdem er die Suche abgeschlossen hatte. „Hinten im Garten gibt es einen kleinen Bungalow für die Bediensteten, aber er steht leer. Wir sind mit genug Lebensmitteln, Handtüchern und Bettwäsche für die ganze Woche ausgerüstet worden.“

„Gut. Je weniger Menschen hier sind, desto besser.“ Er drehte sich zu ihr. „Trotzdem, wie hast du das hingekriegt?“

„Ich habe der Königin gesagt, dass wir gern allein sein möchten.“

„Natürlich, unsere Tarnung. Entschuldige, es war eine dumme Frage.“

Und eine Antwort, die beide unsicher machte. Ein verheiratetes Paar, das Privatsphäre wünschte, dachte an ein gemeinsames erotisches Bad, an ein Dinner bei Kerzenlicht, an gegenseitiges Füttern mit aphrodisierenden Speisen.

„Ich nehme das kleinere Schlafzimmer“, bot er an.

Kathy entgegnete nichts, folgte ihm aber, als er ihr Gepäck nahm und ins Hauptschlafzimmer brachte.

Dakota legte ihren Koffer und den Kleidersack auf das Bett, trat dann an die Doppeltür und warf einen Blick nach draußen. „Es ist schön hier.“

Sie stellte sich neben ihn. „Im Garten gibt es einen Springbrunnen.“ Sie betrachtete ihn als ihren persönlichen Wunschbrunnen, auch wenn ihre Wünsche bisher nicht in Erfüllung gegangen waren. „Dieses Cottage ist eine Welt für sich.“

„Aber es ist nicht unsere Welt.“ Seine Stimmung schwenkte um. „Ich muss mich bald mit meiner Kontaktperson treffen. Wir können uns nicht von Blumen und Brunnen ablenken lassen. Wir sind nicht im Urlaub.“

„Mir ist bewusst, warum wir hier sind.“ Etwas verärgert betrachtete Kathy weiter die Pflanzen. Sie würde nicht zulassen, dass er den Reiz dieses Gartens zerstörte, ein Ort, an dem geheimnisvolle Wesen Magie erzeugten. Sie wollte glauben, dass Elfen um die Blumen flatterten und Meerjungfrauen im Ozean unter ihnen planschten.

„Kathy?“

Sie drehte sich mit hartem Blick zu ihm. „Was?“

Er reichte ihr eine Schokolade vom Bett. „Trüffel. Deine Lieblingsschokolade.“

Sie biss hinein und genoss den reichen Geschmack. „Überlässt du mir deshalb diesen Raum?“ Das Zimmer hatte alles, was sie liebte – Duftkerzen, frische Blumen, duftige Gardinen.

Dakota lächelte, doch das Lächeln erreichte seine Augen nicht. Er macht sich Sorgen, dachte sie. Wegen der Mission und weil er mit seiner Noch-Ehefrau in einem abgelegenen Cottage war. Zwischen ihnen gab es noch so viele ungeklärte Dinge.

„Wer ist deine Kontaktperson? Kenne ich ihn?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein, aber ich kenne ihn schon lange. War früher beim Geheimdienst. Auch ein Indianer.“

„Komantsche?“

„Apache. Wird Thunder genannt. Wenn irgendetwas bei dieser Mission schiefgeht, nimmt er Kontakt zu dir auf, Kathy. Er hat geschworen, sich um dich zu kümmern.“

Sie wollte nicht daran denken, dass etwas schiefgehen könnte, doch sie konnte auch nicht so tun, als wäre der Einsatz ungefährlich. Ein Mann in Royal war von einem von Payunes Mitstreitern ermordet worden, und jetzt befanden sie sich auf Payunes Boden.

„Du kannst ihm vertrauen. Er hat eine Kugel abgefangen, die mir galt. Ich verdanke ihm mein Leben. Wir sehen uns sogar ähnlich, wie Brüder.“

Kathy verschränkte die Arme, fröstelte plötzlich. Wie oft war schon auf Dakota geschossen worden? Wie oft war er verschont geblieben?

Sie sahen sich an. Er stand so nah, dass sie jede Wimper sehen konnte, jede Pore seiner sonnengebräunten Haut. Sie erinnerte sich, wie es sich anfühlte, sein Gesicht zu streicheln.

Kathy befeuchtete sich die Lippen. Sie wollte nach Dakotas Schultern greifen, sich an ihn schmiegen und ihren Körper gegen seine Männlichkeit pressen. Wollte spüren, wie sie weiche Knie bekam, wenn er sie küsste.

„Du gehst jetzt besser“, hörte sie sich sagen.

Wortlos verließ er das Cottage.

Als Dakota Stunden später von seinem Meeting zurückkehrte, fand er Kathy im Garten. Er fühlte sich wie ein Eindringling, doch er hatte Neuigkeiten, die nicht warten konnten.

„Kathy“, sagte er leise.

Sie drehte sich um. „Oh, hallo. Ich wusste nicht, dass du zurück bist.“

„Ich bin noch nicht lange da.“

„Gibt es etwas Neues?“

Er nickte. „Gestern Nacht wurde eine wertvolle Halskette gestohlen. Thunder ist überzeugt davon, dass Payune dafür verantwortlich ist.“ Dakota veränderte seine Haltung. „Sie gehört einer Herzogin. Ein seltenes Erbstück, das auf dem Schwarzmarkt einen beträchtlichen Preis erzielen wird.“

„Dann hat Payune jetzt eine andere Möglichkeit zur Finanzierung der Revolution.“

„Richtig.“

„Was können wir dagegen tun? Du kannst die Operation nicht unterwandern, wenn Payune das Geld nicht braucht, das du ihm anbieten willst.“

„Stimmt. Aber noch hat er die Kette nicht an einen Hehler verkauft.“ Er merkte, dass Adrenalin durch seine Adern pumpte, eine nervöse Energie, die er nicht abschütteln konnte. Diese Mission wurde immer riskanter, und seine Frau war seine Partnerin. Der Gedanke gefiel ihm gar nicht. „Ich muss die Kette zurückholen. Zurückstehlen sozusagen.“

Kathy wurde blass. „Wie soll das funktionieren? Payune wird argwöhnisch auf jeden reagieren, der in seine Nähe kommt. Wenn ihm die Kette abgenommen wird, wird er wissen, dass jemand versucht, ihn daran zu hindern, Geld für die Revolution aufzutreiben. Und es wird nicht lange dauern, bis du in sein Blickfeld gerätst.“

„Die Herzogin hat ein Duplikat der Kette. Dieses Duplikat trägt sie in der Öffentlichkeit, es ist von herausragender Qualität – identisch mit dem Original. Ich muss die beiden Ketten also nur vertauschen. Payune wird nicht merken, dass er bestohlen wurde.“

„Erst wenn der Hehler feststellt, dass es eine Imitation ist.“

„Genau, aber das ist das Geniale an dem Plan. Er wird glauben, dass er die falsche Kette geklaut hat.“

Sie kaute auf der Unterlippe. „Das könnte funktionieren.“

„Es muss. Wir haben nicht viel Zeit. Thunder glaubt, dass die Kette direkt nach dem Ball verkauft wird. Spät in der Nacht. Und er hat auch eine Ahnung, wer der Hehler ist.“

„Der Ball findet in drei Tagen statt.“

„Deshalb habe ich für morgen ein Treffen mit Payune festgemacht. Ich muss meine Tarnung etablieren, bevor er versucht, die Kette zu verkaufen.“

Die leichte Brise spielte mit Kathys Haar. „Wann willst du die Kette austauschen? Du musst es vor dem Ball tun.“

„Mach dir deswegen keine Gedanken, Sweetheart. Ich sage dir Bescheid, wenn ich die Einzelheiten ausgearbeitet habe.“ Dakota würde ihre Hilfe brauchen. Und Thunders auch. Nur zusammen konnten sie es schaffen.

„Lass uns hineingehen. Ich könnte eine Tasse Kaffee gebrauchen.“ Er hatte noch weitere Neuigkeiten. Etwas, was er ihr nur ungern erzählte.

Als Kathy den Kaffee kochte, wurde Dakota von einer Woge heftiger Sehnsucht nach ihr erfasst. Er vermisste ihre Nähe, vermisste es, sie bei solch banalen Tätigkeiten zu beobachten. Sie war barfuß, und weitere Strähnen ihres Haars hatten sich gelöst. Er sah fast vor sich, wie sie sich so wie früher vor dem Fernseher aufs Sofa kuschelten und Popcorn aßen.

Das Leben war für ihn nie einfach gewesen, doch die Ehe mit Kathy hatte seine Welt schöner gemacht. Sie hatte das Gute aus ihm herausgeholt. Zumindest hatte er das gedacht. Kathy musste es anders gesehen haben. Einen guten Mann verließ eine Frau nicht.

Sie reichte ihm eine Tasse Kaffee. Er ging damit ins Wohnzimmer, während sie ihren noch mit Zucker und Sahne verfeinerte.

„Ich merke, dass es noch etwas gibt“, sagte sie, als sie ihm ins Wohnzimmer folgte. „Was ist los?“

„Es wird dir nicht gefallen.“

„Dakota. Jetzt rede schon!“

„Okay. Es gibt Gerüchte über die Königin und den König.“

„Was für Gerüchte?“

„Dass es Probleme in ihrer Ehe gibt.“

Sie strich sich nervös eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Das glaube ich nicht. Die Menschen erfinden gern Skandale. Das passiert jeder königlichen Familie.“

„Steck den Kopf nicht in den Sand, Kathy. Viele Paare haben Probleme. Königliche Paare sind davon nicht ausgenommen.“ Unsere Ehe ist gescheitert, wollte er sagen. Warum sollte das also nicht auch bei einem König und einer Königin so sein?

Trotzig hob sie das Kinn. „Das bedeutet aber nicht, dass Königin Nicole eine Affäre mit Payune hat.“

„Das habe ich auch nicht gesagt.“

„Aber du denkst es.“

„Nein.“ Er dachte an sein eigenes Leben, überlegte, warum Kathy ihn verlassen hatte. Er wünschte, er wüsste, was er falsch gemacht hatte. Doch jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, sie danach zu fragen. Er musste sich darauf konzentrieren, die gestohlene Kette auszutauschen und die Revolutionäre hinter Gitter zu bekommen.

Bei dieser Mission ging es nicht um das Loch in seinem Herzen. Es ging nicht um die Frau, die ihm gegenübersaß. Er täte gut daran, sich dies immer wieder in Erinnerung zu rufen.

3. KAPITEL

Kathy konnte nicht schlafen. Sie schlüpfte aus dem Bett und trat an die Terrassentür. In der Scheibe sah sie ihr Spiegelbild.

Eine Frau in weißer Seide, das Haar eine lange, zerzauste Mähne. Sie sah aus wie ein geheimnisvoller Schatten. Es war die Silhouette einer Lady, die sich nach ihrem Lover sehnte.

Plötzlich sah sie diese Frau, ihren Schatten, durch die Nacht laufen. Der Wind drückte das durchsichtige Nachthemd gegen ihren Körper. Unter dem Nachthemd war sie nackt. Für den Lover, auf den sie wartete. Er war tabu, sie wusste es. Doch sie wollte ihn. Wollte mit ihm zu Boden stürzen, ihm die Kleidung vom Leib zerren und seinen Mund auf ihrem spüren.

Was mache ich da?

Kathy schüttelte die erotischen Gedanken ab und griff nach ihrem Morgenmantel. Eine zweiunddreißigjährige Frau sollte sich im Griff haben.

Sie brauchte etwas zu essen. Ein Sandwich war vielleicht ein armseliger Ersatz für eine gute Nachtruhe, aber es würde sie von dummen Fantasien abhalten.

Sie schloss den Gürtel und machte sich auf den Weg in die Küche. Dann schaltete sie das Licht ein und holte eine Packung Schinken aus dem Kühlschrank. Sie war gerade dabei, Mayonnaise auf zwei Scheiben Toast zu streichen, als sie merkte, dass sie beobachtet wurde. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.

Kathy konnte seinen Blick spüren. Sie hatte ihn nicht kommen hören, doch sie spürte seine Anwesenheit.

Er beobachtete jede ihrer Bewegungen.

Sie straffte die Schultern und drehte sich um. Er stand in der Tür, groß und stumm, der Blick dunkel und intensiv. Er trug eine Jogginghose, die so tief auf den Hüften hing, dass sein Nabel zu sehen war. Er wirkte groß und kräftig, fast beängstigend. Seine Augen waren so schwarz, dass die Pupillen nicht zu sehen war.

Seine Bauchmuskeln zogen sich bei jedem Atemzug zusammen. Schwere, fast keuchende Atemzüge.

Er war sauer. Oder erregt. Beides gefiel ihr nicht.

„Ich kann nicht schlafen“, sagte Dakota.

„Ich auch nicht. Wir haben zu spät noch Kaffee getrunken.“

Der Kaffee hat mich nicht wach gehalten, dachte Dakota. Kathy war es.

Drei Jahre waren vergangen. Drei Jahre, seit er mit ihr geschlafen hatte, seit er ihre Hitze gespürt hatte. Und jetzt stand sie in der Küche, nur mit einem seidenen Morgenmantel bekleidet, das Haar offen – das feuerrote Haar, in das er seine Hand tauchen wollte.

Er hatte sich im Bett hin und her gewälzt und sich an ihre leidenschaftlichen Küsse erinnert. Er hatte sogar überlegt, nach draußen zu gehen, über die Klippen zu wandern, als würde er sie dort finden. Als würde sie auf ihn warten.

„Vielleicht sollte ich auch etwas essen.“

„Oh, okay.“ Sie rückte etwas zur Seite, um ihm Platz zu machen.

Er trat vor, streifte ihre Schulter, als er nach dem Brot griff. Sie schlüpfte an ihm vorbei, um eine Tomate abzuspülen. Als sie sich wieder umdrehte, fiel ihr Morgenmantel auf.

Dakota war kein Maler, der Bilder zum Leben erweckte, doch in diesem Moment, diesem unglaublichen, atemberaubenden Moment, wollte er sie verewigen. Kathys Nachthemd war durchsichtig. Ihre Brustwarzen drückten gegen den Stoff.

Er hob den Kopf, und ihre Blicke trafen sich. Die Tomate fiel ihr aus der Hand und rollte über die Arbeitsfläche. Dann bewegte sich nichts mehr. Und es herrschte absolute Stille.

„Was passiert da gerade?“, flüsterte sie kaum hörbar.

Er hörte sie und hörte sie auch wieder nicht. Der Morgenmantel stand noch offen, und Hitze erhob sich wie Dampf zwischen ihren Körpern. Er wusste, dass sie beide Schwierigkeiten hatten zu atmen.

Draußen frischte der Wind auf, drängte sich durch das Blattwerk der Bäume.

Dakota kämpfte gegen das heftige Verlangen an, mit ihr auf den Boden zu sinken, sich mit ihr dort zu wälzen und an dem Hauch von Seide und Spitze zu reißen. Hemmungsloser, verbotener Sex. In seinen Lenden verspürte er ein wildes Pulsieren, sein Pulsschlag beschleunigte sich, sein Mund wurde trocken. Er befeuchtete sich die Lippen und stellte sich vor, sie zu küssen.

Was da gerade passierte?

Der Wind heulte. Verdammter Wind. Verdammte Sehnsucht in seinen Lenden. Er starrte Kathy an, sie starrte zurück. Ihre Augen funkelten wie Smaragde. Sinnlich. Wie bei einer Katze.

Zum Teufel mit ihr.

Zum Teufel mit ihnen beiden.

„Nichts passiert“, sagte er und verbarg die Erregung in seiner Stimme. „Dein Morgenmantel ist aufgefallen, und …“

Schnell schloss sie den Morgenmantel. Dann nahm sie die Tomate.

Es ist so verdammt peinlich, dachte Dakota. Müsste es nicht sein, war es aber. Er kannte jeden Zentimeter ihres Körpers, hatte jede intime Stelle liebkost. Sie hatten zusammen geduscht und die Tropfen von der Haut des anderen geleckt. Sie waren sich nicht fremd. Und doch waren sie es. Drei Jahre lagen dazwischen – eine Ewigkeit.

„Vielleicht sollten wir darüber reden.“

„Es gibt nichts zu reden.“ Sie betrachtete die Tomate, die sie noch in Scheiben schneiden musste. „Wir machen uns ein Sandwich.“

„Ich habe keinen Hunger. Ich habe nur gesagt, dass ich ein Sandwich möchte, um in deine Nähe zu kommen. Aber es ist jetzt okay. Ich habe es überstanden und du auch.“ Er warf sein Brot in den Abfall. „Dies ist unsere erste Nacht. Morgen werden wir uns besser fühlen. Normal.“ Der Wind würde sich beruhigen, und die Begierde würde vergehen. Im Tageslicht würde alles anders aussehen.

Sie blickte auf. „Meinst du?“

Er hoffte es. „Ja. Wir müssen uns nur aneinander gewöhnen.“

Zu seiner Erleichterung lächelte Kathy – ein zartes Hochziehen der Mundwinkel. „Vielleicht verzichte ich auch auf das Sandwich“, sagte sie. „Es war ein langer Tag, und ich könnte Schlaf gebrauchen.“

Irgendwann schlief Dakota ein. Es war kein tiefer, fester Schlaf, aber immerhin so erfrischend, dass er am nächsten Morgen wieder ganz normal funktionieren konnte. Kathy war bereits in der Küche beschäftigt. Der leckere Duft nach gebratenem Speck und Eiern zog durch das Haus.

So locker wie möglich betrat er die Küche. „Guten Morgen. Kann ich dir irgendwie helfen?“

Sie stand am Herd und drehte sich zu ihm. Für einen Moment – einen langen Moment – trafen sich ihre Blicke.

Lass es nicht wieder passieren, dachte er. Nicht jetzt. Nicht heute.

„Du kannst den Tisch decken.“

„Okay.“ Er holte Geschirr und Bestecke aus dem Schrank. „Der Speck riecht lecker.“

„Ich dachte, wir könnten beide ein herzhaftes Frühstück gebrauchen.“ Sie deutete auf den Kaffee. „Er ist sehr stark. So wie du ihn gern magst.“

„Danke.“ Er schenkte sich einen Kaffee ein und trank einen Schluck. Machte Kathy sich Sorgen wegen seines Treffens mit Payune? War das der Grund für diese besondere Behandlung? Oder wollte sie ihm nur beweisen, wie normal es sein konnte, in demselben Haus zu wohnen?

Das Frühstück war fertig. Sie füllte die Teller und nahm ihm gegenüber Platz. Er lächelte, als sie ihm seine Lieblingssoße reichte.

„Du hast es nicht vergessen.“

„Natürlich nicht“, erwiderte sie. „Wie könnte ich? Du hast ein Frühstück ohne diese Soße praktisch ab...

Autor

Dixie Browning

Dixie Browning, Tochter eines bekannten Baseballspielers und Enkelin eines Kapitäns zur See, ist eine gefeierte Malerin, eine mit Auszeichnungen bedachte Schriftstellerin und Mitbesitzerin einer Kunstgalerie in North Carolina. Bis jetzt hat die vielbeschäftigte Autorin 80 Romances geschrieben – und dabei wird es nicht bleiben - sowie einige historische Liebesromane zusammen...

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Peggy Moreland

Peggy Moreland hat die Stephen F. Austin State Universität in Nacogdoches, Texas, mit einem BBA (Bachelor of Business Administration) abgeschlossen. Sie veröffentlichte 1989 ihren ersten Roman bei Silhouette Books. Sie war Gewinnerin des „National Readers‘ Choice Award“, war für den „Romantic Times Reviewers Choice Award“ nominiert und zweimal Finalistin beim...

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